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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-21 · Heft 43 (21.12.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 43 (21.12.1883)
Date
1883-12-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Inbrünstig bete ich zu Ihm, der stets war und sein wird der Hort Israels, seinen besten Segen Ihnen sowie allen ihren geehrten Äereinsbrndern und deren Familien zuzuwenden, aus daß es Ihnen vergönnt sei, sich Ihrem prerswürdigem Werke weiterhin noch viele -Jahre im Vollgenusse jedes Glückes zu widmen. Mit erneutem Danke bleibe ich. geehrter Herr, Ihr ansrichtig ergebener Moses Montefiore na. p. Arand in Kasöiöi. Man berichtet aus Constantinopel vom 10. d. M.: Die Feuersbrunst, welche die unglückliche Vorstadt Haskiöi Vor einigen Tagen verzehrte, war eine der furchtbarsten seit Menschengedenken. Eine ganze Bevölkerung, und zwar gerade die ärmste, wurde von ihr getroffen. Das Unglück traf fast ausnahmslos nur Israeliten, die von heute auf morgen leben und ihr Brot buchstäblich im Eiweiße ihres Angesichtes erwerben. In Haskiöi lebten tausende Familien von kleinen Handwerksleuten, Straßen» erkäu fern, Handlangern und Bilder- -trödlern aus dem Bazar von Stambnl dicht zusammengedrängt. Diese am Ende des Goldenen Horns gelegene und staffelförmig auf einem Hügel aufgebaute Vorstadt bildete gewissermaßen eine israelitische Eolonie, in der sich nur spärliche muselmanische und christliche Einwohiur vorfanden. Haskiöi war nicht schön. Es war ein Gewimmel von über einander anfgeschichteten alten Häusern, von steilen, engen und schmutzigen Gassen. Die Zahl der Einwohner, deren gesammteS Hab und Gut vernichtet ist, betrug 8 bis 10.000. Das Feuer brach vorigen Mittwoch um 9 Uhr Morgens in einer am Fuße des Hügels gelegenen Hütte durch die Unvorsichtigkeit eines alten Weibes ans, das in einer Unterstube ein^ Becken mit glühenden Kohlen stehen gelassen. In einem Augenblicke hatten die aus diesem Hause hervor-- brechenden Flammen die Nachbarswohüungen ersaßt; ein heftiger Südwind begünstigte noch den Brand, der sich nun rafch über den ganzen Hügel verbreitete, oberhalb dessen sich das Plateau von Okmeidan hinzieht. An den alten Holzhütten fand der Brand nur allzu reich: Nahrung. 'Als Hilfeleistende trafen zuerst die Seeleute aus dem Arsenal, die städtischen Spritzen und das Pompiers-Regiment Szechenyi Paschas aus dem Platze ein. Nach und nach erschienen auch der Kriegs-, der Marine- und der Polizeiminlster, der Präfect von - Stambnl, zahlreiche Generale und vom Sultan entsendete Palast-Adjutanten. Die Mannschaft Szechenyi's verrichtete unter der geschickten und umsichtigen Leitung ihres Commandanten wahre Wunder von Bravour. Allein, dem Wüthen des entfesselten Elementes gegenüber, erwiesen sich alle Anstrengungen als vergeblich. Erst spät am Nachmittage, nachdem es gelungen war, einige Hauser fast inmitten des Feuermeeresniederzureißen, konnte man den Brand einigermaßen beherrschen. Die Angst, dgs Elend, die Verzweiflung.der Bewohner von Haskiöi zu beschreiben, wäre unmöglich. Es war ein allgemeines Flüchten und Durcheinanderrennen von Frauen, Kindern- und Greisen inmitten einer Unordnung und Verwirrung, von der man sich kaum eine Vorstellung machen kann. Der Sultan schickte Befehl auf. Befehl, die Unglücklichen zu sammeln und für ihre ersten Bedürfnisse, zu sorgen; sie hatten aber zumeist schon das Plateau von Okmeidan erreicht und sich von da nach den benachbarten Hügeln zerstreut, wo sie die Nacht ohne Schutz in Regen und Kälte zubrachten, Mehrere Kinder sind noch vor Tagesanbruch,.gestorben,, und sieben schwangere Frauen entbanden während dieser. Nacht im freien durchnäßten Felde. Sobald dir Agenten der Behörde-mnr dieser Unglücklichen habhaft werden konnten, geleiteten sie dieselben nach den zur Admiralität gehörenden Kasernen, wo ihnen auf Befehl des Sultans sofort Lebensmittel und Kleider verabreicht wurden. Seitdem werden sie auf Kosten der Civillifte regelmäßig mit Brot, Fleisch, Reis und Geld betheilt. Am Donnerstag ließ der Sultan den Stellvertreter des Großrabbiners zu sich berufen und überreichte ihm tausend türkische Pfund zur Anschaffung von Decken. Außerdem drückte er Len Wunsch aus, dass unter seiner Parrvnanz eine Geld- -sammlung eingeleitet werden möge. Das aus den Gattinnen der Botschafter bestehende Comit6 hat beschloffen, den Unglücklichen das Erträgnis eines von ihnen für die Ueberlebenden von Tschesme veranstalteten Weihnachtsbaumes zu widmen, mit welchem eine tausend Lose enthaltende Lotterie verbunden ist. Die Ziehung wird am 28. d. auf der ruffischen Botschaft startfinden; es sind indess auf die Billette bereits viele Vorauszahlungen geleistet worden, deren Betrag den Abgebrannten ehevorgestern durch Lady Dufferin zugemittelt wurde. Itnterkratovic. Seit in unserer Culrnsgemeinde die Eröffnung׳: des neuen Schulgebäudes den 15- Juli 1882 gefeiert wurde, blieb der wackere Cultusvorstand nicht auf halbem Wegs stehen, sondern arbeitete rastlos weiter um auch den Tempel zeitgemäß zu renoviren, und die von Jedermann gebegten Wünsche, das Gotteshaus hergestellt zu feken, zu erfüllen. — Im Jahre 1882 wurde eine neue Stiege zur Frauengalerie gebaut und die äußere Tempelfa^ade umgebaut. Aber erst im heurigen Frühjahre, gleich nach den Olterfeierragen begann die Arbeit in dem Tempel und dauerte bis zum Neujahresfeste, so dass der Gottesdienst während des ganzen Sommers in der Wintersyuagoge abgehalten wurde und die Frauen dem Gottesdienste nicht beiwohnen konnten. Am Vorabende des neuen Jahres fand znm ersten Male der Gottesdienst in dem herrlich renovilten Gotteshause statt. Der nun hergestellte Tempel gewährt dem Besucher einen sehr wohlthuendeu Anblick, der Len Ausspruch: אהליך יעקב *DD NÜL dem Eintretenden fast zur Pflicht macht. Vor Allem sei hier das Sauetuarium hervorgehoben. Es ist 5 2 M. hoch, im byzantinischen Style gebaut und von nußbraunem Grundanstriche. Im Vordergründe desselben stehen zu beiden Seiten des Vorhanges je 1 Paar Säulen hervor, die von imitirtem weißgelbem kanadischem Marmor verfertigt sind und aus welchen reich vergoldete Capiläler eine wirkliche Zierde derselben bilden. Die obern Gesimse des Sanktuariums sind mit Holzschnitzereien stylisirter Blattformen, reich vergoldet, geschmückt. Die Enden dieser Schnitzereien bilden ebenfalls reich vergoldete und aus Blattform bestehende Akroterien. Auf der obersten Abtheilung des Sanctuariums bis zum Plafond des Tempels nehme» zwei längliche nach oben abgerundete Dekadentafeln den Raum ein, auf welchen mit hebräischen Lettern die Anfangswörter der Zehngebote in Gold geschrieben sind. Dieselben sind nach oben und zu beiden Seiten von vielen Goldstrablen umgeben. Die beiden Thürflügel der Bnndeslade sind mit vergoldeten Holzschnitzereien, sogenannten Rosetten besetzt - und vorn über dem Vorhänge enthält daS Kapores die in Reliefarbeit stark vergoldeten ausgeprägten synagogalen Insignien. Darüber ruht ein prachtvoller Aufsatz von stytisirten Blattformen, dessen Spitze in einen Stern austauft, alles ein Meisterstück der Holzschnitzerei und reich vergoldet. SlekenVerändenmgen. College. Cantor Fciedmaun, welcher bisher in Kövago Eörs an ge stellt war, ist nach Kisber übersiedelt. — College, Cauror,. I. Wittmann, vorder bei der orthodoxen Gemeinde-in Budapest, wurde bereits vor den hohen Feiertagen in dem hiesigcn .Schifftempel' angeltellt und erfreut sich einer großen Beliebibeit in seiner Gemeinde. (Beiden College» wünschen wir viel Glück in ihren neuen Stellungen. Die Redaclion.) Correspondenz der Nedaetion. I. i n K. Ob die Stelle in H. besetzt ist, hievon haben wir vorläufig keine Kenntniß, in K. iit der Posten nicht besetzt. Gruß. Ro. i n dt ü. Sie waren i>. der letzen Correspondenz nicht gemeint. Gruß. NL i n B. mußte für nächste Nummer Zurückbleiben. Din P. Wir danken für ihre warme Empfehlung bei Ihrem löbl. Vorstände. Gruß. Nin H.; P. in Weil, bestätigen die eingesandten Beträge. A. in Str. Eingeiandtes nicht verwendbar» da dasselbe der Persifiirung einer für die Cantoren sehr wichtigen Frage gleichsehen würde. Gruß- Vor Jahresabschluss haben wir an jene Collagen, die mit ihrem Abonnement im Rückstände sind, einen Rechnungs-Auszug eingesandt und bitten wir um baldige Begleichung desselben, da auch wir unseren vielfachen Verpflichtungen nachkommen müssen. Die Redaction. Unserer heutigen Nummer ist ein Prospect des im Verla״« von Baumgartner in Leipzig erschienenen Büchleins ״der israel irisch» Gemeindegesang“ von B. .Jacobsohn, Cantor und Lehrer bei der israel. Gemeinde in Leipzig, beigeschlossen. Unseren Coliegen, sowie allen Lesern unseres Blattes können wir dieses Werkchen. das wir nächstens eingehender besprechen werden, bestens anempfeiilen.

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