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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-29 · Heft 44 (29.12.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 44 (29.12.1883)
Date
1883-12-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Zu wiederholten Malen sind seit Ersteben dieses Blattes Aufzeichnungen widerlichster Art über die Behandlungsweise des Schocket vorgekommen. Es wurde oft Klage geführt, wie er da der Botmäßigkeit eines jeden Einzelnen, von der niedrigsten Küchenmagd bis zur höchsten Borstehersfrau, ausgesetzt ist; für ihn gibt es keine Tag- und Nacklruhe, er muss Früh und Abend vorbetcn — da die Klein gemeinden äußerst selten einen zweiten Cantor, sondern nur einen Schames anstellen — kaum nach beendigtem Morgengebete in die Fleischbank eilen, um nicht den Zorn der Balbosten, die sein Gutachten über jedes zur Küche holende Stück Fleisch einholt, auf fick zu laden, und ist er einmal dort, dann muss er der Einen die Zung' reinigen und der Anderen das Hirn schälen; dies ist die tägliche Beschäftigung des Cantors. mit Ausnahnie des Sckabbos. Sckabbos, aus dem Worte ״schowos“, ruhen, entstanden, den jeder fromme Jude zu seiner Erholung von einer weniger anstrengenden Arbeit, als die des Cantors, benützt, an diesem Tag der Nuhe bat er binnen 24 Stunden nicht weniger als fünfmal vorzubeten, zu leienen, eine Unzahl A4i8od6ir6radr8 zu machen, so dass er nach einem solchen Tag der Erholung an Leib und Seele gebrochen, kaum nach Verlöschen der Hawdoloh zu seiner, vor 24 Stunden verlassenen Schächtcrei zurückkehren muss, um manchmal auch die ganze Nacht hierauf zu verwenden. Von diesem Cantor-Schochet wird auch seitens des vorerwähnten Publikums ein gut geschulter Chor verlangt, ohne ihm die Mittel hiezu zur Verfügung gestellt zu haben. Er selbst muss ihn von aller Herrenhäuser recrutiren und diesen oder jenen Balbos um Zulassung seines Söhnchens bitten, bei welcher Gelegenheit dessen Ansuchen, wenn der Bal״ boS nicht in rosiger Laune ist, mit einer nicht zu wiedergebenden Antwort beschieden wird. Nach der nur oberflächlich gemachten wahrheitsgetreuen Schilderung sollte man doch meinen, ein solcker Beamte muss wenigstens in materieller Beziehung seine Entlohnung sinden. Beileibe nicht! Ich kenne einige Collegen in meiner unmittelbaren der Mainz nicht verlassen wollte, erlernte dortselbst von da ab die Kunstdreherei in einem großen Geschäfte, in welchem er bis zum Jahre 1834 blieb. Seine Mußestunden widmete er vorzüglich der musikalischen Ausbildung. Unterdessen hatte er seine Stimme in viel verbesserter Auflage in einem schönen Baryton wieder erlangt. Er ging nach Hause und machte abermals mit seinen, gleich ihm nun heraugereiften Brüdern, eine Reise nach Hohencms, bei welcher Gelegenheit sie alle größeren Städte Badens, Württembergs und Bayerns besuchten. Kurz vor הימים נוראיים langten sie in Hohenems an, woselbst man sie mit wahrer Sehnsucht erwartete und zwei volle Monate zu fesseln wußte. Die Ovationen, die ihnen während ihres Aufenthaltes in Hohenems zu Theil wurden, spotten jeder Beschreibung. Man wollte durchaus den Isaak, welcher der Aelteste dieses Sängerkleeblattes war, als ständigen Cantor unter groß er Opferwilligkeit dortselbst engagiren, was er aber mit dem Bemerken entschieden ablehnte: ,er könne seine alten Eltern und Geschwister nicht verlassen'. Mit vorzüglichem Honorar belohnt und mit Ehrengeschenken förmlich überschüttet, kehrten sie wieder heim. — Dass (auch Sulzej: den epochemachenden Jünglingen mit Aufmerksamkeit folgte, war ganz׳ natürlich. Er nahm Joel (oder Karl) zu sich nach Wien und gab ihm seine Schwester zur Frau. Der nun durch das Band der Familie an Sulzer gefesselte Karl Fränkel blieb bis zu seinem Lebensende an der Seite seines Schwagers als viel bewunderter Bassist und vorzüglicher Chorregens. Biederkeit, Charakterfestigkeit und allgemeine Menschen-Z Nähe, die. obwohl sie eine kleine häusliche Familie nur haben, dennoch am Hungertuche nagen. Da meinen seine Vorgesetzten, dass sein Nichlbeliebtsein daran Schuld sei, während sein Vor» gänger, der abgöttisch verehrt wurde, nach eilfjähriger Wirkungszeit das Zeitliche segnete und nebst einer unversorgten Familie eine Schuld von 2000 fl. zurückließ. Ist etwa laut dieser Perspective noch zu erwarten, dass ein junger Mann, um zu einem so glänzenden Berufe zu gelangen, all' das erlerne, was Freund Bl. von einem angehenden Cantor verlangt. Müßte er nicht, um nur einem Tbeile der gestellten Anforderungen gerecht zu werden, wenigstens 5 Jahre hierauf verwenden? Wäre es nicht geradezu eine Thorheit, wenn er diese Lehrjahre nicht zu etwas Besserem verwenden würde, zu einem Stande, der mit weniger Mühseligkeiten und mit mehr Ehren verbunden ist? Ein Schüler der Handelsschule erhält nach wenigen Jahren schon einen Posten von 6—800 fl. und wird ihm hiebei die glänzendste Carriöre in Aussicht gestellt. Ein Cantor-Candidat bat dies nie zu erhoffen. Ist demnach noch zu erwarten, dass ein junger, lebensfroher Jüngling diesem Berufe aus Vorliebe sich widmen wird? Thatsächlich greifen nur Solche nach dem rettenden Strohhalm, deren erster Versuchsort — das Theater — theils wegen mangelhaften Wissens theils wegen ihres nicht empfehlenden Exterieurs keine Aussicht für die Zukunft erhoffen läßt. Diese Ueberläufer aus dem Theater, von denen jeder Einzelne ein , absolvirter Künstler sich dünkt, bedarf einer solchen Schule nicht, da er die Lehrer in jeder Beziehung zu überragen vermeint. Und für die Bescheideneren dieser Art wäre es zweckentsprechender, sie vor solchen Fehltritten zu warnen, um ihnen nicht^den ewigen Seelenfrieden zu rauben. Nun, Freund Blatt, sehen Sie noch immer die Nothwendigkcit einer Cantorenschule ein? — Ad. 2 resultirt Bl. von der Creirung einer Cantorenschule die staatliche Anerkennung der Cantoren. Als ob je der Staat den Namen Cantor negirt hätte! Wenn wir noch soliebe waren die Hauptmerkmale ׳ seines ganzen Wesens, w eshalb er auch eine Zierde des Cultusbeamtenstandes war und in höchstem Ansehen stand *). Isaak blieb in Grünstadt, übernahm den Posten seines alten Vaters und harrte sein Lebenlang auf demselben aus. Isidor ging wieder zurück nach Mainz, verlobte sich alsbald mit Fräulein Karoline Hamburg von dort und erhielt die zweite Cantorstelle am dortigen Tempel neben Herrn Tobias Lehmeier. Kurz darauf wurde seine Trauung unter Assistenz des Rabbiners Herrn Dr. Mertz von seinem Vater in Grünftadt vollzogen. Seine glückliche Ehe, die mit einem Sohne gesegnet wurde, war nur von sehr kurzer Dauer. Nach 4 Jahren starb ihm sein geliebtes Weib. Fünf Jahre später heiratete Isidor Fränkel seine zweite Frau, Fanny geb. Fränkel. Es währte nun nicht mehr lange, als ein bedeutender Wendepunkt in dem Leben I. Fränkels eintrat. Im Jahre 1848 wurde er nämlich als Cantor in die Gemeinde ״Rodef-Scholom״ nach Philadelphia berufen. Er nahm die Stelle an, reiste mit seiner Frau und zwei Kindern am 18. Februar 1849 von Mainz ab und traf gerade am PMQ glücklich in seinem neuen Heim ein, woselbst ihm ein excellentev Empfang bereitet wurde. (Schluß folgt.) *)Vielleicht ist es rntr vergönnt, später ausführlich den Lebensgang. jenes Edlen besonders wiederzugeben.

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