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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-21 · Heft 43 (21.12.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 43 (21.12.1883)
Date
1883-12-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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unerhörten Weise über die Vereinsleitung herzufalle,!. Behägt Einem dieser oder jener Paragraph der Vereinsstatuten nicht, so ist er keineswegs gewillt, einen Augenblick daran zu denken, dass alle Vereinsmitglieder durch diese von der Behörde genehmigten Statuten gebunden erscheinen, welche erst bei der nächsten Generalversammlung geändert werden dürften, sondern er verlangt kategorisch eine Aendcrnng und — qualificirt den Gegenstand zur Cabinetsfrage. Noch ein Anderer eifert gegen die Geld- Leschaffung für Vereinszwecke; er ist entschieden dagegen, dass die Vereinsmitglieder zur Beisteuer, und hochsinnige, edle Männer als unterstützende Mitglieder des Vereines herangezogen erscheinen, und er scheint vollständig zu vergessen, dass man die Geldwerthe nicht einfach vom Baume pflücken, sondern nur durch Tdätigkeit erwerben kann; noch Andere rüsten gegen die Cantorenschule, also gegen einen Feind, der innerhalb der Vereinswirksamkeit gar nicht existiri *). Die bis nun angeführten Categorieu geboren zu unseren Ver- ‘ einsmitgliedern, haben demnach gewissermaßen ein Anrecht, Gegenrede zu halten und, wir würden dieselbe gewiss dankbar aunehmen, wenn die Art derselben eine gemäßigte, würdige gewesen wäre — allein, לא יכלו דברו לשלום. Doch siche da — beim Schein des Chanukalichtleins eiblicken wir Personen, die zu unseren Vereinszwecken nickt einen Heller beigetragen, demgemäß auch keinerlei Anrecht zn irgend welcher Parteinahme, aber die Unversrorenheit besitzen, dennoch ihre Stimme gegen die ihnen vollständig fremde Genossenschüft zu richten; wir nannten es Unverfrorenheit, um nicht unzart zu werden, gestehen es jedoch, dass dieser Ausdruck ein vollständig ungenügender gegenüber der angedeuteten Handlungsweise ist. Welcher Gewissensparagraph berechtigt Jenen über das Thun und Lassen ihm gänzlich fernstehender Personen den Stab zu brechen? Welche gemeinnützige fachmännische That stempelt ihn zum Gegner eines mit Mühe und Anstrengung zu Stande gebrachten Unternehmens? Wahrscheinlich dieselbe Be- . rechtigung, die ihm die Handhabe zur moralischen Verunglimpfung der Mitglieder einer der ersten jüdischen Gemeinden Oesterreichs in die Hand drückt, oder die Machtvollkommenheit für die fachmäunische Aburtheilung seiner sogenannten Berussgeuossen verleiht. Und solche Individuen wagen es, von Hebung der Stellungen und Standeswürde zu sprechen? Und solchen Enunciationen öffnen sich die Spalten eines Blattes, welches von jüdischcautoralem Gelde erhalten wird? — Wir pflegten bis nun unseren Weinberg und kümmerten uns um das Thun und Lassen anderer ähnlicher Vereine nur insofern, als wir bei tüchtigem, gesinnungsreifem Vorwärtsstreben all' der verschiedenen Vereine an eine endliche Vereinigung im großen Siyle, a 11 einen Weltverein dachten — es war ein Traum! ויחלום יוסף חלום. — Das unvorsichtige und ungerechtfertigte Vorgehen gewisser jüdischer Cantoreu, welche mit heuchlerischen Phrasen von Standeswürde und Srandesehre — Begriffe, welche ganz abseits ihrer ethischen Denkweise liegen — um sich werfen, in Wirklichkeit jedoch nach der Ehre und Würde unseres Standes den Dolch zücken, machen eine solche friedliche Annäherung unmöglich — und obgleich von verschiedenen Seiten Uns der Fehdehandschuh hingeworsen wird, so hält es der Vorstand des österr.-ung. Cantorcn- Vereines nicht für thunlich. denselben aufznnehmeu. — Eine Erklärung jedoch können und dürfen wir angesichts des Umstandes, dass dem Vorstände des österr.-ung. Cantorenvereines zielunbe¬ *)Wir verweisen hiebei auf die, gelegentlich des in Nummer 20 der österr.-ungar. Cantoren-Zeirung von Collegen Löwinger in Keszrhely veröffentlicyten Aussatzes, gegebenen Anmerkungen. wußtes Vorgehen vorgeworfen wird, nicht zürückdrängen, und zwar lediglich mit Rücksicht auf diejenigen Vereins- und Gesinnungsgenossen, die in wackerer Und gesinnungstüchligLr Weise mit uns gegangen vom Anbeginn unserer Tbätigkeit bis heute, dass die Vereinsleitung der österr.-ung. Cantorengenosseuschaft mehr geleistet hat, als alle übrigen Vereine zusammengenommen; denn, wenn es den Mitgliedern eines der anderen Vereine einfiele, in etwas größerer Anzahl auszuscheiden, so stürzt das ohne concrete Basis künstlich aufgeführte Gebäude kläglich zusammen, d. h. der Verein existirt nicht mehr; während die Grundlage deS österr.-ung. Cantorenvereines schon heute, und zwar lediglich durch die Regsamkeit der Vereinsleitung eine solch' festeist, dass dieielbe durch einen eventnellen Massenaustritt der Mitglieder nicht besonders erschüttert, im Gegentheile die materielle Leistungsfähigkeil des Vereines, den gebliebenen Mitgliedern gegenüber, eine noch bedeutendere wird. — Nun, das sind Thatsachen, die keineswegs mit der Diogenes-Laterne, wie jener fortschrittliche Weise sich ausdrückt, sondern schon beim bescheidenen Scheine deS Ebannkalichtleins klar vor uns liegen — und die allernächsten Kundgebungen des Vorstandes des österr.-ung. Cantorenvereines werden cs beweisen, dass derselbe sich seiner Ziele vollständig bewußt ist und in diesem Bewußtsein, ohne erst nach Außen hin viel Aussehen zu machen, ruhig weiter arbeitet. Wir betonen es wiederholt, ,dass vorstehende Erklärung ausschließlich an unsere geehrten Vereinsbrüder, die unverdrossen und anerkennenswerth mit uns denken, mit uns arbeiten, gerichtet sind; den Anderen stehen wir keine Rede. — Es gilt hier auf die Summe idealer Anschauungen hinzuweisen, über die der Vorstand des österr.-ung. Cantorenvereines verfügen muß, um inmitten der oben angeführten Geschehnisse in diesem Wirrsal von Feigheit, Neid. Bosheit und Gesinnungslosigkeit seine heilige Mission zu erfüllen — allein, wir werden dieselbe erfüllen, wir müssen dieselbe erfüllen, auch zum Heile derjenigen, die mit Steinen nach uns werfen und unser Werk zerstören wollen. Wir sehen nun weiteren Angriffen ruhig entgegen und geben, um allen etwaigen Deutungen vorzubeugen, die Erklärung, dass der Vorstand des österr.-ung. Cantorenvereines niemals m e b r auf wie imnimer qualificirte öffentliche Angriffe öffentlich antworten kann und darf — wir werden ehrlich weiter arbeiten, unsere Widersacher bemitleiden und stets daran denken לא יכלו דברו לשלום. Vom Kunflgejange sonst und jetzt. Die Entwicklung des Kunstgesanges und die verschiedenen Epochen des Gcsangsstyls zeigen sich als gleichmäßig fortschreitend mit der Entwicklung der weltlichen Musik überhaupt und der Oper insbesondere. Mit jeder neuen, das schon Vorhandene bis zu einem gewissen Punkte abschließenden Gestaltung der Oper enstand also auch ein neuer Gesangsstyl, welcher durch die Aussührung der Werke selbst, die ihn hervorgerufen, bedingt wurde. Hierdurch wiederum mußte eine diese Ausführung ermöglichende Methode oder ,Schule' der Geiangskunst zur Geltung kommen, welche für die allgemeine Geschmacksrichtung der betreffenden Epoche zur herrschenden wurde und flndet hierin auch der zeitweilige Wechsel in der Herrschaft auf dem Gebiete der Oper und der durch sie bedingten Gesangsknnst seitens der verschiedenen Nationen seine Nächstliegende Begründung , und Erklärung. Die Oper, hervorgegangen aus der fortschreitenden Entwicklung der Musik überhaupt, hatte, wie bekannt,' ihre Entstehung in Italien und mußten wegen der Einfachheit der ersten Werke dieser Gattung natürlich auch die Anforderungen für ihre

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