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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-11-19 · Heft 39 (19.11.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 39 (19.11.1883)
Date
1883-11-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— — kleineren unterschieden, daß es-zwei Blasebälge hätte, vermittelst welcher der Wind hineingeblasen ward. Das Wort Ugabh bedeutet sonst bei den Hebräern schlechtweg ein Instrument, sowie Organon bei den Griechen. Die Schlaginstrumente bei den Hebräern waren: 1. Eine Pauke oder Trommel, wie man das Wort Toph zu übersetzen pflegt, obgleich keine von ihren Gattungen unseren jetzigen Pauken oder Trommeln vollkommen ähnlich sieht. Man hatte aber, um bei . dem Worte Pauke zu bleiben, a) Hand- oder Zungferpauken, welche die Figur einer länglichen Schachtel hatten, mit einem Felle überzogen waren und, während der Zeit man sie mit der einen Hand festhielt, mit der anderen Hand entweder blos, oder mit einem dazu gehörigen Wirbel geschlagen wurden, b) Ningelpauken oder Rappeln. Diese batten die Figur einer Rakette, womit man den Federball spielt. Die in der Mitte des Reifes auf einen Draht gezogenen metallenen Ringe, die nach der Bewegung des Spieler» zusammenschlugen, verdienen ihr den Namen. 6) Die Glockcnpanke war, ihrer Figur nach, der Ningelpauke ähnlich, nur dass der ganze Reif mit kleinen Glocken umhangen war, die, wie zu vermurhen ist, mit einem kleinen Klöppel regiert wurden, d) Die Mörselpauke (El se beroschim) war wie ein Mörsel gestaltet und wurde mit einem kleinen Schlägel traclirt. e) Die Kugelpauke (Mnaanim) war ein kleiner länglich viereckiger hohler Körper, worüber an einer ausgespannten' starken stählernen oder dicken Darmsaite etliche Kugeln angereihj waren, die nach dem Maße, als man auf selbe schlug, in Be. wegung gesetzt wurden und bald aufeinander selbst, bald auf den Klangbodeu stießen. 2. Die Cymbeln- Man hatte verschiedene Arten, als a) die Paukencymbeln, welche ans zwei, aus Erz gemachten und aus einander passenden hohlen Becken, ein jedes in der Figur einer halben Kugel, bestanden und die von den beiden Händen gegen einander geschlagen wurden, b) Die Schellencymbeln (Tseltselim) bestanden in einer Reihe, an einen Draht befestigter Schellen von verschiedener Größe, die, wie die heutigen Strohfiedeln, mit eisernen Klöppeln geschlagen wurden. 6) Die Glockencymbeln (Nethsiloth) waren von den vorhergehenden in nichts anderem unterschieden, als dass dazu Glocken anstatt Schellen genommen wurden. Die Erfindung der Pauken oder Trommeln, wie man das fremde Wort übersetzen will, und der Cymbeln wird von den Egyptcrn und Griechen der Cybele oder deren Priestern, den Dactylis Jdärs, zugeeignet. (Schluß folgt.) Geschichte und Charskter der Synagoqen- Mufik. Eine Schrift des Herrn Franzis L. Cohen, gelesen vor der Jews Literary Society, 4. Februar 1883. III. Nach der berberischen Invasion in Spanien, ungefähr im Jahre 1070, entstand eine neue Poetenschule unter der Protection des Samuel Hanagid, von welchem uns Iben Ezra berichtet, daß er der erste war, der metrische Gebete, mit Musik begleitet, componirte. Das Studium der Musik fing erst im 12. Jahrhunderte an und gehört eigentlich ebenso wie alle anderen ähnlichen Wissenschäften der arabischeu Schule an. Zu dieser Zeit Iwurden bei geeigneten Gelegenheiten Gedichte gesungen und an Samstagen wurde das Gebet Msehmath abgesungen. Schon im 12. Jahrhunderte und höchst wahrscheinlich viel ) früher wurde die hebräisch-liturgische Poesie gesungen und manches- | mal wurden derselben sogar gewöhnliche Arien angepaßt. Simon Duran in Magen-Abboth, nachdem er sich auf Neginoth bezieht, sagt weiters: Was die anderen Melodien anbelangt. ob dieselben bei heiteren Gesängen oder traurigen Liedern gebraucht werden, sind einige so alt wie die Hymnen des R. Elieser Kalir. Andere, von späterem Ursprung, wurden in Spanien componirt oder nachgeahmt nach den morischen Gesäugen, welche, da sie sehr melodisch sind, gleich zu Herzen geben; andere, in Frankreich zum Beispiel, wurden von den provencalischen Liedern abgeleitet, welche hinsichtlich der Musik als die ersten gelten können. Er lobt die Vollkommenheit der fremden Lieder, wahrscheinlich, um einigermaßen deren Annahme zu entschuldigen. Iben Ezra erklärt die Aufschriften über den Psalmen durch die Gewohnheiten, den Hymnen die Namen der fremden Arie zu geben. Etwas später erzählt uns Menachem Lonsano (ungefähr 1572), dass sich viele religiöse Personen dieser Gewohnheit der Juden widersctzten, nach christlichen Hymnen zu singen, er aber sieht nichts Unrechtes darin. Archivolts. Lehrer des De.-Rosst, findet es etwas unpassend, ein Gebet zu schreiben und es ״Belachan el vaquere de Moreiia‘‘ zu nennen nach der Arie ״der Kuhhirt von Morena“, ursprünglich ein pastoralischer Troubadour. Sehr viele Hymnen waren schon früher nach populären Melodien, hauptsächlich spanische, wie z. B. : ״Pues vos me' feristes“, ״Porque non me hablas“ ״Partistas amiga",;״Tres 6010068 en una‘4 und viele andere. Auch französische, solche wie: ״Les filles de Parasoon44./ Israel Nagara (1587) componirte seine Reime sogar in arabischen, türkischen und romanischen Arien (um süße Arien von einer unpaffenden, einer schicklichen Benützung zuzuwenden) und sogar sehr spät in dem 17. Jahrhundert wurde eine Hymne von Menachem Zion nach der Arie des deutschen Gesanges ״Steiermark“ in den Sabath. Ritual eingeschaltet. So werden auch tartarische Melodien unter den Karaiten gesunden. Die meisten Arien der jüdischen Volkslieder wurden zur Zeit von ihren Nachbarn entlehnt. Einige ihrer Aufschriften zeigen die gehörige Melodie durch die Namen der populären deutschen Gesänge, von denen viele nicht anders bekannt sind. Dieses Verfahren ist allgemein und wurde bis auf unsere Tage in vielen Fällen beibehalten. Was das Wiedergeben der Musik anbelangt, sagt der Poet Jlak Iben Gajjat (gest. 1089), dass seine Reime mit einer angenehmen Stimme wiedergegeben worden sind. Benjamin G. Tudela begegnete einem Säuger in Bagdad, welcher wegen seiner Kenntnis der Synagogen-Musik berühmt war. Petachia erzählt uns: ״In Bagdad gibt es ungefähr (1180) 30 Synazogen außer den Daniels; jedoch exestirt kein Vorbeter dort und Derjenige, den die Akademie dazu bestimmt, sagt die Gebete her. Irgend Jemand wiederholt die Hundert-Segnungen und nach ihm antworten sie das Amen; dann erhebt sich Jemand und sagt das Baruch Scheamar mit einer lauten Stimme; ein Anderer erhebt sich und sagt die Lobgesänge, begleitet von der ganzen Gemeinde. Seine Stimme ist stärker als die der Gemeinde, so dass dieselbe Tact mit ihm halten und.ihm nachsagen muß. Wenn sie sich während des Einstudirens in der Arie irren, so macht ihnen der Leiter der Akademie mir dem Finger ein Zeichen, allwo sie sogleich verstehen, welche Arie gesungen werden soll. Wenn einer der jungen Leute eine angenehme Stimme besitzt, so recitirt er einen Psalm. In den den Festen vorhergehenden Tagen werden die Psalmen mit Musikbegleitung gegeben und sie wissen aus der Tradition die Arie schon auswendig; sie haben mehrere Arien für jeden Psalm. Dies - ist wichtig, weil es die einzige Erwähnung von Instrumenten in den Synagogen ist. Um dieselbe Zeit wurden deutsche Vorbeter dazu animirt, die Gebete in einer passenden Weise zu geben, und zwar nach den

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