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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-11-11 · Heft 38 (11.11.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 38 (11.11.1883)
Date
1883-11-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— 7׳ - Arankkurl a. M. In der Haupt-Synagoge wurde in diesem Jahre der dreijährige Cyclns, welcher circa 30 Jahre bestanden, abgeschafft, und nachdem der erste Theil des Cyclus mit פלשת 2א beendet war, am jüngsten Sabbath die ganze Sldra ׳פראשיית zwar ohne Beachtung der herkömmlichen ׳נגינה vorgetragen. Es ist immerhin ein erfreuliches Zeichen unserer Zeit, daß die Haltlosigkeit der seit mehr als 50 Jahren sich geltend machenden Neuerungsbestrebungen endlich erkannt wird, und es wäre wnnschenswerth, daß diese, wenn auch kleinen Anfänge, die gar nicht zu unterschätzen sind, Nachahmung fänden und immer größere Dimensionen annehmen würden. Denn gerade die Anordnung unserer gleichmäßigen Liturgie, welche unsere Weifen, nachdem wir unserer staatlichen Existenz verlustig gingen, uns gleichsam zur Begleitung mit in» Exil gaben, bildet seit nahe an 2000 Jahren fast das einzige wahrnehmbare Band, welches uns Alle zur unzertrennlichen Einheit umschlingt, wie dies bei reiner anderen Nationalität wieder zu finden sein dürfte. Jeder Schritt, auch noch so unscheinbar, der wieder zum Wege der Gesetzlichkeit hinführt, ist als die einzig wahrhaftige Reform von unserer Gesammtbeit freudig zu begrüßen. Loslatt (Oberschlesien). (Orig.-Corr.) Die hiesige Gemeinde har am 20. v. M. einen schweren, unersetzlichen Verlust erlitten. Der seit 40 Jahren hier Beamter gewesene Cantor Philipp Fränkel ist, 73 Jahre alt, ans dem Leben geschieden und hat nächst seiner Familie nicht nur seine zahlreichen Freunde und Verehrer in Schlesien und Posen, sondern auch weit über diese Provinzen hinaus in große Trauer versetzt. Wiewohl nur im bescheidenen Culrusamte thätig, überragte er notorisch in talmudischem Wissen Manchen, der einen Rabbinatsstnhl eiunimmt. und wies doch jede Zumuthung. seine rabbiuischen Kenntnisse geltend zu machen, standhaft und conseqnent zuruck. Geboren im Jahre 1810, hatte er das Glück, als Schüler zu dm Füßen des berühmten R. Akiba Eger זצ״ל zu sitzen, war daun einige Jahre in Krotoschin und seit 1 Decennien in Loslau, wo er sich durch Religiosität, Pflichteifer und Humanität allgemeine Liebe und Verehrung zu erwerben verstand. Daß er sich auch als Schriftsteller einen weithin geachteten Namen gegründet hatte, dürfte den Lesern dieses Blattes nicht fremd sein. Seine Werke dürfen chon darum eine n bleibenden Werth beanspruchen, weil sie höchst brauchbar und lehrreich sind. Am bekanntesten ist wohl sein רצוץ בחי! über das Schechitawesen, welches vor 38 Jahren erschien und 1861 in zweiter Auflage edirt wurde. Auf demselben Gebiete steht ein kleines Merkchen בנהי שרה. Sein vor 25 Jahren erschienenes ציון להרש hat sich als ein sehr nützliches und gern gesuchtes Hilfsbuch für Prediger erwiesen. Als letztes Werk lieferte er im Jahre 1873 unter dem Namen ,לקוטי הב,שנה gelehrte Beiträge zur Mischna, die bei den Fachmännern Anklang fanden. Wir nennen auch noch der Vollständigkeit wegen das Schliftchen הלוית הטת, das wohl den Meisten bekannt sein dürfte Fränkel war unter den Cantoren in Deutschland unstreitig eine seltene Erscheinung. Nicht allein mit hohen Geistesfähigkeiten, mit klarem Scharfblickausgerüstet, sondern auch durch Charakterfestigkeit und Gottesfurcht ausgezeichnet, pflegte er innigen Verkehr mit. vielen rabbin. Autoritäten und erfreute sich ihrer Freundschaft und Hochachtnng. — Die Beerdigung fand den 21. Nachmittag unter unverkennbarer Theilnahme aller Gemeindemitglieder und im Beisein vieler Deputationen umliegender Gemeinden statt. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus Beuthen ließ es sich nicht nehmen, trotzdem der Entfchlafene sich früher bereits jeden Redeact verbeten hatte, in der Synagoge, wohin die Leiche gebracht worden war, eine tiefergreifende Trauerrede zu halten. Es ist unnöthig zu erwähnen, daß die Leichen- Bestattung Zeugniß ablegte, von dem Werthe des Heimgegangenen und dem Schmerze über den Verlust eines so theuren, langjährigen Freundes und Berathers. Möge Gott die Trauer seiner Kinder im Hinblicke auf sein verdienstvolles Leben mildern und sie zur Nacheiferung begeistern! תנצב״ה• Masel. (Orig.-Corresp.) College Linhart, bisher Obercantor in Kaposvar, welcher bereits im Monate Juli l. I. nach einem mit großem Beifalle abgehaltenen Probevortrage als Obercantor in Basel (Schweiz) unter lehr günstigen Bedingungen acceptirt wurde, konnte erst in den letzten Tagen seine neue Stellung daselbst antreten, nachdem er bei der Kaposvarer Gemeinde contractlich verpstichtet war, seine Functionen bis nach den hohen Feiertagen zu versehen. Der Vorstand der Cultusgemeinde in Basel bewies Herrn Linbart ein großes Entgegenkommen, indem sie in den Antritt des schon längere Zeit vacanten Postens bis nach den hoben Feiertagen einwilligte und sich während der Festtage mit einem provisorischen Vorbeter begnügte. Dieser Umstand gab zu verschiedenen, auch im ,Bromberger jüdischen Cantor" colportirten Gerüchten Anlaß, daß die Cantorstelle in Basel noch nicht besetzt und Herr Linhart daselbst nicht acceptirt sei. Aer Wunderraböi von Sadagora Seit einigen Tagen herrscht in dem Städtchen Sadagora, wo der Wunderrabbi Friedmann gelebt hatte, eine gewaltige Aufregung nicht nur unter seinen Anhängern, den Chassidim, die auch von seinen Wunderthaten nach dem Tode manches Beispiel zu erzählen wissen, sondern selbst bei den christlichen Bewohnern dieses Städtchens. Vor Kurzem fand man nämlich auf dem dortigen Friedhofe die Leiche des Wunderrabbi ausgegraben, ohne Todten- Hemd bei seinem Grabe liegen. Ueber den Thäter eirculiren die verschiedenartigsten Gerüchte. Raub kann wohl nicht das Motiv dieser Leichenprofanirnng gewesen sein, da es allgemein bekannt ist, daß die altgläubigen Juden die Leiche nur in einem Todten- Hemde bestatten. Trotz umfassender Recherchen der Behörden ist die mysteriöse Affaire noch nicht aufgeklärt. Literarisches. Aer ״Wiener Asre»rki1." ein politisches Journal, welches nur die Vertretung jüdischer Interessen auf seine Fahne geschrieben, hat sich während seines 21jährigen Bestandes einen ausgedehnten zablreichen Leserkreis, nicht nur in Oesterreich, sondern auch in Deutschlaud. Rußland und Rumänien, erworben. Nunmehr hat der langjährige bewährte Redacteur dieses Blattes, Herr Mori; D ornbusch, die Herausgeberschaft übernommen, unter Einem tüchtige Mitarbeiter und in allen größeren auswärtigen Gemeinden verläßliche Correspondenten acguirirt, wodurch dein Blatte ein weiteres Aufblühen gesichert ist- Der »Wiener Jsrealir'' erscheint wöchentlich zweimal und kostet per Ouartal für Oesterreich-Ungarn fl. 2.40, für das Ausland fl. 3.20 und sollte daher bei seiner Billigkeit und Reichhaltigkeit in keiner jüdischen Familie fehlen- (Redaction, Wien. L, Schottenring 6.) Correspondenz der Medaetion. Collegen L. in W-, W. in U.-B., Bin A., Kr. in G., G. in G-, G. in L., Kr. in Fr., N. Cult. -Vorstand in Andr., Sin Kr., St. in P., L. in E., A. in Kl., A. in Str., D. in F., R. in 11, A. in B.-Cbestätigen dankend die eingesandten Beträge. Cdlleg. Gruß. G. in G. Ihr Abonnement ift beglicben. Gruß. G. in L- Noch für ein Ouartal tut Rückstände. S. in Kr. Noch 1 Ouartal im :Rückstände. Sam. in T. Sie sind wegen des Stillschweigens vollkommen entschuldigt. Wir wären zufrieden, w-nn wir lauter solch' gewissenhafte und einsichisvolle Abonnenten Härten. College H. in T. könnte sich an Ihnen ein Muster nehmen. L. in E. Sind noch 1 Ouartal im Rückstände. Roh. in llng. Sie haben bis Ende Dezember beglichen, wegen Ihrer Verzögerung waren wir gar nicht besorgt; übrigens belief sich der Rückstand nicht auf 1 oder 1V2 >ahre, wie eS bei einer großen Anzahl von Collegen, die sogar in guten Stellungen sind, der Fall ist, und von einer Einsendung der Pränumerationsgebühr, zur Erhaltung eines Organes, das ihr Interesse nach jeder Richtung hin vertritt, wollen diese guten Herrn Amtsbrüder nichts wiffen. — Kr. in Pl- Für das Inserat berechnen wir ihnen nach Abzug des üblichen Rabbats fl. 1.20. Gruß.

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