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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-21 · Heft 43 (21.12.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 43 (21.12.1883)
Date
1883-12-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Eingeskildrt. Es ist schön Vieles in, den Spalten dieses geschätzten Or- Hanes über Cantor, Canlorat und Cantorenscbule gesckrieben worden, auch an wohldurckdachten Apborismen und anderen belehrenden'Arbeiten mangelte es. nicht; jedoch eine Frage von eminenter Wichtigkeit, deren Discuffion Herr College Joses Löwin ger, Cantor in KeSztbely, schon in Nummer 28 des vorigen Jahres in einem gediegenen Aufsätze über? ^den ChoralgotteSdienst in den kleinen Provinzgemeinden' angeregt: hatte, blieb vollkommen unberücksichtigt, trotzdem jeder Cantor in der Provinz sicherlich mit wahrem EnlbusiaSmuS die Erörterung desselben begrüßt halte. Denn dieser Gegenstand ist nach meiner Ansicht derjenige, der in erster Reihe eine eingehende Besprechung und lebhaften Meinungsaustausch verdiente, und dessen günstige Austragung die precäre Stellung des Cantors. wenn auch nur theilweise, angenehmer und sicherer machen würde. Es ist zu beantworten: ,Wie kann auf dem Lande, wo dem Cantor nur 8- bis 12jährige Knaben zur Verfügung stehen, ein Choralgottesdienst eingerichtet werden, damit dieser auch auf unsere Gemeindemitglieder in der Provinz erbaulich wirke, die noch immer um einen polnischen Chasen jammern und zum Unglücke das ״Polnische" nicht an seinem Style erkennen, sondern Schnörkeln, Keuchen und Weinen polnisch nennen? Der Cantor in der Provinz bat nun, und insbesondere an den Feiertagen, einen schweren Kampf zu besteben. Cr rccitirt polnisch; doch weil das Uebertriebene dem Zeitgeiste, mit dem doch auch der Cantor in jeder Beziehung gleichen Schritt halten soll, nicht emspriät und er solches verachtend wegläßt, wird sein gelungenstes Necitativ ,chormäßig' genannt, und weil dem Landjuden der gegenwärtige Cborgesang im Allgemeinen nicht behagt, verurtheilt er auch jedes Necitativ. Und dies mit Recht! Denn unser Chorgesang ist wirklich alles, nur nicht erbaulich, da wir den, uns zu Gebote stehenden Kräften, also direct Kinderstimmen angepaßte Gesänge nickt besitzen. Von den edlen Früchten be§ Sehir-Zion darf und soll der Provinzcantor nicht pflücken, denn er macht sich in Ermangelung eines nölhigen Personales nur lächerlich, d. h. er muss 001608 voleos schlechte תורה dem Meister nachsagen *). Wohl hat der große Meister bei Anlegung des Schir-Zioo’s auch die kleinen Gemeinden im Gesichtskreise behalten und für diese die vndoiio verfaßt. Allein, er möge mir freundlichst entschuldigen, wenn ich der gemachten Erfahrung Ausdruck zu verleihen wage, dass er sich getäuscht hat, so er geglaubt, dass sich unsere Zuhörer mit den darin enthaltenen Gesängen absertigen lassen. Auch unser Zuhörer wünscht einen schönen U’wsehofor godol, B’rosch Haschonoh, Kol nidre etc. barmonisch gesungen zu hören, welche Gesänge wir aber in den Bodoiro vergebens suchen; und siele es dem Cantor ein, das in den Oudoim Fehlende aus dem Schir-Zion zu schöpfen, gewiss, es wäre eine vergebliche Arbeit. Ich schließe meine Zeilen mit dem Wunsche, es mögen doch nnicre befähigteren College!!, damit endlich den Jammerrufen nach polnischen Chasonim Einhalt gerhan werde, Hand anlegen, uns mit schönen Gesängen für Knabenstimmen erfreuen, über- Haupt die Musikbeilagen in dieser Form erscheinen lassen, denn *) Ein Talmudjünger verließ die Jeschiwah zu Preßburg. Er kam auch zum Rabbi, um Abschied von ihm zu nehmen. Bei dieser Gelegenheit ersuchte ihn der Rabbi, ibm keine schlechte תורה nachzusagen. Der Bocher frappirt, stand wie abzebsiiht. Wie konnte ich denn dem Rabbi schlechte ,ת1רד nachsagen, ist doch jedes seiner Worte eine wahre Perle! Nun ja, antwortete der Rabbi, nur meine ich, wenn Du sie nachsagst, sage sie so, wie ich sic gesagt habe. nur ein erbaulicher Gottesdienst wird'dem Cantor seine Stellung sicherer machen, und wird der Gesang im Tempel schön, unsere' Juden werden sich auch hier niederlässen. ־ ' ' Ignaz K e ll ncr, Cantor in SikloS. Wie nie früher ist es in der Gegenwart, da der religiöse Jndifsirentismns alle Kreise beherrscht,, so dringend, geboten, die große Menge, besonders aber die Jugend für daS noch Zugfähige in unserem Cultus, der sich sa st. aus schließ!.ich au.s^ den Gottesdienst beschränkt, durch gefällige.Weisen und, gefällige Formen zu gewinnen. Wir dürfen kein Mittel verabsäumen, die ceremoniellen. Bräuche zu idealisiren, ein neues Leben in sie zu bringen. Gelegenheit hierzu bietet das kommende Halbseft Chanuka. Wie wohlthuend könnte dieses wirken, wenn es zu einer höheren, weihevolleren Feier erhoben würde, wie die ihm LU Grunde liegenden Momente das gottinnige Gefühl erleuchten, erwärme»! und die Erstarrung, die winterliche Oede,^ welcher der Tempel. rvährend der sestlolen Jahreszeit ausgesetzt ist,., -Hannen und . brechen, wenn die Kinder zur mitthätigen Theilnahme an dem׳ Feste herbeigezogen würden, wie ihnen ja in der Geschichte Cbanukas keine unbedeutende Rolle zugewiesen wurde! Traurig stimlnte mich die Wahrnehmung immer, daß am ersten Chanuka-. Abend kaum mehr als zehn Personen im Tempel anwesend 1 sind, obwobl unsere Glaubensgenossen bei den Christbaumseiern mehr als nöthig vertreten sind. Und doch ist die Berechtigung des Ersteren geschichtlich begründet und sestgestellt« — Meine Anregung a»n letzten Sabbat, die sich auf den Vers im Wochen-/ abschllltt אתנהלה לאטי לרגל הילדים stützte, eine besondere' Festlichkeit, ein רגל הילדים» ein Kinderfest zu veranstalten, weil bei der allgemeinen das zarte Gemüth äußere, fremde Eindrücke leicht elnpfängt — fand in dieser Gemeinde Anklang. Wir werden diesmal den חנכה einiocihen durch Festgesang und Rede,- Vorträge und Beschenkung der Kinder. Ich kann meinen Collegen und den Herren Cantoren einen großen Erfolg, eine Förderung des religiösen Sinnes durch diese Einrichtung, persprechen, die ebensowenig als die von mir eingesührte Mädchen- Consirmalion bei Strenggläubigen Anstoß erregt, 'לעשות לה DP Krem sie r. Rabb. Dr. Ad. Frankl. Kleine Chronik. Wien. Wie wir bereits in der vorigen Numrner unseres Bl.- berichtet, hat Sir MoseS Montcfiore an den Vorstand des österr.-^ Ungar. Cantorenvereinks ein Dankschreiben gerichtet, dessen Wortlaut wir in Folgendem mittheilen: East Cliff Lodge Ramsgate, 15. Nov. 5644—1883. Sr. Wohlgeboren Herrn Obercantor Josef Singer, Präses des österr.-uug. Cantorenvereines zu Wien! Weither Herr!. Ihr tzsehr geichätztes Schreiben, mit welchem Sie mir Ihre Glückwünsche zum Eintritte in das mir durch Gottes Segen gegönnte hundertste Lebensjahr darbringen, kam mir am 8. Cheswao zu, und es gereicht »nir zur wahrhaften Freude, Ihnen meinen wärmsten Dank für die gütigen Aeußerungen auszudrücken, welchen Sie gegen inich in demselben Raum gaben. In Würdigung der Ehre, welche Sie mir durch Ihre Zuschrift zu Theil werden!affen, habe ich dieselbe den rvkchtigeren Documenlen angereiht, welche ich in Judith Lady Montefiore's Collegium bewahre, in der Absicht, Denen, weiche sich daselbst dein Studium uuserer heiligen Gesetze und der hebräischen Literatur weihen, mit den gütigen Gesinnungen bekannt zu machen, welche Sie veranlaßten,- mich zu meinem Jubelfeste zu beglückwünschen.

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