Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 43 (21.12.1883)
- Date
- 1883-12-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 — Wir haben uns daher zu einem Schritte entschlossen, der für uns vielleicht nur schlimme Folgen nach sich ziehen kann, den wiraber aus reiner Liebe zur Sache, der wir dienen, dennoch wagen. Vom 1. Jänner 1884 angesangen haben wir einen ermäßigten Abonnementspreis, unter den an der Spitze unserer heutigen Nummer angeführten Modalitäten, eingeführt, der es auch den Minderbemittelten gestatten wird, an den Verhandlungen über die vitalsten Interessen unseres Standes regen Antbeil zu nebmen. Wir müssen dabei bedeutende materielle Opfer bringen, denn die Kosten der Herstellung eines Blattes in Wien sind zu groß, als dass sie durch einen so niedrigen AbonnemeutSpreis, wie wir ihn jetzt stellen, gedeckt werden können.; Wir sind daher auch genöthigt ein gesondertes Abonnement aüs unsere Musikbeilage, in der wir künftighin dasjenige bieten werden, was sowohl den Cäntoren der kleineren als der größeren Gemeinden beim Gottesdienste von Nutzen ist. zu eröffnen, wobei wir aber bemerken müssen, dais, da wir die Musikbeilage zum Kostenpreise berechnen, der Abonnementspreis der Zeitung und der Musikbeilage zusannnengenommen geringer ist, als der frühere. Wir glauben dadurch ein Recht darauf;n haben an unsere Collcgeu das Verlangen zu stellen, dass sie uns die schwere Aufgabe, die wir.jetzt auf uns genommen, dadurch erleichtern, indem sie rechtzeitig ihren Verpflichtngen gegenüber der Administralion Nachkommen. W i r m n s f c 11 d a r auf b e st e h e u, und zwar nicht in unsere m s o n d e r n nur im I nt e r e s s e d e r S a ch e, für die wir wirken, dass der g e r i n g e Ä b o n n e m e n t s p r e i s, der von jetzt an zu leisten ist. im Vorhinein regelmäßig an uns eingc sendet werde. Sollte dies nicht stattfinden. so wird uns nichts übrig bleiben als'— wir haben dies bisher nur ungern gethan — die Zusendung des Blattes zu unterlassen. Dass dies, insbesondere für Vereiusmitglieder vom größten Nachiheile wäre, da sie den Contact mit dem Vereine und den Vorgängen innerhalb desselben verlieren würden, brauchen wir nicht erst des Näberen auseinander zu fetzen. Dieser Umstand sowie das rege Interesse, welches allmälig aber stetig unter den Cäntoren des Zn- und Auslandes für unsere Bestrebungen wächst, lassen uns hoffen, daß der Schritt, den wir jetzt angekündigr haben, zum Heile unseres Standes ausschlagen wird. . And lie kennen nicht die Worte des Friedens. יום ד׳ לפרשת ׳-לא יכלו דברו לשלום/ Die trauliche Zeit des Lichtsestes naht und selige Erinnerungen der goldenen Jugendzeit erwachen im Herzen des gereisten Mannes. Die Poesie des bescheidenen Chanukalichtleins in der heimatlichen Kinderstube, sie begleitete uns auf den mannigfachen Wanderungen unseres Erdenlebens, als Jüngling, Mann und Familienvater, und wem von uns das seltene Gut zu Tbeil wurde eine glückliche und beglückende Familie 'zu. gründen, der wird es füglich nicht verabsäumen, den idealen Glanz der Chanukavoesie den lieben ©einigen erstrahlen zu lassen. Das Judenthmn ist ja eine Religion des Lichtanzündens! — Am Freitag-Abend, am Sederabend, wie an all' den übrigen südlichen FeiectagSabenden, werden in unserer Familienstnbe Lichter, angezüudet, damit die Schalten schwinden, das Dunkel sich erhelle und jeder durch mangelhafte Beleuchtung verunstaltete Gegenstand in seiner wahren Gestalt vor uns erscheine. Wir begrüßen diesen Zeitpunkt als ein glückliches Zusammentreffen der Ereignisse, denn auch in den jüdisch-cantoralen Kreisen beginnt es zu dunkeln, vermummte Gestalten treiben ihr Unwesen und harren in der finsteren Straßenecke, um den sriedlich und in bester Absicht dahinwandelnden Nebenmenschen . zu überfallen, zu maßregeln und im geeigneten Augenblicke, einem Wegelagerer gleich, sich ins Dickicht zurückzuziehen. Darum sei uns gegrüßt, du glückverheißende, Helle Chanukazeit, wir wollen Lichter herbeischaffen. um durch ihren Glanz die Nachtvögel zu' verscheuchen und in ihr Nichts zurnckzuweisen. — Und nun zur Sache! Vor gar nicht langer Zeit traten einige wackere, jüdische Cäntoren, unter Leitung eines im Amte ergrauten hochverdienten Mannes, zusammen, um einen Verein für. jüdische Cäntoren zu Reo. Isidor Fränkel von Obercautor M. Rosen Haupt in Nürnberg. - Es ist gewiss eine seltene Erscheinung, wenn einer unserer Amtsgenosseu in Ehren in seiner Gemeinde und in der Vollkraft seiner Berufsthätigkeit auf seinem Posten ausharrte und ergraute. Nur in großen, das geistig Schöne hochhaltenden Gemeinden, wo man den hervorragenden Bestandtheil unseres Eultus in dem Wirken des-Cautors erblickt und folglich ihm die geöührende Sicherheit in definitiver Anstellung gewährt, was ihm eiuestheils die uöthige Ächtung und Ehrerbietung ׳ seitens der Gemeinde einbringt (denn bekanntlich imponirt manchem unserer Glaubensgenossen nichts mehr, als Unabhängigkeit) — und anderentheils ihm in sozialer Beziehung alle Thore öffnet, nur in solchen Gemeinden, sage ich, sind derartige phänomenale Erscheinungen auzutreffen. Einer solchen sind Liesemeine Zeilen gewidmet. A 4. Juli d. .I. feierte-Rev. Isidor Frankel, Cantor der israel. Gemeinde ״Rodel Seholom־“ in Philadelphia Zeinen 75. Geburtstag, bei welcher Gelegenheit ihm von. Nah und Fern Huldigungen und Glückwünsche dargebracht wurden. Hören wir, was ,Die Deborah* in Nummer 2 vom 13. Juli über den Verlaus jenes Festes minheilt: ,Jener Sonntag war in der Thar ein Festtag! An ihm feierte unser alter, ehrwürdiger Freund, der Cantor der ״Rodef- Scholomu־® emeh11)e, Nev. I. F r ä n k e l, seinen . 75jährigen Geburtstag. Von ihm gilt das Wort des weisen Salomo עתרת תפארת שיבה בדרך צדקה תמצא. — ,Eine Krone des Schmuckes ist das greise Haupt, auf den! Wege der Tugend wird es gesunden/ Es bedarf bei der allgemeinen Beliebtheit, deren sich der Gefeierte erfreut, kaum der Erwähnung, dass die Theilnahme au dem sroben Ereigniße eine allgemeine war. Vom frühen Morgen bis spät in die Nacht brachte ein fast ununterbrochener Zug von Theilnehmeuden seine Glückwünsche, so dass wir Schillers Veric in etwas veränderter Fassung hier anwenden' könnten : ,Wer zählt die Herren, 'kennt die Damen, 'Die stattlich hier zusammenkamen!' Weiter wollen wir uns an dem unsterblichen Schiller nicht versündigen, sondern in einfacher Prosa hinzusügen: Nicht bloß von seiner Gemeinde, sondern von der hiesigen jüdischen Gesammiheit! Besonders die Damen, um deren Gunst den alten Herrn mancher Jüngere beneiden möchte, waren zahlreich vertreten. Ein erkleckliches Sümmchen Geldes von den Damen der Gemeinde aufgebracht, wurde ihm mit herzlichen Wünschen von Frau Markus Stern und Frau Joses Feldmann überreicht. Die übrigen Geschenke, sowie die Namen der Geber, die mehr oder weniger substantiell — wir meinen die Geschenke — die Werth