Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 40 (27.11.1883)
- Date
- 1883-11-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— 7״ — stärkt. Auf dem! Gebiete der Wohlthätigkeit wurde, wie der Vorsitzende bemerkt, die Thätigkeit des Vorstandes Heuer in erhöhtem Matze in Anspruch genommen. Einzelne Legate und Spenden werden namentlich aufgefährt. — In der Debatte sprach ein Mitglied den Wunsch aus, daß alljährlich Jahresberichte über die Finanz-Gebahrung sowie über die sonstigen Agenden des Vorstandes veröffentlicht werden mögen, worauf seitens des,Vorstandes erwidert wurde, datz dies schon im Plenum des Vorstandes erwogen worden sei und . bis zur Nealisirung dieses Wunsches von den Mitgliedern der Gemeinde auf die öffentlichen Sitzungen, in denen dies Alles zur Sprache komme, sowie auf die durch mehrere Wochen zur Zeit des Jahresschlusses im Bureau aufliegenden Rechnungsabschlüsse Bedacht genommen werden möge. Ein anderes Mitglied wünscht, datz von Seite des Vorstandes durch entsprechende Vermehrung der Synagogen sämmtlichen Mitgliedern die Möglichkeit geboten werde, an den hohen Festtagen das Gottes- Haus zu besuchen. Es wird hierauf erwidert, daß in dieser Richtung durch Acquirirung des Musikvereinssaales sowie durch Ertheilung von Eoncessionen das Möglichste geschehe. Die übrigen Interpellationen waren belanglos. Bei der Sonntag den 25. d. M. stattgehabten Vorstandswahl der Wiener israsl. Cultusgemeinde wurden die ausgeloften Vorstands- Mitglieder, und zwar die Herren Michael Biach, Julius Ritter von Goldschmidt, Wilhelm Ritter von Guttmann. Josef M. Ritter von Pfeiffer und Wilhelm Stiatzny mit zrotzer Majorität wiedergewählt. (A — M.) Folgendes schreibt man an den Mainzer ,Israelit" : Die werthen Leser des .Israelit" werden sich wundern, einer Correspondenz zu begegnen, deren Ursprungsstadt, nur mit Anfang- und Endbuchstaben angedeutet ist; aber die Personen, von denen ich Ihnen heute berichten will, und die ich gestern Gelegenheit hatte, kennen zu lernen, sind noch immer sehr ängstlich und sprachen mir den Wunsch aus, ihren Aufenthaltsort nicht zu verrathen. Es sind dies nämlich die Familie Scharf und Wollner, die diesen Sommer in Niyregyhaza eine ihnen nicht angenehme Weltberühmtheit erlangt haben. Die Leute sehen leider nicht gut aus und leben hier in den dürftigsten Verhältnissen. Seit Sonntag den 29. October ist Moriz Scharf hier bei einem Handwerker in der Lehre und soll recht fleißig und willig fein. Ich unterhielt mich lange mit ihm, und machte er auf mich den Eindruck eines geistig sehr wenig begabten Menschen, mit niederer Stirne, großen Ohren, großem Ai und und bräunlicher Hautfarbe sieht er fast aus, als ob er von Negern abstamme. Er erzählte mir, daß er sich jetzt über sich selbst wundere, wie es ihm möglich war, selbst bei den ärgsten Qualen gegen feine Eltern, die er so sehr liebe, auszusagen. Er erzählte mir, datz er einmal des Nachts um 1 Uhr aus dem Bette gerissen und vom Untersuchungsrichter in eine dunkle Kammer geführt worden fei. Hierauf habe Letzterer zu ihm gesagt: Vor Dir ist ein tiefer Brunnen, sage nach was ich Dir vorsage, oder ein Stotz von mir befördert Dich in's Jenseits. Darauf habe er jedes Wort nachgesagt und im Nebenzimmer saß Jemand, der es zu Protocoll niederschrieb. Moriz hat, wie er m׳r sagt, von der Pester Allianz den Auftrag, seine Erlebnisse während des Prozesses niederzuschreiben und durfte er damit bis Ende dieses Jak res fertig werden. Josef Scharf ist mittlerer Statur, hat einen röthlichen Bart und macht den Eindruck eines unschuldigen Landinannes. Er gedenkt hier zu bleiben, bis fein Sohn Acori; Scharf sich hier eingewöhnt hat, und was er dann beginnen soll, ist ihm selbst noch nicht klar. Wollner möchte, da er sich nicht beschäftigen kann, und sich nach Arbeit sehnt, nach einer der jüdischen-Colonieu in Amerika oder Palästina befördert fein, und wäre es ezn grteS Werk, wenn man ihm die hierzu nöthigen 100 Mark fpenden w,nr:e. Wie er behauptet, versteht er sich auf Ackerbau. — Wie die ^nnesvarer Zeitung .Südungarifcher Lloyd" meldet, weilt der Gerichtspräsident Kornis in Pest, und feine Anwesenheit in Pest steht mit der Tisza-Eszlarer Affaire im Zusammenhänge. Es soll be reits bewiesen sein, daß der Hauptbelastungszeuge Mathaj ein bestochener Zeuge war und nur ausgesagt hat, was ihm von Vary, Verhovay und Onodi dictirt wurde. Unter den bei Verhooay vorgefuudenen Papieren sollen auch Briefe von Vary gefunden worden fein, woraus hervorgeht, daß Mathaj 60 fl. dafür bekommen hat, damit er so aussage, wie er ausgesagt hat. Hm Menschenfreund. Der kürzlich in Paris verstorbene Banguier Antoine Königswarter hat eine Summe von einer Million Francs zu dem Zwecke testirt, daß hievon ein Fonds gegründet werde, aus welchem die Kosten einer Ackerbau-Colonie für verlassene Kinder bestritten werden sollen. Eine jüdische Adresse an den Grafen Faasse. Die Vorstände der jüdischen Gemeinden zu Podwoloczyska. Trembowla, Grzymalow, Kopeczince, Mikulince, Chorostkow, Jezierzany, Borsczom und Touste haben sich veranlaßt gesehen, eine Adresse an den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe zw richten, in deren Eingänge gesagt wird: ,In der gegenwärtigen, für uns Juden so stürmisch bewegten Zeit, wo es in vielen europäischen Ländern an Bemühungen nicht fehlt, durch allerlei Verdächtigungen und Verleumdungen uns in den Augen der christlichen Welt herabzusetzen, unseren Patriotismus, unsere Loyalität zn verdächtigen und unsere staatsbürgerliche Stellung zu untergraben, wo in der anderen Neichshälfte diese Bemühungen sogar zu blutigeu Exzessen, zu fürchterlichen Greuelthaten geführt haben, blickt der österreichische Jude mit hoher Befrieoigung auf den in Oesterreich herrschenden religiösen Frieden, auf die in unserem Lande durch keinen Mißton gestörte Harmonie der Confessionen." Die Adressauten glauben mit Recht, diese erfreuliche Thatsache dem Wirken des Cabinetes Taaffe zuzuschreiben, da solches den Antisemitismus in Oesterreich wirklich im Keime erstickt hat. Sic begeben sich dann aus das politische Gebiet und sprechen ibr Bedauern darüber aus, ,daß eine große Anzahl von Glaubensgenossen in Nieder- Österreich. Böhmen und Mähren an der Spitze der Opposition gegen das Ministerium marschiro." Sie ftnden, daß dieses Lerhalten den Interessen des Judenthnms zuwiderlaufe, ,denn, wo ein Naeenkampf entbrennt, ist es bekanntlich der Jude, der am schlechtesten davonkömnu, ec ilt daher wie kein Anderer verpflichtet, für die Versöhnung der Nationalitäten und Raeeu mit allen Kräften einzustehen". Die Vorstände der bezeichneten Gemeinden finden sich daher veranlaßt, ,gegen oben besagtes Verhalten einsstheils der österreichischen Juden öffentlich ihr Veto einzulegen und dem Grasen Taaffe ihr Vertrauen zu voticeu". Correspondenz der Nedaetion. W. in K- Bestätige den richtigen Empfang von fl. 6.—. Gruß. Gr. in D. Im Einzelverkaus berechnen wir per Plummer 12 kr. H. in T. Wir haben großes Vertrauen zu Ihrer Persönlichkeit, nur möchten wir nach so langer Zeit von Ihnen gerne etwas sehen. L. in Kur. Sobald eS uns die Zeit gestatten wird, da wir durch dis Uebersiedlung der Redaction und Privatwohnung sehr in Anspruch genommen sind, werden wir bewußtes Instrument wählen. Gruß. G. in St. Wollen Sie bei Einsendung de» nächsten Abonnement- Betrages auch den für diesen Monat mitsenden. In Folge unpünktlicher Einzahlung der Abonnementsbeträge, von Seite einer grossen Anzahl unserer Abonnenten, sahen wir uns bemüssigt, die Musikbeilagen, welche uns bedeutende Mehraus/agen verursachen, in den letzten zwei Monaten entfallen zu lassen. Um jedoch nicht auch die Unschuldigen mit den Schuldigen leiden zu lassen, werden wir einer der nächsten Nummern eine Musikbeilage beigeben. Die Redaction.