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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-29 · Heft 44 (29.12.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 44 (29.12.1883)
Date
1883-12-29
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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- © — Das Geschenk einer Singstimme ist wahrlich auch ein kostbares uns anvertrautes Gut, mit dem wir in des Wortes edelster Bedeutung wuchern sollen. Das Hegen und Pflegen dieses Geschenkes aber muss, wie bereits im ersten Capitel angedeutet, schon in der frühesten Jugend beginnen, denn wie viele in der Kindheit schöne Stimmen, welche bei richtiger Behandlung in der Zukunft zur prachtvollen Entfaltung hätten gelangen können, gehen durch die unverständige Art der Erziehung gänzlich unter. Ein hierauf bezügliches, in jeder Hinsicht vortrefflich gearbeitetes Werk gibt für eine natur- und vernunftgemäße Pflege des Gehörs und der Stimme die uöthigen Winke. Es ist dies: ,Gehör und Stimmbildung. Eine auf physiologische, psychologische und pädagogische Untersuchungen und Beobachtungen gegründete Anleitung zur Pflege des Gehörs und der Stimme. Von Benedict Widmann; Leipzig, Verlag von C. Merseburger. 1874.* (Fortsetzung folgt.) Kremfler, 25. December. (Orig.-Corresp.) Das Chanukafest, welches in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes erwähnt wurde, ist in unserer Gemeinde in feierlicher Weise begangen worden. Nachdem der Tempel schon vor Beginn der angesagtcn Stunde dicht gefüllt war, sowohl von Herren, als auch von Damen, wie auch von der gesammten Volksschuljugend, welch' letztere von ihrem Oberlehrer Herrn Hermann Spielmann, angeführt wurde, begann Herr Obercantor, S. Silbermann, in solener Weise das übliche Minchagebet. Nach Schluß desselben wurde das erste Chanukalicht feierlich angezündet. Hierauf folgte Haneros Chalulo; ein Solo, welches unsxr Obercantor mit Begleitung des Harmoniums vertrug. Das Publikum wurde durch diesen Vortrag sehr angenehm berührt. Hernach wurde vom Tempelchore das Chanukalied, Moos zur je schuossi, ab gesungen. Da leider Se. Ehrwürden Herr Dr. Ad. Frankl durch eins Plötzliche Krankheit verhindert war, im Tempel zu erscheinen, hielt unser verehrter Herr Vorsteher, Hermann Löwin, eine feierliche Anspräche an die Volksschuljugend, in der er ihnen das Wesen des heutigen Halbfestes auseinanderlegte. Nach Schluss der 3iede wurde vom Frl. Friederike Schwoner ein aus dieses Fest sich beziehendes Gedicht vorgetragen, was auf alle Zuhörer einen angenehmen Eindruck machte. Nach Abschluss sämmtlicher Cercmonien beschenkte das Damencomite. an deren Spitze Frau Hajek, Frau Löwin, Frau Straßmann und Frau Dr. Löw sich befanden, sämmtliche Schüler; . die der ärmeren Classe angehörigen, wurden mit diversen Kleidungsstücken betheilt. Gr.-Kamsza, 27. Dec. Unser Oberrabbiner Herr Hirsch B. Fassel ist gestern in einem Alter von 85 Jahren gestorben. Fassel wurde im Jahre 1798׳ in Boskowitz (Mähren) geboren, wendete sich, nachdem er der ursprünglich gewählten kaufmännischen Carriere entsagt hatte, talmudischen Studien zu. Er war längere Zeit Rabbiner in Proßnitz, wo er sich gegenüber den orthodoxen Bestrebungen, welche von der reactionären Regierung begünstigt wurden, mannhaft zu behaupten wußte. Im Jahre 1852 wurde Fassel als Rabbiner nach Groß-Kanisza berufen, wo er sich der Verehrung und Liebe aller Gemeinde-Genossen erfreute. Fassel war fortwährend schriftstellerisch thätig und schrieb mehrere Werke, welche die Wiener Akademie der Wissenschäften auf ihre Kosten drucken liess. In diesen Werken, welche vornehmlich juristischen Inhaltes waren, versuchte Fassel eine Darlegung der jüdischen Anschauungen aufdem Gebiete der Civil- und Strafrechtspflege im Zusammenhänge mit dem römischen Rechtssystem zu J geben. Fassel war nicht blos durch seine reformatorischen Bestrebungen 1 unter seinen Glaubensgenossen eine weit und breit bekannte Person lichkeit, er stand auch in ununterbrochenem schriftlichen Verkehre mit hervorragenden Gelehrten aller Nationen und genoss seines Scharfsinnes wie seiner freisinuigeu Forschungen halber bei Orientalisten und׳ Ethnographen einen bedeutenden Ruf. Oleiwih. Zum Besten armer i-Kinder, ohne Unterschied der Confession, wurde vom hiesigen Gesangsvereine ein Concert veranstaltet, an dem auch unser Obercantor, Herr M. Vachrach, Thcil nahm. Die von ihm vorgetragenen Piecen erfreuten sich eines besonderen Beifalls und äußerte sich die ,Oberschlesische Zeitung* über seinen Vortrag folgenderwcise: ,In der nun folgenden Piece, ,Am Meer* von Schubert und in .Nheinfahrl*״ Männerchor v. Beschnitt lernten wir eine neue, dem Verein sehr willkommene Kraft, Herrn Obercantor Bachrach von hier, kennen. Derselbe gebietet über große Stimmmittel, die er trefflich zu verwenden versteht. Sein Vortrag war recht dramatisch und brachte eine zündende, allgemeinen Beifall findende Wirkung hervor. Wir erkennen das um so mehr an, als wie die Gegen--- wart nnr wenige große Beethovcnspieler, so auch nur wenige giwße Schubertsänger hat." Auch das Gleiwitzer ״Intelligenz- Blatt" gibt ihrer Bewunderung über die trefflichen Vorträge des- Obercantors Bachrach in schmeichelhafter Weise Ausdruck. Uemesvar. Im hiesigen innerstädtischen isr. Tempel fand am 25. d. die Vermählung der Frl. Thekla Eisenftädter de Buzias׳-' Tochter des Herrn Ignaz S. Eisenstädter de Buzias, Präsident des' 23. isr. Gcmeiudedistrictes der Temesvarcr isr. Religionsgemeinde und Chewra-Kadischa, der Temesvarer Handels- und Gewerbekammcr — mit Herrn Jaques Frisch, Großindustriellen aus Wien statt^ Die Vermählung gestaltete sich zu einer Familienfeier von seltenem Glanze. Aus Anlaß derselben hat vor Allem die Repräsentanz der Temesvarcr isr. Neligionsgemeinde und Chewra-Kadischa ihrem verdienstvollen Präsidenten dem Brautvater, sowie auch dem Brautpaare selbst eins glänzende Ovation dargebracht. Die Mitglieder der erwähnten Repräsentanz nebst den hervorragendsten Gemeindmitgliedern begaben sich schon Samstag Vormittags nach dem Gottesdienste corporativ in die Wohnung der Brauteltern, wo denselben ' uäch einer sehr gelungenen Gelegenheitsrede des Herrn Oberrabbiner Dr. M. Löwy und einer kurzen Ansprache des Herrn Israel Totis (Chewra- Kadischa-Aeltester) ein — 36 Bilder enthaltendes — Prachtalbum überreicht wurde. Dieses Album, ein Fabrikat der Firma August Klein in Wien, mit dem auf demselben in Relief angebrachten Familienwappen der Eisenstädter und seiner kalligraphischen — aus der ersten Seite angebrachten — Widmung ist ein wahres Meisterwerk. Gleichzeitig überreichte die Deputation dem Brautpaare ein aus einer prachtvollen silbernen Tafelaufsatzgarnitnr mit reicher Goldverzierung und-künstlich eingravirter Widmung bestehendes HochzeitSgeschenk. Herr von Eiseustädter beantwortete die Gratnlationsansprachen mit vor Rührung vibrirender Stimme, indem er für diesen Beweis von wahrhaft erhebender Anhänglichkeit dankte. Die ganze׳ Ovation trug das Gepräge der wahren Hochachtung und liebevollen Verehrung, deren sich Herr von Eisenftädter allgemein und besondersseitens seiner Gemeinde erfreut, um die er sich als ihr langjähriger Präsident zahlreiche unvergängliche Dienste erworben hat. Der Trauungsaet wurde Sonntag Mittags 1 Uhr vollzog en und hat unser Tempel wohl niemals ein glänzenderes und zahlreicheres Publkknm vereint als diesmal. Sämmtliche Honoratioren unserer Stadt.׳ und des Comitates waren unter Führung, des Herrn Obergespan Sigmund v. Ormos und Bürgermeisters v. Török corporativ erschienen, ebenso auch sämmtliche Dikasterien mit ihren Chefs. Alles,, was in unserer Stadt auf hervorragende gesellschaftliche Stellung und Rang Anspruch machen kann, war ohne Confessions- und Nationalitäten-Unterschied hier anwesend. Dieser Anblick, sowie auch der׳

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