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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-21 · Heft 43 (21.12.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 43 (21.12.1883)
Date
1883-12-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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gründen, in der festen Absicht, die Stellung ihrer Amtsbrüder zu heben, die Verhältnisse nach Thüniichkeii zu bessern. Mit dem Aufgebote aller erdenklichen Mittel brachten sie eine Cantoren» Versammlung zu Stande, persönliche Differenzen wurden aus dem Wege geräumt, die mannigfachsten Opfer gebracht, um nur eine Verständigung herbeizuführen; allein schon an jenem bemerkenswerlhen Tage zeigte es sich, dass' die Sache keineswegs vom gesinnungslüchrigen Standpunkte, sondern als Versnchsltättc für persönliche Zwecke betrachtet und gehandhabt wurde. Tine .Partei kam mit einem festen und auch durch den Druck ver- -öffentlichlen Mandate zum Cantorentage und — wählte im entgegengesetzten Sinne; der Führer einer anderen Partei hatte den sonderbaren Gedanken, zu erklären, man brauche keinen Verein — sondern man müsse Vereine gründen; noch eine andere Partei behauptete, die Äereins-Centrale müßte gerade nicht in Wien, sondern könnte auch in einer bekannten Haupt stadt eines anderen österreichischen Kronlandes sein. Die Absicht dieser sonderbaren Zumulbungen lag zwar offen zu Tage, לא כלי דברו לשלום\ allein sie verstimmte nicht. Der provisorische Vorstand erhielt von der Generalversammlung das Verfügungsrecht, nach Gutdünken den reichen Stoff zu sichten und zu tn Diteu: — Die Angelegenheit nahm ihren normalen Verlaus, bis der Tag der constituirenden Versammlung herannahte. Die Vorstandswahl wurde in üblicher Weise auch unter Aufsicht eines Regierungsvertreters vorgenvmmen, und die Vor״ standsmitglicder erschienen mit großer Majorität gewählt. Nun schritt der neugewählte, definitive Vorstand an seine Arbeit: es wurdet Sitzungen gehalten, zu denen alle Vorstands- Mitglieder aus den entlegensten Vororten Wiens in unverdrossener Weise herbeieilten, Berathungen wurden gepflogen, Verständigungen herbergesührr, ja mit Hintansetzung so manchen persönlichen Vor-!heiles, alles Mögliche äufgeboten, das junge Pstänzlein zu pflegen, kräftig und lebensfähig empocschießen zu sehen. Wir übergehen die mannigfachen Anstrengungen, die dem Vorstande bei Einreichung und Rückgelangen und wiederholtem Einreichen, — namentlich wegen Präcisiruug des Z. 4 — unserer Statuten erwuchsen und fühlen uns nur veranlaßt, darauf hinzuweisen, schätzung für den Beschenkten bezeugen, einzeln und namentlich anzuführen, verbietetuns der Raum. Der Rabbiner der Gemeinde, Dr. Ia strow, schickte von Germantown mit seinem Glückwunsch ein prachtvolles Blumenbouqner. Ebenso schickten oder brachten persönlich ihre Wünsche: Rabbiner Dr. S. Hirsch, Rev. S, Morais, Rev. G. Jacobs. Am Abend überreichte ihm der Chor der Gemeinde, unter der Leitung seines Dirigenten, Herrn Sam. Herma ns, eine prachtvolle Blumen-Lyra. Herr Max Friedmann gab mit seiner lieblichen Teuorstimme einige Lieder zum Besten. Als wir am späten Abend noch unseren mündlichen Glückwunsch, nachdem wir denselben schon früher schriftlich übersandt hatten, darbrachten, fanden wir den Gefeierten, trotz der ununterbrochenen Anstrengung des Tages, noch in seinem unermüdlichen, liebenswürdigen Humor zwischen seinen Gästen, von denen der Parloir noch überfüllt war. Hier waren Rev. Rubin von der polnischen Gemeinde. Rev. W. Armhold. Rev. N- Strauß und Rev. Schlesinger von ^Lockst Lestolooa^-Gemeinde; und wenn Du, lieber Leser, mich fragst, was sie noch in so später Abendstunde dort thaten, wo sie ihre Freundespsticht doch schon früher erfüllt, so antworte ich Dir mit des Dichters Worten: .Lustige Reden sie spannen Und sangen und tranken frisch!' Wir waren so unglücklich, Freund Armhold bei unserem dass es dem Vorstande gleich am Anbeginn seiner Thätigkeit gelungen ist, hohe Persönlichkeiten für unseren Verein zu interessiren und auf diese Weise «>ine nicht zu unterschätzende Summe baaren Geldes herbeizuschaffen. die empfangenen Gelder entsprechend zu fructificiren, vom Vorstande der israel.. Cultusgemeinde in Wien ein SitzunzSloeal mit Bebeitzung und Beleuchtuug unentgeltlich zu erwirken, die verschieden Drucksorten als Mitgliedskarten. Fragebogen, Mahnbriefe rc. anzuschaffen und zu versenden, das.Cassa- und VereinSgeichäftsgebahren zu ordnen und regelmäßig wsiterzuführen; kurz Tbaten zu vollbringen, welche, bei der anstrengenden Tbätigkeit der Wiener Cultusbeamten, zu denen die Vereinsvorstandsmitglieder durchwegs zählen, geradezu ausrelbend genannt werden können. All' dies wurde als selbstverständlich mit der größten lln- Verdrossenheit, im Hinblicke aus den heiligen Zweck, besorgt und manche Nachtstunde mußte geopfert werden, um das Vereinsgeschäft in Fluss zu erhalten. Wozu wir dies Alles so haarklein erzähleu? Nicht etwa, um die Thätigkeit des Vorstandes des österr.- ungarischen Cantoren-Vereines zu glorificireu. sondern lediglich um das G bahren der Eingangs erwäbuteu Dunkelmänner mit dem Chanukalichtlein zu beleuchten. לא יבלו דבד1 לשלום. — Anstalt ein freundliches Wort — nicht des Dankes — das begehrt der Vereinsvorstand nicht — aber der Ermunterung, der Anregung zu zollen, ziehen es gewisse Herren vor. theils mit offenem Vlsir — und diese Art ist noch zu schätzen — zumeist jedoch unter dem Schutze der Anonymität, über die Tbätigkeit, über den Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines herzufallen, um ihm meuchlings den Todesstoß zu versetzen und ver> gessen es ganz, dass, falls ihnen das gottlob Unmögliche gelänge, sie ihr eigenes Fleisch verletzen, sie denken nicht daran בי אחינו בשרנו הוא. Gteng beispielsweise eine, die Statuten oder Mitgliedskarte enthaltende Postsendung verloren, so wäre es doch ganz einfach, wenn der Betreffende, der die Sendung nstpt erhalten zu haben vorgibl, dieselbe einfach reclamirte — doch das thut man nicht; denn לא יבלו דברו לשלום. sondern man zieht es vor. in einer Eintritt inmitten einer schwungvollen Rede — die wievielte, konnte mit Bestimmtheit nicht ermittelt werden — zu unterbrechen. Doch auch das können wir mit apodictischer Gewißheit nicht bebaupten, denn Freund A. gehört nicht zu denen, die sich in ihrem Redeflüsse so leicht unterbrechen lassen. Ebenso soll Rev. N- Strauß durch eine schwungvolle Glückwunlchrede bei dieser Gelegenheit seine Redner-Begabung auf's Glänzendste dargelegt haben. Die sonst verborgenen Nednertalente der übrigen Herren sollen, wie wir hörten, ebenfalls an dieser Feier, zur allgemeinen Bewunderung, zur öffentlichen Darstellung gekommen fein. Woher die Herren all' den Stoff gewonnen, wurde uns erst klar, als wir einer Einladung in das Speisezimmer folgten und neben den gefüllten, die vielen ungefüllten Weinflaschen wahrnahmen. Hier wechselten hebräische mit deutschen Gesängen ab und aus dem heiteren Chor klang die liebliche, klare Baritonstimme des Jubelgreises hervor. קול יעקב נוהם. — ,Die Stimme Jacobs ist lieblich'/ — Möchte sie noch lange Jahre ertönen zum Preis und zur Ehre Gottes!' Soweit dieser Bericht, den ich nicht unabsichtlich vollständig wiedergegeben: Er bürgt uns dafür, dass Frankel ein hervorragender College ist, der sich einer außergewöhnlichen Beliebtheit erfreut, und der feinem Stande alle Ehre macht. 1 (Fortsetzung folgt.)

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