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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-13 · Heft 42 (13.12.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 42 (13.12.1883)
Date
1883-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische \י Prllniimerlltillns-Preir für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 -\J\J- Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. 1»stelluuz In’« Ha»» Organ die GeLMmt-InteresM jüdischer (tautorm. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: ObercanLor Icrkoö Mcrrrev. und Administratio« Wien, II.,?lovaragafse 27. Inserat« werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. ך Nr. 42 Wien, 13. Drrrmber 1883. 3. Jahrgang. Ueber die Cantorenschule. Eine neue Frage beschäftigt die Gemüther der Cantoren, und wie es scheint, geht die Erörterung dieser wichtigen Frage nicht immer in dem Geleise nüchternen Gedankenaustausches. Das ist nicht gut und schadet unserer ganzen Sache. Um nun eine Klärung in der Angelegenheit herbeizuführen, will ich es nicht unterlassen, auch meine unmaßgebliche Meinung zum Ausdrucke zu bringen. Wohl habe ich, und viele meiner Herren Collegen mit mir, geglaubt, dass es nur einer Anregung bedürfe, um die ausgezeichnete Idee, und das ist die Gründung einer C a n t or e n s ch u le, endlich zu realisireu, ibr Fleisch und Blut zu verleihen. Aber die Enttäuschung blieb nicht aus. Meinungen und Ansichten wurden laut, cvnfus und voll inneren Widerspruches, so dass ich fast versucht bin zu glauben, es sei mebr aut Verblüssung deö Lesers abgesehen, als auf ehrliche Gegnerschaft zur Sache selbst. Hören wir nur, welche Argumente in's Treffen geführt werden! ״Was soll der Cantor noch lernen?" fragen die Einen. ״Weiß er nicht Alles schon von Haus aus? Singen muß er so wie so können, ,Sagen" natürlich auch, Leienen ebenfalls, was also noch?' Andere fürchten wieder die Concurrenz und sehen sich schon von der zukünftigen Canloren-Generation aus Amt und Stellung verdrängt. Noch Andere sehen die Gründung einer Cantorenschule als eine häusliche Angelegenheit der Gemeinden an. zu welcher sich die Cantoren um jeden Preis ablehnend verhalten müssen. Auf diese Weise wird das Thema von einer Dissonanz in die andere geleitet, ohne dass es bisher zu einem wohlklingendem Accorde gekommen wäre. Bei Allem dem läßt sich der gelbe Faden persönlicher Verdächtigungen und kleinlicher Eifersüchtelei erblicken und ,man merkt die Absicht und wird verstimmt". Wird auf diese Weise das kaum geknüpfte Band der Zusammengehörigkeit gefestigt? Nimmermehr! Ueberdieß will es mir scheinen, dass gerade die erpichtesten Gegner der Cantorenschule nicht einmal wissen, welche Zwecke eigentlich mit der Cantoren schule angestrebt werden sollen! Wer von meinen Herren Collegen ein ehrliches, wahres Wort verträgt, der wird rückhaltslos eingestehen, dass uns ein derartiges Institut aus vielen, ja, aus sehr vielen Gründen dringend nölhig ist. Es ist nöthig, -weil vondem Cantor heutzutage eine s y st e m a t i s ch e Ausbildung in allen zum Cantorate gehörigen Fächern, und dieser gibt es genug, mit Recht gefordert wird. Es genügt nicht mehr wie einst, dass der Cantor n u r Stimme und Stimme und wieder Stimme haben müsse. In unserer Zeit verlaugt unser verwöhntes Publikum, dass der Cantor eine geschulte Stimme, höhere musikalische Ausbildung, Kenntnisse in der Liturgie und wenigstens allgemeines Wissen in der deutschen und jüdischen Literatur besitzen muss. Wo kann dies anders, als in einer zu diesem Zwecke gegründeten Lehranstalt, die in Wien zu errichten wäre, gelebrt werden? In Wien deshalb, weil dort der Sitz aller Wissenschaften concentrirl ist, weil dies daselbst am billigsten zu erreichen ist, und endlich weil es. was Wohlthätigkeitssinn und Hochherzigkeit betrifft, nur ein Wien gibt. Ich weise, nur nebenbei gesagt, auf den, durch das lobenswerthe Bemühen des Vcreinsvorstan des, zusammengebrachten respectablen Gründungsfond hin. In anderen Städten existiren auch Millionäre und auch Cantoren, wie viel wurde da schon zu diesem gemeinnützigen Zwecke gesammelt? Da heißt es wohl:-ויפן כה וכה׳ וירא כי אין איש. Die Cantorenschule ist ferner nöthig. weil ich mir die staatliche Anerkennung unseres Standes nur in Folge einer errichteten derartigen Lehranstalt denken kann. Heute existiren, strenge genommen, keine Cantoren, sondern nur Gemeindebeamte. Als bester Beweis hiefür mag der Umstand gelten, dass bei der letzten Volkszählung die Cantoren in der Rubrik ,Characte. und Beschäftigung" nicht als Cantoren, sondern als Gemeinde beamte benannt wurden, weil der Staat einen Cantorenstand bisher nicht kannte. Ohne Seminar gibt es keine Rabbiner, ohne Präparandie keine Lehrer, und ohne Cantorenschule werden wir immer gleich den Troubadours namenlos einherspazieren. Wir müssen es uns gefallen lassen, dass jeder Lehrer, der zwei Unter-

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