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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-11-27 · Heft 40 (27.11.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 40 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ft: ן!.;■ i■•1׳ :ין: iv '1 יו ין - © — ihn zum Vorsteher, sonstige Verdienste hatte der Mann nicht aufzuweisen; hingegen war mein College ein welterfahrcner, gebildeter und gescheidter Mann, er war nie um eine treffende Antwort verlegen. Mein College kam in Begleitung von uns drei Mescborerim im Hochsommer in eine ungarische K'bila und ging zum Vorsteher, mit dem Ersuchen, er möge bewilligen, daß er, der Tenorist, der sich als Chasen ausgegeben und wahrlich mehr als so mancher der damaligen Chasonim verstand, nächsten Samstag im Tempel vorbeten dürfe. Der Vorsteher erblickte in dem Manne einen zu starken Fortschrittler, denn er sprach ein gutes Deutsch, welches der liebe Vorsteher nicht ganz correct verstand, und die Folge war, er schlug die Bitte rundweg ab. Nun schwieg mein College nicht gleichgiltig, und das gab eine sehr erregte Scene! Nach langem Hin- und Herreden riss endlich meinem Collegen die Geduld und er zeigte sich nun dem Vorsteher in einer Eigen- -schaft, die alle Lust und Liebe zum Vorsteherposten dem Manne ordentlich verleidete. Er stng nun in folgender Weise an: ״Herr Vorstehers Sie sagen, daß ich deswegen bei Ihnen nicht vorbeten dürfe, weil ich ein Fortschrittler bin! Nun gut, ich acceptire diesen Vorwurf vollinhaltlich, gestatten Sie mir jedoch, eine Frage an Sie richten zu dürfen! Erlauben Sie mir, wo waren Sie schon Vorsteher?* Der arme Mann so in die Enge getrieben, preßte blos die Worte heraus: ״Nur hier!' ״Nun sehen Sie, Herr Vorsteher*, fuhr mein College fort, .da sollen Sie vor mir allen Nespect haben, denn ich war schon da und dort viele Jahre hindurch Tenorist und Cantor-Stellvertreter. Sie machen mir den Vorwurf, ich wäre für Ihre K'hila zu fortgeschritten! Wohlan, Herr Vorsteher! muß den Ihre Gemeinde gar so verorthodvxirl bleiben? Brechen Sie die Bahn, Herr Vorsteher, und zeigen Sie Ihrer K'hila den Weg zur Verbesserung*. Der Vorsteher wurde wüthend und schäumte vor Zorn und Galle, vor Scham vermochte er uns aber keine Antwort zu geben, denn wir hatten nach dieser Rede und Gegenrede sofort das Weite gesucht und kehrten heim. (Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. Wien. Dem vierzigsten Jahresberichte über die israel. Kinderbewahranstalt in Wien entnehmen wir folgende Stellen: Durch Einfügung einer Bildungsanstalr für Kindergärtnerinnen und Bonnen sehen wir das Gedeihen unserer Anstalt in anerkannter Weise gesteigert, trotzdem aber blieb uns eiu fortwährender Kampf zur Deckung des gesteigerten Kostenaufwandes derselben auserlegt, und von Jahr zu Jahr mußten wir nach außerordentlichen Auswegen suchen, um zu diesem Ziele zu gelangen. Denn, wenn uns auch Liebesgaben in Schenkungen und Vermächtnissen während dieses langen Zeitraumes fortwährend zugingen, so blieben ste doch unzureichend, um uns des Kampfes um das Dasein zu entheben, und trotz aller uns in Wort und auch in That gewordenen Anerkennung, sind uns Stiftungen von der diesfalls erforderten Großartigkeit nicht zu Theil geworden. Ingleichen ist uns von den Tausenden und aber Tausenden, in welchen in dem wichtigen Stadium der ersten- Kindheit der Keim znm Guten gepflegt und die der Verwahrlosung entrückt worden, um zu gereiften Männern und Frauen zu erwachsen, irgend eine Dankesthal nicht zugute gekommen; es ist das allerdings — Weltlauf. In diesem Jahre betrug die tägliche Frequenz durchschnittlich 180 Kinder, von welchen etwa 120 an der Mittagskost theilnahmen. Unserem, der Ergänzung noch sehr bedürftigen Pensionsfond vermochten, wir vorerst nur noch weitere 100 fl. zuzuführen; die Erhöhung unserer besonderen Zuflüsse wird uns gestatten hierin weiter vorzugehen. Unsere Jahresbeiträge sind ungefähr gleich geblieben, dagegen standen die Bethaussvenden um nahezu 200 fl. gegen das Vorjahr zurück; dafür erhöhten sich die Einnahmen aus dem Bonnencurse um 140 st. und, da die be׳ züglichen Ausgaben sich gleich blieben, so reducirt sich der Aufwand für diese Rubrik auf kaum über 200 fl. In dem Ausgabenetat ist eine wesentliche Veränderung gegen das Vorjahr nicht eingetreten. Am 10. Deeember v. I., dem zur Gründungs- und Prüfungsfeier bestimmten Chanukafeste, zu welchem die Erben des verstorbenen Herrn Siegmund Edlen von Wertheimstein auch in diesem Jahre die Kosten bestritten haben, fand die Vertheilung warmer Kleidungsstücke an bedürftige Kinder statt. Hiebei haben gespendet: Frau Baronin Todesco, Frau von Wertheimer, Frau Emilie v. Schnapper, Frau Louise Beyfuß, Frau Rosa Schiff, Frau Sarah v. Stern, Frau Elise Gomperz, Frau Anna v. Lieben, Frau Marie Przibram, Frau Fanny v. Hofmannsthal, Frau Katharina Hesky, Frau Alexander Nierenstein geb. v. Eisenstädter, Frau Regine Streicher, Frl. Käthe Gintl und eine ungenannte Dame. Herr Gemeinderath Architect Stiasny hat auch in diesem Jahre die Herstellungen an dem Jnstitutsgebäude unentgeltlich überwacht und zur Herabminderung des. betreffenden Kostenaufwandes wesentlich beigetragen, wobei ihm der bürgerliche Schieferdecker, Herr Isidor Mahler, hilfreich zur Seite stand. Durch die gleichwie in den vorigen Jahren in Gemeinschaft mit der Versorgungsanstalt für erwachsene Blinde veranstaltete Faschingdonnerstag-Redoute erzielten wir einen Reingewinn von fl. 1184.50, wozu die reichlicheil Spenden Seiner k. k. Majestät und des Allerhöchsten Kaiserhauses, sowie des hohen Adels und der Gönner aller Stände beigetragen haben. Wir sind dadurch dem Herrn Carl Ferdinand Edlen von Manussi, Director der Anstalt für erwachsene Blinde, der diesem vereinten Zwecke seine vieljährige Thätigkeit zuwendet, zu be׳ sonderem Danke verpflichtet. Dieser gebührt auch dem löblichen Ge׳ meiuderathe der Stadt Wien und der Direction der Ersten öfterreichischen Spareasse, die uns mit je 100 fl. subventionirten. Wien. (Wahlbesprechung.) Anläßlich der Wahlen in den Vorstand der Wiener israel. Cultusgemeinde fand am 18. d. M. im- Saale des österr- Ingenieur- und Architectm-Vereines eine Wahlbesprechung statt, in welcher die ausgelosten Herren theils persönlich, theils durch den Leiter der Versammlung, Herrn Vicepräses Ritter von Borkenau erklärten, die Wiederwahl anzunehmen. Alle Herren wurden auch mit Acclamation zur Wiederwahl empfohlen, ohne daß sich eine Stimme dagegen erhoben hätte. Der Vorsitzende erstattete den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Verwaltungsjahr, aus welchem zu entnehmen ist, daß der Vorstand im abgelaufenen Jahre seine besondere Sorgfalt der Pflege des Jugendgottesdienstes gewidmet hat.- Die ohne Zwang zahlreich erschienenen Kinder haben dem Gottesdienste mit Andacht beigewohnt und betheiligen sich immer mehr am Choralgesange. Die Institution des JugeirbgotteSdienstes hat sich trefflich bewährt und findet bei Eltern und Kindern Änklang. Die Wiedereinführung des Confirmandennterrichtes wird im Vorstande berathen. Welche Opfer überhaupt für Jugendunterricht gebracht werden, ergibt sich aus der. Thatsache, daß derzeit an 33 Volksschulen und an 14 Mittelschulen 30 Religionslehrer thätig sind. Auf gottesdienstlichem Gebiete ist hervorzuheben, daß der Vorstand von seiner Competenz,- Concessionen für Privat-Betloeali.äten zu ertheilen, zu den hohen Feiertagen in 36 Fällen Gebrauch gemacht hat, wodurch das AndachtSbedürfniß von 16.000 Personen befriedigt wurde. Bei der Verleihung solcher Concessionen wird mit großer Vorsicht vorgegangen. Ferner wurde zur Verhütung von Unzukömmlichkeiten bestimmt, .daß in jedem Tempel an einem Tage nur 4 Trauungen fftattfinben drkrfen und für die Vornahme der Trauung die.Priorität der Anmeldung entscheibet. Die Zahl der Bethaus-Vorsteher wurde durch die.'Wahl der Herren Josef Kohn,. Salomon Kohnberger und Jaques Bas^ach ver--

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