Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 40 (27.11.1883)
- Date
- 1883-11-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Ceres bei den Römern mußten die Vestalen in weißen Kleidern! ihren heiligen Verrichtungen obliegen. Ovidius sagt:! " More patrum Sanctae, velatae vestibus albis, Tradita, supposito vertice, sacra ferunt. Es bestand aber die Art der Kleidung an sich aus einem Obcrrock, der mit einem Gürtel Angebunden war; einem Leibrock unter selbigem, der bis auf die Füße ging, und insgemein eine Stole (stola) genannt wird; und einem Paar leinenen Unterhosen. Da die Musici sowohl als die Priester ihren Dienst mit bedeckten! Haupte, wie es allezeit in den Morgenländern Mode gewesen ist, verrichteten: so bedienten sic sich hiezu eines Bundes oder Turbans von feiner weißer Leinwand, dessen Form willkürlich war. Beide aber durften das Heiligthum nicht anders als mit bloßen Füßen betreten, da hingegen die egyptischen Priester und Sänger ihre Fußsohlen mit SÄilf oder Baumschalen, welche sie mit Palmblättern durchflochten, umwanden. Jedes Fest, worunter das Passah-, das P fing st- und Laubhüttcnfesi die vornehmsten waren, batte, sowie jeder Sabbath, ja ein jeglicher Tag, seine bestimmten Gesänge, und hiezu wurden davidische und andere geistreiche Lieder genommen. Die Art der Musik wird vermutblich, wie die der Egyptier und Griechen ihre beschaffen gewesen sein, weil keine Nachrichten vorhanden sind, die das Gegentbeil sagen. Es mußten aber wenigstens alle Zeit zwölf Sänger im Tempel sein und mit dieser Zahl wurde auf die zwölf Stämme Israels gezielt. Von Trompeten wurden niemals weniger als zwei, aber niemals mehr als hundert und zwanzig beim Gottesdienst gebraucht. Kein Sänger wurde unter zwanzig Jahren angenommen, und keiner durfte länger als bis zu seinem fünfzigsten Jahre dienen. Der Standplatz der Sänger, Saiieuspieler und des Cymbalisten, weil nicht mehr als einer bei jedem Gottesdienst gebraucht ward, wie die Talmudisten sagen war ein dritthalb Ellen breiter, und an die hundert Ellen lang bedeckter erhabener Ort nahe an der Treppe, welche aus dem Vorhof der Priester in den Vorhof Israels ging, und wo sie von dem Volke gesehen und gehört werden konnten. Ihr Amt nahm mit dem einen Sabbath den Anfang und mit dem folgenden endigte es sich. Weil ein Jeder nur zweimal im Jahre diente, und jedesmal nur eine Woche: so kam die Zeit des Amtes an Jeden nicht eher, als alle vierundzwanzig Wochen, weil sie in vierundzwanzig Ordnungen eingetheilt waren. Doch mußten sie außerdem auch nock bei den vorhin genannten drei hohen Festen in Jerusalem zugegen sein. Diese Ordnungen der Sänger sind bis auf den letzten Tag der Zerstörung des Tempels geblieben, ob sie gleich verschiedenemal unterbrochen worden, indem man sie nämlich, so bald der Gottesdienst wiederum eingerichtet ward, auch sofort wieder herstellte. Die Musik nahm allezeit nach Ausgießung des Trankovferweines ihren Anfang, und weil die Sänger diesen Proceß nicht so genau von ihrer Bühne beobachten konnten, so wurde ihnen vom Priester, vermittelst der Schwingung eines Schweißtuches, das Zeichen dazu gegeben, worauf sogleich die Cymbeln gerührt wurden. Die Trompeter, welche alle Priester waren, hatten nicht einerlei Platz mit den Sängern, indem sie auf den Stufen des Altars standen. Da" ein jeder Psalm insgemein in drei Theile pflegte unterschieden zu werden, und zwischen jedem Theile sich die Trompeten hören ließen; so siel auf solchen Schall das Volk auf ihr Angesicht vor Gott zur Erde nieder. Die Verrichtung, die in den neueren Zeiten die Glocke bekommen, hatten bei den Hebräern die Trompeten, indem solche wenigstens des Tages siebenmal gebraucht wurden, einmal Früh, wenn die Thorhüter mit Eröffnung der Pforte zur Wache gerufen wurden; dreimal beim Morgengottesdienste und dreimal beim Abendgottesdienste. So wie die Trompete im Kriege bei der Ausrufung eines neuen Königs gebraucht wurde, so dienten die Hörner dazu, um ein Feldgeschrei im Heere anzuheben, oder eine Gefahr zu verkündigen. Im Tempel wurden die letzteren nur am Versöbnungslage und bei Ankündigung des Jubeljahres gebraucht; aber weder die Hörner, noch die Trompeten wurden jemals, mit dem Gesänge der Sänger vereinigt, damit die Singstimmen und die Saitenspiele nicht übertäubt würden. Von Saitenspielern, und zwar in Ansehung der Kinnor und der Nabel, mußten wenigstens beim täglichen Gottesdienste allezeit neun auf der Singbübne sein, aber an großen Festen konnte man ihre Anzahl so hoch vermehren,, als man wollte. Bei den Hebräern kam im Jabrc 3028. Josaphat zur Negierung, der vierte König von Judäa, nach der Theilung des Reiches. Als derselbe im Jabre 3047 einen neuen Feldzug wider die Moabiter unternahm, und es dem Heere an Wasser fehlte: so ließ sich der Prophet Elisa bewegen, nachdem er sich zuvor durch den Ton der Nabel batte in eine prophetische Begeisterung versetzen lassen, demselben von dem Himmel Wasser zu erbitten und versprach dem König den Sieg. So wie Josaphat in Begleitung eines Chores von Sängern und Spielern ausgezogen war, so kehrte er auch mit einer prächtigen Musik siegreich nach Jerusalem zurück. Vielleicht waren die fremden Könige schon lange vorher gewohnt, durch die Töne der Instrumente ihre Streiter im Kriege zu ermuntern, so wie solches wenigstens in der Folgezeit geschehen ist. Wahrheit und Gerechtigkeit! Unter diesem Motto erlaube ich mir heute das Wort gegen das ungerechte Vorgehen einiger unserer geehrten Herren Collegen zu ergreifen und wünsche, dass es auch mit Erfolg gekrönt werde und nicht leer verhalle. Der Wahrheit und Gerechtigkeit eine Gasse! — rufe ich'Allen zu, die sich nicht absichtlich die Ohren, verstopfen. — Die löbliche Redaction unseres Vereinsblattes hat entschieden Hervorragendes für uns Cantoren geleistet und niemals schreckte sie zurück, wo es galt, für das allgemeine Wohl der Cantoren zu wirken. Und doch scheint Undank sie zu lohnen! Ich frage, wie kann man so undankbar, oder besser gesagt, so pflichtvergessen sein, diese Quelle unseres Vortheiles zu untergraben, indem so manche Collegen an die Einsendung des Abonnements-Betrages gar nicht zu denken scheinen מי לאה כאלה ומי שמע כזאת. Prüfen wir, ob bei anderen Vereinen und Genossenschaften auey ein solches Vorgehen statthast wäre? Der arme Handwerker spart zu Pfennigen, um sein Vereinsorgan zu unterstützen. Wohin soll das eigentlich führen? Wie sieht dies Anderen gegenüber aus? Ich habe an der Möglichkeit gezweifelt, dass es Leute geben könne, die ein Blatt pünktlich zugestellt bekommen, ohne, wie es sonst Sitte ist. den Abonnements-Betrag im Vorhin ei n einsenden zu müssen, dasselbe auch ,acceptkren" und trotzdem durch Monate, Quartale und sogar Jahre nicht daran denken, ihrer Pflicht und Schuldigkeit gerecht zu werden.!-Unmöglich, aber doch wahr! Denn וכל העם רואים את הקללות. alle Welt sieht es, wie keine Nummer dieses geehrten Blattes von einem Aviso, Aufruf oder gar dringendem Ersuchen an alle geehrten Herren Collegen, welche mit ihrem Abonnement, bereits ein Jahr, auch darüber, im Rückstände sind, verschont bleibt. Es ist doch gar nicht denkbar, dass die löbliche Redaction aus purem Vergnügen uns diese Schmach und Schande der Außen- Welt gegenüber in jeder Nummer bereiten wollte — das würde ja heißen, sich selbst verunglimpfen. — Immer noch bei jeder