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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-13 · Heft 42 (13.12.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 42 (13.12.1883)
Date
1883-12-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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ist die große 'Außerachtlassung des Textes. Unregelmäßige Betonüng und unpassende Pausen find zuweilen gewöhnliche Fehler und die Musik scheint als Wiederhallder Kirche oder des Concertzimmers. Die Musik dieser Art wird bestimmt mit der Zeit verbannt werden und es ist unsere Sache, einstweilen das Beste zu wählen und dasselbe zu unterstützen und zu fördern, in unserer Synagogenmusik den besseren Geschmack zur Geltung zu bringen und denselben stets immer mehr und mehr zu verbessern. Die Namen der verstorbenen Nev. W. Wasserzug und Nev. M. Hast haben, wie wir es eingestehen müssen, sehr viel zu dieser Verbesserung durch Veröffentlichung ihrer Collectionen von Synagogen- Musik beigetrazen. Die Frage, ob der Chor allein, oder die ganze Gemeinde mitsingen soll, ist schon genügsam hinsichtlich des Resultates besprachen worden. Es mag jedoch nicht überflüssig sein, das alte Sprichwort anzusühren: »Ein herzliches Amen öffnet die Thore des Paradieses*. Diese kurze Abhandlung eines sehr interessanten Gegenstandes kann hier sehr wohl mit einem Citake von Hovker enden: ,Zn der Musik (des Gottesdienstes) verdirbt Eigen- Mächtigkeit und Prahlerei dev Vortragenden, sowie leichtsertige. leichte oder unpassende Harmonie, welch' letztere möglicherweise uur dem Ohre gefällig sein kann, aber nicht jenen Grad des Eindruckes im Gemüthe des Menschen zurückläßt, den sie zurückzulaffen fähig ist —- eher, als dass es derselben Schönheit verleiht. Emgesendet- Hochgeehrter Herr Nedacteur! ,Da ich kein Mann von Worten bin* und überdies auch befürchten muß, dass ein von m i r ausgehender Vorschlag un-. beachtet bleiben würde, wenn derselbe noch so gut gemeint und unserer Vereinscaffa von Nutzen und Vortheil wäre, so erlaube ich mir, Ihnen, sehr verehrter Herr, mitzutheilen, dass ich nach reisticher Erwägung aller Umstände beschlossen habe, alle von meiner Person vor .der Thora gelobten Spenden (נדרים) unserer Vereinscasse zuzuführen. — Dieses Vorhaben hat in meiner Gemeinde Anklaug gesunden, und wird auch von Seite der geehrten Gemeindemitglieder thätig gefördert werden. Ich werde also schon vor Ablauf des zweiten Vereinsjahres in der Lage sein, die bis dahin eingegangenen נדרים לחברת החמים unserer Cassa zusühren zu können. Nun, hochgeehrter Herr, frage ich bescheiden bei Ihnen an, vb es nicht möglich wäre, dass alle verehrten Mitglieder unseres Vereines ihre vor der Thora gelobten Spenden unserer Ver eins cassa widmen? Durch -eine gehörigen Ortes (mit Einwilligung des Cultusvorstandes) angebrachte Tabelle mit der oben angedeuteten Aufschrift würde auch so manches Gemeindemitglied dann und wann sich an unseren Verein, beziehungsweise an unsere Cassa erinnern und diese mit einer Spende bedenken. Zweckdienlich wäre es jedenfalls, die Namen der Spender im Vereinsorgane am Schluffe jedes Vereinsjahres anzuführen. Wenn jede Gemeinde, deren Cantor Mitglied unseres Vereines ist, alljährlich nur einige Gulden unserer Cassa zuführen würde, könnte doch daraus ein ansehnlicher Betrag-re sultiren. - Cantor K. Im December 1883. Geehrte Redaction! Angesichts des uns Cantoren in Ihrem geschätzten Blattevom 27. November l. Z. gemachten Vorwurfes des Jndiffirentismus, der Apathie u. s. w. erachte ich es als meine Pflicht, Ihnen auseinanderzusetzen, daß weder Leichtsinn, noch Gleichgiltigkeit die Cantoren abhalten, ihre Gemeinden zu Beitrags- Leistungen anzugehen, sondern die Aussichtslosigkeit seines Beginnens, welche jedem Cantor einleuchten muß, dem nur einiger-- maßen Gelegenheit geboten war, in den Gemeinden Umschau kalten zu können, ist die Ursache untrerer Unthätigkeit nach dieser Richtung bin. Seit der Gründung unseres Vereines batte ich zu wiederholten Malen Gelegenheit, mit manchen College» über diesen wichtigen Punkt, nämlich den der Heranziehung der Gemeinden zu dem Vereine zu sprechen, und Aller Ansicht stimmte darin überein, daß es dem Einzelnen nicht möglich ist, diesbezüglich erfolgreich wirken zu können, sondern daß die Anregung hiezu vom Vorstande des Vereines ausgeben muß. Und es ist denn auch in der That so. Mag der Cantor sich auch der größten Sympathien in seiner Gemeinde erfreuen, so wird er dennoch, sobald er das peenniäre Gebiet derselben betritt, aus Hindernissen und taube Ohren stoßen. Ein anderer hingegen, und sehr günstiger Erfolg würde erzielt werden, wenn unser geehrter Vereinsvorstand schriftlich an die Gemeinden -heranträte, diesen die Tendenz des Vereines desinirte; sa noch mehr: den Gemeinden an's Herz legte, ihre Cantoren, die heute noch aus unerklärlichen Gründen dem Vereine ferne stehen zu veranlassen, und wenu nöthig zu zwingen, einem Vereine beizutreten, dessen höchst lobenswertes und uneigennütziges Wirken so unerkennbar und klar am Tage liegt. Dann würde der Verein in Bälde an Mitgliedern sowohl als auch an pecuniären Mitteln gewinnen, erstarken und gedeihen zur Freude, seinem hochherzigen Gründer und Förderer. Ich hoffe, daß die geehrte Redaction mir es nicht verübeln wird, meine, auf gemachten Erfahrungen beruhenden Ansichten ausgesprochen zu haben und zeichne mich hochachtugsv oll ergebenst Sigismund Nosenberg. Komotau, am 2l. Dezember 1883- Löbliche Redaction! Mit Rücksicht auf die bekannte Enunciation der Hobenemser Cultusgemeinde, sei es nur gestattet, aus folgende Begebenheit hinzuweisen: Deutschlands Regent, Kaiser Wilhelm, ließ sich einst beim Vorsteher der israelitischen Gemeinde melden, er werde bei der Morgen im Tempel stattfindenden Trauung des Baron R. erscheinen. Der Vorsteher hatte nichts Eiligeres zu thun, als dem Rabbiner und auch extra dem Cantor den Auftrag zu ertheilen, sämmtliche Functionen im Tempel in's Deutsche zu übertragen und auch in deutscher Sprache zu verrichten, damit Se. Majestät den israelitischen Gottesdienst verstehe. Nach Schluß der Copulation sagte der Kaiser, dass er von der Pracht und Würde des Tempels überrascht, jedoch von dem Gottesdienste in demselben nicht im Entferntesten befriedigt sei; er sei eigentlich gekommen, einer jüdischen Trauung anznwohnen, und fand -— eine landesübliche. Traurige Symptome für die Hohenemser Cultusgemeinde, wenn deren Mitglieder, die wenigen Gebete des Sidur in die

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