Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 42 (13.12.1883)
- Date
- 1883-12-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 — realschulen und den Präparaudencurs absolvirte, vornehm die Nase über den Cantor rümpft. Man. sieht aus Obigem deutlich dass jeder Stand, hat er auch noch so wenig gelernt, als das׳, jenige anerkannt und benannt ist, zu dem er sich qualificirte. Eine Cantorenschule ist ferner . nöthkg, weil wir haben wollen, dass der Cantor unabbängig und uneingeschränkt sein heiliges Amt. verwalte, dass er frei von jeder Vormundschaft seinen Gottesdienst leiten und verstehen soll. Der Cantor muß so viel Verständnis besitzen, dass er geeignete Piecen zum Gottesdienste selbst auswählt, er muß so viel Wissen haben, um diese sich selbst und dem Chore einzustudiren. Der Cantor muß sich selbst sein Recitativ schaffen oder wenigstens seiner Stimmlage anpassen, aber nicht, dass er devot solche sich vom Regenschori vorschreiben läßt. Dem Negenschori muß es gleich bleiben, ob der Cantor jetzt beispielsweise in F- oder in As־dur recitirt, wenn er nur die gegebene Tonart ^beherrscht. In den meisten Synagogen nimmt der Negenschori anstatt des Cantors die dominirende Stellung ein, warum? Weil der Cantor nichl die Fähigkeit besitzt, einen guten Chor zu schulen, deuu es fehlt ihm .an Fachkennluissen. Daher kommt es auch, dass jeder Negenschori den Gottesdienst nach seiner Facon ummodelt und dadurch die Einheit desselben verloren geht. Kommt noch dazu die musikalische Ueberlegenheit des Chordirigenten, dann bleibt dem Cantor nichts weiter übrig, als so zu tanzen, wie ihm aufgespielt wird. Welchen Wirkungskreis hat dann der Cantor? Nimmt er die ihm gebührende Stellung in der Gemeinde noch ein? Er ist zum Werkzeug des betreffenden Chordirigenten herabgedrückt und auf gut deutsch gesagt der — Niemand. Ich will jedoch keineswegs die in vielen Synagogen, herrschende Präponderauz des Chordirigenten als gerechtfertigt anerkennen, sondern muß ihr sogar jede Berechtigung absprechen, aber darauf sei hingewiesen, dass Mangel an musikalischen Kenntnissen, seitens des Cantors, dieselbe in manchen Fällen hervorgerusen hat und so kam es, dass auch in solchen Syna׳ zogen, deren Cantor über genügendes Wissen verfügte, der Chordirigent, dem Beispiele anderer Collegen folgend, ganz ungerecht, fertigter Weise eine dominirende Stellung beim Gottesdienste für sich in Anspruch nahm. Also hinweg mit den kleinlichen Bedenken, hört mit der Eifersüchtelei auf; wir brauchen eine Cantorenschule, aus welcher tüchtige Männer hervorgehen sollen. Wenn diese Institution auch nicht blos für die Gegenwart berechnet ist, sollen wir uns deshalb abhalten lassen, ein großes Werk zu beginnen. Da hätte ja jener Gemeinderath Recht, wenn er den Betrag zur Anlegung einer Allee aus dem Grunde nicht votiren wollte, weil erst die spätere Generation und nicht er selbst des kühlenden Schattens theilhaftig würde. Niemals würde dann etwas Großes geschaffen werden können, wenn der Egoismus nicht zu unterdrücken wäre. Selbst unser Verein, den wir mit nichts als mit unseren guten Willen gründeten, ist heute schon etwas geworden und wird mit Gottes Hilfe mehr und mehr emporblühen. Aus allem dem ist zur Genüge zu erkennen, dass uns bei Gründung einer Cantorenschule nur die besten Absichten in Bezug auf das Wohl und Wehe der Cantoren leiteten. Es liegt nimmer in unserer Absicht dieser Schule eine rückwirkende Tendenz beizumengen, derart, dass die Stellung des einen oder des anderen Collegen irgendwie erschüttert werden müßte. Es soll vielmehr in ihrer Absicht liegen, das Bestehende zu erhalten, aber auch fortzubilden. So viel zur Klärung der Sache selbst. Jenen aber, die aus nichtssagenden oder gar persönlichen Gründen gegen die Errichtung einer solchen Bildungsanstalt sind, rufe ich die Worte des Dichters zu: ,Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet es auch nicht erjagen!' Cantor M. Blatt. Wien, im December 1883. Antwort auf ״Ein Wort — am M". In Nummer 38 dieses geschätzten Blattes bespricht der׳ geehrte Herr College Rosen selb in Pisek den Zweck unseres Vereinsorganes und macht demselben den Vorwurf, dass es seinem Hauptzwecke, der-Hebung unseres Standes.— bis nun nicht entsprochen habe; denn die Lage der Cantoren sei in materieller Bezie hung heute nicht besser als vor zwei Jahren. Da er nur in materieller Beziehung jede Besserung unseres Standes vermißt, gesteht ersomit ein, dass dieses Blatt denn doch nicht so ganz nutzlos für uns ist, denn der moralische Nutzen, welchen dasselbe uns bringt, ist wahrlich auch, nicht zu verachten, und mir baden somit Ursache genug, dieses unser Vercinsorgan zu unterstützen und dessen Leitern für. ihr redliches Mühewalten dankbar zu sein. Diese Einsicht wird jedoch bei Manchem von unS in den Hintergrund, oder gar ganz verdrängt durch den Unmuth ob der in materieller Beziehung ihm gewordenen Enttäuschung. Hiesür dürfen wir aber nicht unser Vereinsorgan verantwortlich machen. Die Schuld liegt an uns selbst; da wir, die Hände in den Schoß legend, uns doch überschwenglichen Hoffnungen Hingaben — Alles unserem Vereinsorgane überlassend. Wohl dürfen wir von demselben auch in materieller Beziehung eine Hebung unseres Standes erwarten, aber erst nach und nach. Im Handumdrehen läßt sich solches nicht bewerkstelligen. Und was bedeuten in dieser Beziehung 2 Jahre? Nachdem unsere Interessen jo viele Jahre vernachlässigt und überhaupt von Vielen unter uns so manche schwerwiegende, unseren Stand sehr beeinträchtigende Fehler begangen wurden, können wir nicht verlangen, dass dieses Alles in so kurzer Zeit wett gemacht werde. Haben wir darum also nur Geduld und seien wir guten Muthes! Die Hebung unseres Standes in moralischer muss und wird auch eine Besserung unserer Lage in materieller Beziehung zur Folge haben. Es muss jedoch auch jeder Einzelne von uns hiezu sein Schärflein beitragen; denn?אם אין אני לי מי לי Nur wenn Jeder von unserem Stande, allen durch -sein Amt übernommenen Pflichten gerecht wird und eingedenk ist des talmudischen Grundsatzes: ,Ein תלמיד חכם dessen Kleid schmutzig ist, ״דדים מיתת — womit gesagt sein will, dass ein Gelehrter oder Beamte auf seinen Charakter besonders Acht haben muss uuö seiner Umgebung nicht Gelegenheit geben darf zu einer, wenn auch noch so geringfügigen Bemackelung — dann wird unsere Lage sich gewiss bessern. Einem Cullusbeamteu, der durch seine Leistungen sich die Zufriedenheit seiner Gemeinde und durch lobenswerthen Charakter deren Achtung erworben hat, wird gewiss keine Gemeinde ein gerechtes und dessen Gewährung ihr mögliches Verlangen abschlagen, oder gar ihn ohne weiters entlassen. Es braucht somit Jeder von uns nur sein eigenes Wohj stets vor Augen zu haben und fördert hkemit auch schon das Wohl unseres ganzen Standes. Nun noch Einiges speciell über den, vom. genannten Herrn Collegen mit Recht als Pferdefuß bezeichneten Punkt. Dass die in jedem Concurse vorkommende Klausel: ,Reise- Spesen werden nur dem Acceptirten vergütet", für uns Alle eine