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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-29 · Heft 44 (29.12.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 44 (29.12.1883)
Date
1883-12-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — aus überholte, da mußten Neid und Mißgunst sich auf einem anderen Wege Luft machen., Neue Vorwürfe wurden erhoben. Die Einen vermißten jeden Plan und jedes Ziel, die Änderen waren mit der Art und Weise, wie man das Erworbene zu verwenden gedachte, nicht zufrieden. Nun, einen solchen Vorwurf können wir leicht ertragen, ja wir glauben sogar, dass wir uns darauf etwas zu Gute halten können. Wir brauchen nur die Frage zu stellen, ob man anderwärts schon dahin gekommen ist. überhaupt daran zu denken, wie das Erworbene zu verwerthen ist? Ist nicht vielmehr das Erwerben ein ungelöstes Näthsel geblieben? Wir freuen uns keineswegs über die Mißerfolge Anderer, wir müssen sogar im allgemeinen Interesse Jedermann Glück in seinem Unternehmen wünschen, aber wir können uns daß Eine I nicht verhehlen, dass uns die Zukunft mindestens so rosig leuchtet, wie Anderen, und darum können wir derselben auch hoffnungsvoll entgegensehen. Zur Csrüorenschule. Schon glaubte ich den in beiden Lagern entbrannten Kampf als bcigelcgt anzunehmen, als wider Erwarten das Gespenst, das so Vielen unserer Collegen die Beine .schlottern machte, von einer Seile beraufbeschworen wurde, von welcher ich es am allerwenigsten vermulhel hätte. Würde ich nicht den edlen Charakter meines sehr ehrenwerthen Freundes Herrn Blatt kennen, ich wäre veranlaßt, ihm Morivc unedler Natur diescrhalb zu unterschieben; dass er vielleicht von dem Ehrgeize, eine Professur an der zu creirenden Anstalt gu erlangen, nicht frei sei; allein ich bin dessen gewiss, dass dieser Gedanke ihm ferne liegt und seine Anregung von der guten Absicht ansging, um die einmal berührte Frage ihrer endgiltigcn Lösung zuzusübren. Vielleicht gelingt es mir jedoch, durch meine auf Ecfahrun g. beruhenden Argumente einerseits den Popanz von den erngeschüchtertcn Collegen fern zu halten, und andererseits die Gründe des Herrn Blatt zu entkräften. Ad. 1 begründet Herr College Blatt die Nothwendigkeit einer Cantorenschule damit, dass das verwöhnte Publikum vom Cantor eine systematische Ausbildung in allen zum Cautorate gehörigen Fächern, geschulte Stimme, höhere musikalische Bildung, Kenntnisse der Liturgie, der hebräischen und deutschen Literatur u. s. w. verlange. Bevor ich zur Beleuchtung des einen angegebenen Grundes schreite, erlaube ich mir die Frage aufzuwerfen: Welche sind denn die Candidaten, die der Schule zuzusübren wären? Gibt es überhaupt noch Jünglinge, die aus Vorliebe diesem Berufe sich widmen? Nein! — In Mähren, Böhmen— mit Ausnahme Galiziens — in ganz Cisleithanien, das den übrigen Krönländern an Bildung weit überlegen ist, läßt man die Jugend jeden anderen Broderwerb erwählen, nur nicht den eines Cultus« beamten. Sonach wäre es nur noch Ungarn und Galizien, die das Contingent an Zukunfts-Chasonim stellen würden; und auch hier sind die meisten Derjenigen, die sich jetzt dem Cantorate widmen, nur Deserteure eines anderen, bereits versuchten, jedoch fehlgeschlagenem Erwerbszweiges. Wozu sich auch von vornherein einem Stande widmen, der nur mit den erdenklichsten Mühseligkeiten verbunden ist? — Nicht Jedem glückt es, in einer Großgemeinde, deren es nur wenige gibt, angestelll zu werden, und so muss der Candidat sein Auge auf die überwiegende Zahl der Kleingemeinden richten. Hier genügt jedoch nicht allein der geschulte und wissenschaftlich gebildete Cantor, hier beißt eS, irgend eine andere Beschädigung dem Cantorate zu assimiliren und dies ist größtentheilS die Sch'chitab. In diesem Falle aber ist der Angestellte in erster Reihe Schochct und nur dem Namen nach Cantor. Reo. Ifidor Frankel von Qbercantor M. N o s e n h a u p t in Nürnberg. (Fortsetzung.) Ist es schon von allgemeinem Interesse, Näheres über das Leben und Wirken eines gefeierten Greises zu erfahren, wie vielmehr muss es unsere Aufmerksamkeit fesseln, wenn es sich um die Lebensgeschichte eines unserer angesehensten Berufsgenossen handelt. — Ich habe mir Mühe gegeben, entsprechendes Material zu diesem Bchufe zu sammeln, und mache mir eine Ehre daraus, erwähntem Jubelgreis ein Denkblatt in der Geschichte des Cäntorenthums zu weihen. Isidor Fr äuk e! ist im Jahre 1808 zu G r ü n st a d t in der Rheiupfalz geboren. Sein Vater war der im Hebräischen gelehrte רבי יוסף פרענקעל, bekannt und befreundet mit den damaligen israel. Gelehrten orthodoxesten Schlages. in weiter Amgegend, welcher durch ein Mißgeschick — einen Diebstahl — plötzlich sein Vermögen verlor und von jener Zeit an die Stelle eines ש״ץ מ״ץ in seiner Vaterstadt übernahm. — R. Josef hatte eine zahlreiche Familie und ein gar geringes Einkommen. So kam es denn, dass auch die kleinen Knaben zur Ernährung beitragen mußten. Hierzu bot sich keine bessere Gelegenheit, als die höchst stimmbegabten Jungen im!הזכיר zu instruiren und im Zartesten Kindesalter mit ihrem Onkel איסרל Jacob Fränkel, der die Rolle des Baß übernehmen mußte, als Meschorerim in die weite Welt zu senden. So trat Isidor, im Vereine mit se inen vortrefflichen Brüdern Isaak und Joel (Karl) und genanntem Onkel, in seinem 11. Lebensjahre als Sopranist seine erste Kunstreise an. Es wäbrtc nicbt lange und unsere Sängergruppe hatte eine sehr respectable Berühmtheit erlangt. Schon in fernen Gegenden erzählte man von den ,Grünstädter K i n d e r 11J wie von einem Wunder des Jahrhunderts. Man buhlte förmlich um sie und kein בפר-Mahl, kein חינוך בית הכנסת war selbst in weiter Ferne, ohne dass man sie berufen hätte. Und überall wurden die ,Grünstädtcr Kinder" mit Sehnsucht erwartet und ihnen ein Empfang-bereitet, der den größten Künstlern Ehre gemacht haben würde. — Kein Wunder, dass sich die herrlichsten Jugcnderinner ungen an jene Wanderungen knüpften und bis ins hohe Alter dieser begnadeten Sänger lebensfrisch erhielten. Was wußten mir die beiden, nun schon seit einigen Jahren in Gott ruhenden Brüder, Isaak und Karl, mit welchen ich in den intimsten Beziehungen stand, nicht Alles zu erzählen! Doch kehren wir zu unserem Helden zurück. In Bliescastel, wohin unsere Sänger zu einem חינוך ספר תורד, berufen waren, wurde J s i d o r בר ב!2וח. Von dort aus unternahmen sie eine große Reise durch Frankreich, die von dem erfreulichsten Erfolge gekrönt war. Kaum nach Hause zurückgekehrt, erhielt Isidor als Sänger einen Ruf nach Mainz, welchem er folgte und jenen Posten 6 Jahre unter allgemeiner Zufriedenheit bekleidete. ' Nach diesem Zeiträume hatte unerwartet seine Stimme ,fatlirt' — wahrscheinlich war es nur Mutation —und Isidor,

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