Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 38 (11.11.1883)
- Date
- 1883-11-11
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3 Wächtern, die in der Stadt umgeben; sie nebmen ibr den Schleier und verwunden sie. ohne sie zu kennen. Sie läßt sich nickt abhalten weiter zu gehen, und nachdem sie allenthalben nachgefragt, ob man nichr ibren Geliebten gesehen hat: so machte sie eine Beschreibung von ibm und sagt: daß ihr Freund weiß und rvth ist, seine Locken kraus und seine Haare schwarz wie ein Nabe; daß er mit Saphiren geschmückt, und gerade wie eine Ceder ist u. s. w. Unterdessen kömmt der Tag heran, und da der Prinz auf's Feld gegangen ist, um der Annehmlichkeiten des Landes zu genießen, so findet er die Schäferin auf seinem Wege, deren Schönheit er lobt, indem er ibr seine Neigung entdeckt. Sie ersucht ibn. mir ihr in einen benachbarten Garten zu kommen, wo geräumige und bedeckte Gänge sind, und aus welchem sie die Reize des Landes über!ehen können. Der Prinz unterhält sich daselbst mit der Sckäferin, ersucht sie um ihre Freundschaft und um ihr Jawort zu einer ehelichen Verbindung. Er erhält eS und sie geben sich einander die Versicherung einer beständigen Liebe. (Fortsetzung folgt.) Die Csntorenschule. Die Gründung einer Cantorenschule hat bereits viele ge. ehrte Collegen zur Meinungsäußerung in diesen Blättern veranlaßt und verschiedene Ansichten über diese für unseren Stand höchst wichtige Frage hervorgerufen. Jeder nur einigermaßen aiift deutende Cantor muß hiezu bereits eine gewisse Stellung eingenommen haben und, je nachdem er von der Nichtigkeit der Argumente der Gegner oder Freunde dieser Schule überzeugt zu sein glaubt, sich seine Meinung darüber zurecht gelegt haben. Wenn nun auch ich dieselbe in Folgendem zum Ausdruck bringe, so geschieht dies keineswegs, um lediglich nur die Literatur über diese Streitfrage zu bereichern, sondern weil bei Herbeiziehung der Argumente für Crcirung der Fachschule auf einen Punkt zu wenig Rücksicht-'genommen worden zu sein scheint, und dies ist die Wirkung der Kunst auf die Andacht. Ich stelle daher eine Frage, nämlich, ist Andacht und Kunst auch getrennt oder als unzertrennlich denkbar? Die Beantwortung dieser bestimmt Frage selbstverständlich die Beantwortung jener. Es ist eine längst erwiesene Thalsache, und jeder Inhaber eines Tempelsitzes, also selbst der Laie, werden mir dies sickert ich bestätigen, dag, während beim schrankenlosen und willkührlicheu Gesang, oder besser gesagt, daß. während beim Vorträge eines Natur-Chasan, das Hauptmoment, die Andacht, zurücktriit, nachdem dieser das ganze Aufgebot seiner Begabung, in Folge unsichern Her- und Hinschwankens, stets nur auf den melodischen Theil des Gottesdienstes richten muß, dem Vortrage des musikalisch gebildeten Cautors, der sich in Folge seiner Methodik stets in freier Ungezwungenheit bewegt, jene reine Andacht entquillt, die jedes empfängliche Gemüth mit dem heiligen Salböl der Erhabenheil und jedes jüdische Herz mit dem seligmachenden Weihrauch höherer Stimmung füllt. Eine ganz natürliche Folge hievon ist, daß, nachdem selbst die sogenannte Synagogen-Kritik den krasseu Unterschied zwischen geschultem und ungeschultem Cantor richtig auffaßt, jeder Concurs, ja selbst der Concurs meiner Heimalsstätre, der streng orthodoxen Gemeinde Klausenburg nachdrücklichft vollkommene Musikbildung bedingt. Baal ikurim maamar (3. Abschnitt) stellt folgenden Grundsatz fest: Jedes Vorhandene, vom Urstoff angefangen bis zum Gvlteskenner hinauf, erfreut sich der steten vervollständigenden Fortentwickelung, somit sei Alles, was das Universum füllt, als Mittelding zwischen der ihm vor- und der ihm nachflehenden Qualifikation zu betrachten. So z. B. gilt die Coralle als Mittelding zwischen צומח und דומם, der Meerschwamm zwischen צומח und הי, der Affe zwischen חי und מדבר und soll dieser Fortgang nach Maimonides erst beim Himmelskörper stille halten. Um wievielmchr soll von dem vermittelndem Organe deS Cautors, zwischen Volk und Gott, etwas Uebervolksthümliches erwartet werden? Und was denn anders, als edler Zündstoff zur Andacht und geistigen Flugkraft zur GolteSanuäherung חכמת הלב והלשון והיא טענת הבורא על ברואיו also חכמת המזיקא? (miw* ckar hapninim S. 4.) Wenn jeder Berufsname sowohl Künstler als Pfuscher ein schließt, so haben unsere alten Schriflgelehrten den Berufsnamen : ״Ehasen׳ gewiß unterschiedlich aufgefaßt. Wenn noäo bij'hudo 1. J. 2. gegen den Ehasen leinen Unwillen außer!, indem er lhn als ״Worlzerbrecher" bezeichnet שמשמ״ין בל מלה, muß ihm doch volllnhaltlich beigeslimmt werden, denn bes jisroel ist ja seit der Offenbarung nur an ״deutlichen" Vorträgen gewöhnt קול דברים אתם שומעים, wenn die Moralisten dem Canlorate ,Audachlölosigkeil'תפילה בלא בונה ,Lcppenbewegnng*, ,Zungenreguug" vorwerfen, dürfen wir als Fachmänner ihnen das Recht nicht abjprechen, denn Israel hört gerne den feurigen Vortrag ודבריו שמעת מתון- האש und Jejaijas beschimpft den Mechanis- MUS der Lippen בשפתיו כבדוני ולבו רחק, wenn ferner Ohowas kahvowos (Slern'sche Auflage S. 27l) dem ״gefallsüchtigen Canror׳ jede GolteSannäherung absprichr, wer kann dagegen protesliren? Lehrt ja doch die Offenbarung, daß jeder Vortrag die Hervocbringung von göttlicher Ehrfurcht anstreben muß .ולמען תהיה יראתו על פניכם Wenn derselbe Schriftsteller an anderer Stelle und Rabbi S. Margolios in seinem elef lamate (Folie 19, S. 2) den melodischen Theil als תפל dezeichner und noch andere Gelehrte über das Cantorat feindselig herstürzcn, so fallen diese Ausfälle ausschließlich nur auf den Cantor, der von außen als solcher erscheint. Dem wissenschaftlichen Cantor schmeichelt ja sehr mate efrajim, indem er ihn וובה ומיכה nennt und ihm mit והמשכילים יזהירו gratulier und Chawas halwovvos ihn sogar mit dem Prädikate Kleinprophet adelt, indem er ibn "יבעל החזון nennt. (Das ן zeigt aus den Verkleinerungsgrad). Jaa1׳a8 ihvas 2. B. gehl aber noch weiter und lässt den Frauenchorgesang mit Musikbegleitung, die השראת השכינה herab erstehen. Diese sckriftstellerische Kritik ist soeben zur Volks-, respektive Gottesstimme herangereifr. Wenn daher dem Stande nicht ehestens oie alte ״keser k’hunoh aufgesetzt wird, daun möge die öffentliche Meiuuug als ewige Lügnerin verdammt bleiben. Unser verehrter College Wodak in Gödiug zeigt uns in Nummer 34 und 35 dieser Blätter die EntstehungS- und 'Ent- Wickelungsperiode, sowie alle trüben Momente in der Amtsthätigkeit des Cantor-Schochet. Dieses lebhaft geschilderte Bild wies wohl auch auf die Amtserhabenheit hin, denn המלאכה בחשיבותה כפי פנעיד,הקורים אותה ferner הסבלן יותר נכבד (iniwchar hapninim). Trotz alldem gehe ich einen Schritt weiter und behaupte: Das gegenwärtige Cantorat läuft Gefahr. Ob die Ursache im oder außer dem Stande zu suchen sei, dieses Fach׳ räthsel bleibt dem alten Chasen, der in den modernen Cantor übergangen, zur Beurtbeilung. Doch, Cantorenschulfreunde! nicht verzagen!! So wie wir gesehen haben, dass hervorragende Standesgenossen zur Verbesserung der materiellen Lage bereits einen guten Theil beigetragen haben, so werden diese Männer, denen wir unsere höchste Aner- . kennung jederzeit darbringen müssen, auch den zweiten Theil ihres Vor׳ * fatzes rücksichtlich der geistigen Hebung unseres Standes ausführen und