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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-13 · Heft 42 (13.12.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 42 (13.12.1883)
Date
1883-12-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — -Schmach sei, wird wohl Niemand in Abrede stellen. Zn unserer eigenen Sckande müssen wir's jedoch selbst eingestehen, ca׳s wir selbst dieselbe verschuldet haben. Die Gemeinden sind ja hiezu quasi gezwungen, denn wenn sie' jedem die Reisespesen vergüten wollte, der sich zu einem Probevortrage meldet, mühte sie dem einen Concurse bald einen andern in ganz anderem Sinne folgen lassen. —■ Beläuft sich ja die Summe der Offerenten ans jeden vacanten Posten auf mindestens ein halb hundert, selbst wenn derselbe minder gut dotirt ist und wird bei den Bessern zur Legion. Hierin liegt das Uebel, und so lange dies nicht aufhört, werden wir jenes Pferdefußes nicht los werden. Ist denn jeder Cantor ein קין,, dass er stets נע ונד sein muss und es ihn nirgends ruhen läßt? Woher rührt bei unS diese stetige Lust zur Veränderung, anstatt dass wir froh sein sollten, an einem Orte ein ruhiges Leben genießen zu können? Wohl strebt jeder Mensch sich seine Lage möglichst zu verbessern, und dieses Streben wird sogar oft zur heiligen Pflicht' dieser. Trieb kömmt auch der Gesammthcit zu Gute, denn nur ihm verdankt die Menschheit allen Fortschritt und alle Vervollkommuuug; er ist somit ein, von Gott uns zugekommenes segensreiches Geschenk. Unserem Stande aber gereicht dieser, sonst so edle und segensreiche Trieb leider nur zum Fluche, weil wir des Guten — in dieser Beziehung — gar zu viel haben. Unserer Unstetigkeit verdanken wir es, dass unsere Stellung eine so ungünstige und schwankende ist; denn was der Mensch gar zu leicht haben kann, das achtet er nicht. Wie nun aber diesem Uebel abhelfen? Sollen wir etwa den sonst so edlen Trieb ganz unterdrücken und aus unserem Herzen bannen? Nein! Das hieße, von einem Extreme zum andern greifen und würde uns auch nichts oder doch nur sehr wenig nützen. Wählen wir also die goldene Mitte! Haben wir einen Posten, der uns ein ruhiges Leben und ein, wenn auch nur halbwegs genügendes Auskommen gewährt, so sollten wir denselben nicht wegen eineS nicht sehr ׳ bedeutenden Mehreinkommens mit einem Anderen vertauschen wollen, aus die Gefahr hin, dass auf dem anderen unseres Bleibens nicht ist, was leider nur gar zu oft der Fall zu sein pflegt. Und selbst wenn wir uns hiezu veranlaßt finden, sollten wir einer Berufung behufs Probevortrages nur dann Folge icisteu, wenn uns die Reisespesen vergütet werden. Zch machte es so, als ich aus Ungarn hierher berufen wurde, und der hiesige löbliche Vorstand ging hierauf ein, trotz des genannten Pferdefußes und trotz der Legion Offerte aus viel geringerer Entfernung, die hier einliefen. Nur wenn wir selbst uns achten, können wir solches anch von Anderen verlangen. Hotzenplotz, im December 1883. M. R u d o l f e 7, Cantor nnd Religionslehrer. Geschichte und Charakter der Synagoen- Musik. Eine Schrift des Herrn Franzis L. Cohen, gelesen vor der Jews Literary Society, 4. Februar 1883. (Schluß.) Die Necitation der Sephardim hielt sich mehr an ihren einfachen Ursprung und erlitt deshalb weniger Veränderungen; aber sie ist andererseits mangelhaft in der Eigenthümlichkeit und der kräftigen Wirkung gegenüber der anderen. Dies muß dem Umstande zugeschrieben werden, dass ihr öffentlicher Gottesdienst viel strenger und unverändert war und etwas von der alten Hymnologie zurückbehielt, durch welches sogar ihre eigenen Compositionen viel beeinflußt wurden. Seither hat die Pflege der Musik bedeutend an Ausbreitung gewonnen und einen viel besseren Gescbmack in vielen Synagogen gebildet. Auch wird der Gottesdienst jetzt nicht mehr wie früher durch Ueberhäufung von Coleratureu entstellt. Was den Charakter . der Alckkenasischen Musik anbelangt, so zerfällt dieselbe in 3 Classen. Die erste würde blos einfache d e c l a m a r o r i s ch e Passagen einschließen, so wie die ver« schiedenen Setzungen des Tbema. ,Das sind nicht blos Recitationen in ein und demselben Ton, welchem noch kurze Cadenzen, in dem römischen einfachen Gelang zugefügt sind; die meisten sind von melodischen outlines zusammengesetzt, welche mehr declamirt als gesungen werden und deswegen größere Deutlichkeit der Silbenaussprache zulasten". Von dieser strengen liturgischen Form sind die späteren Responsen, welche abwechselnd von den Chasan und der Gemeinde gesungen wurden. Neumann sagte^ dass sie eine gewisse Antiphone, welche von den Priestrrn und Choristen der katholischen Kirche ansgeübt wurden, nie annahmen, von denen sich so manche in dem Gottesdienste der Synagogen eingeschlichen haben mögen. Zn die zweite Gruppe können wir jene Melodien, welche willkürlich mit schwunghaften Passagen geschmückt sind, sowie die verschiedenen Necitative für den Anfang der Amidah (Sch’mone esre) oder die meisten Piur-Aricn rechnen. Die Arien der Amidah sind unter die ältesten Synagogen-Compositionen zu zählen. Viele derselben folgen nicht einer modernen Tonart, sondern sind wahrscheinlich nach irgend einer Gregorischen Weise intonirt worden. Eine Lieblingsscala ist die, in welcher der Jom Kippur Zigdal geschrieben ist. Eine zweite oft gebrauchte Form i!r die Dorische Weise, welche allgemein bei dem Morgengottesdienste des Neujahrs gebraucht wird. Einige Necitative, solche wie das Birchath Jozer des Neujahrs sind wegen des Mangels der Toniea sowohl am Anfänge, sowie auch am Ende bemerkbar. Wir können weder ihre Tonart bestimmen, noch angeben, ob sie in major oder miuor Weise geschrieben sind. Sie sind jedoch sehr schön und von großer Wirkung. Zu dieser Classe gehören auch die Gesänge der polnischen Juden, wahrscheinlich von der Musik der slavischen Nation bceinflußt. Dieselbe bestehen in einer Art diatonischem Niuor-Seale mit vergrößerten Secondeu, am bäusigsten zwischen der Sexte und Septime und der Terz und Quart. Die Wirkung ist immer bittend und klagend mit vielem Reiz und Gefühl. Die drille Classe umschließt gewisse Chor-Piecen und Arien von moderner Form. Wohl sind einige derselben alt, die meisten aber stammen aus neuerer Zeit, von den letzteren sind einige sehr leichten Inhaltes und je schneller sie verschwinden würden, desto besser wäre es. Die traditionellen Weisen des jüdischen Gottesdienstes sind gänzlich verschieden von denen der christlichen Kirche, welche immer ernst, streng und pathetisch sind. Die unserigen, wenn auch zuweilen strenge und pathetisch sind jedoch viel süßer und überhaupt melodischer und besitzen im Allgemeinen ein lebhaftes Tempo und eine viel größere Sanftheit, die letzten sind die Hauptzüge der jüdischen ritualischen Musik. Obgleich Halevy der bedeutendste unter den Componisten ist, der für unserenGottesdienst componirt hat, so ist seitdem diese Kunst mehr studirt wird, kein Mangel an Stücken von Vorbetern und Chormeiftern. Die Werke von Sulzer, Berlye, Naumbourz» Weintraub und Baer sind von einer Fülle von anderen begleitet worden. Die Hauptcharakteristik der meisten dieser Stücke

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