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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-11-11 · Heft 38 (11.11.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 38 (11.11.1883)
Date
1883-11-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 seiner Seele wieder hcrstellte. Ein Beispiel von dieser Art konnte nicht anders, als von der größten Wirkung in den Gemüthern der Hebräer, besonders der Leviten sein, welche vermöge ihres Amtes schon der Musik oblagen, aber noch mehr zur selben angehalten wurden, als David vermittelst gewisser Anordnungen den Gottesdienst zu einem Grade der Pracht erhob, den er bisher noch nicht gehabt hatte; und konnte diese Pracht ohne Musik erreicht werden? Er bestimmte die Anzahl der Sänger und Spieler im Hause Gottes, und setzte selbe aus viertausend fest; eine zahlreiche Capelle, dergleichen vielleicht nirgends gewesen ist. Er bediente sich der Gelegenheit, die auch der mächtigste- Monarch nicht io leicht vor sich studei. Denn ein ganzer Stamm in Israel, nämlich der Stamm Levi, war von Gott selbst vcrordnet, den Gottesdienst zu besorgen. So lange als die Stiftshülle von einem Orte zum andern mutzte gebracht werden, fehl re es selben nicht au mancherlel Verrichtungen. Als aber durch die Feststellung derselben (2901) den Leviten ihr Dienst erleichtert ward: so verordnele der König. von den vorhaudenett acktnnd- Lrcttzigtausend Leviten, vierundzwanzig tausend, in vicruudzwanzig Ordnungen, zur Besorgung des öffentlichen Gottes-- dienstes; viertausend zu Thorhülern, die den nächst zu erbauenden Tempel nach ihrer Ordnung bewachten; sechstausend Richter und Ämtlente, welche wechselsweise die Aufsicht hatten, daß Alles ordentlich zuginge; und die übrigen viertausend wurden zu Säugern und Spielern bestellt/ welche unter drei Obercapell - meistern, vierundzwanzig Chor- oder Concert - Meistern und zweihundertundachtzig Sang- und Spielmeistern, jeder in seiner bestimmten Ordnung, alle Abend und Morgen da standen, bei den Opfern und anderen feierlichen Begebenheiten Den Herrn zu loben. Bei jeder dieser vieruudzwanzig Ordnungen, welche abwechselten, befanden sich zwölf Untercapellmeister, deren vornehmstes Geschäft war, die jungen Leviten zur musikalischen Wissenschaft anzuführen und zuzuziehen. Bon den vier und zwanzig Ordnungen oder Chören hingen vierzehn vom Häman, vier vom Äßaph und sechs vom Ieduthun, welche die drei Obercapellmeister waren, ab, und das Haupt der ganzen Capelle war David selber. Konnte der Gottesdienst ermangeln, mit Pomp gefeiert zu werden? Außer dielen mit musikalischen Aemlern ausdrücklich versehenen Meistern that sich auch noch Chananja in der Bocal- und Ethan Exrachi, ein Sohn Aßaiä, in der Instrumentalmusik besonders hervor. Wenn David sich nicht schämte, ein vortrefflicher Harfenspieler zu sein, so machte sicb Salomon, der seinem Bater David im Jahre 2930 in der Regierung nachfolgte, eine Ehre daraus, für den besten Sänger seiner Zeit gehalten zu werden. Als er sich mit der Tochter des egyplischen Königs Vaphres vcrmälie (2932), so dichtete er selber auf dieses Fest das erhabene Brautlied, welches uns die heiligen Bücher unter dem Titel des hohen Liedes aufbehalren haben. Es sind viele von den alten Homilelen der Meinung, daß dieses Stück musikalisch aufgefnbrt worben. Wir müsien das Wort musikalisch ungefähr so nehmen, wie es bei der Aufführung dramatischer Werke von den alten Griechen genommen worden. Der Ursprung von dergleichen Borstellungen ist in Egypten zu suchen, von wo selbe sowohl nach Palästina, als nach Griechenland gekommen; und von den Griechen haben sie endlich die Römer erhalten. Es ist um so viel glaublicher, daß das hohe Lied musikalisch aufgeführt worden, weil Salomon seine bechndere Hofcapelle unterhielt, die aus Personen bestand, die mit der nach davidischer Art angeordneten Kirchenmusik nichts zu thun hatten. »Ich schaffte mir Sänger und Sängerinnen, ״sagt er im zweiten Kapitel des Predigers,/ und Wohllust der Menschen, allerlei Saitenspicl*. Daß aber das hohe Lied eine Art von Drama, und zwar ein Schäferstück sei, in welchem unter den allegorischen Personen eines Schäfers und einer Schäferin, das Brantfest Salomons vorgestellt wird, beweist ein ehrwürdiger Kirchenlehrer der ersten Zeit ans dem Inhalte und dessen Ausführung. Hier ist der Inhalt: Ein Prinz, der in der Gegend des Berges Libanon, welcher nicht weit von Jerusalem war, jaget, sindet daselbst eine Jungfrau, welche, nach der Gewohnheit damaliger Zeiten, die Weinberge und Schafe hütete. Sie beklagt sich gegen ihre Gespielinnen über die Härte ihrer Brüder, die, da sie von selben die Weinberge zu hüten genötbigt worden. Ursache wären, daß sie ganz verbrannt von der Sonne und nicht so schön als sonst wäre. Den jungen Prinzen bezaubert die Schönheit der Jungfrau, welche bei ihrem verbrannten Gesichte dennoch eine sehr wvhlgemachte Perlon war. Er begehrt sie zur Gemalin und versvricht ibr kostbare Geschenke und ein seiner Geburt würdiges Glück, wenn sie sich leinen keuschen Trieben überlassen will. Der Antrag des Prinzen entzückt die Jungfrau dergestalt, daß sie, als wenn sie vom Weine trunken wäre, eine angenehme Mattiakeit empfindet, und in eine Art von Ohnmacht fällt, wetzwegen sie ibr: Gespielinnen zu Hilfe ruft, um sie mit Blumen und Früchten zu erquicken. Da sich diese Mattigkeit in einen ruhigen Schlaf verwandelt, so befiehlt der Prinz den zu Hilfe kommenden Schäferinnen, seine Schöne ruhen zu lassen und sie nicht anfznwrcken, währendderzeit er sich wegbcgibt, um seine Jagd zu verfolgen. Die Schäferin kömmt wieder zu sich selbst, und voll von den Empfindungen, die ihr dieser angenehme Schlummer verursacht, glaubt sie, daß der Prinz noch zugegen ist. Sie sucht ihn auf dem Raseubette, worauf sie geruht und gleich, als wenn sie den ihn begleitenden Chor Jäger vor sick sähe, ersucht sie selbe, die Füchse wegzujagen, die die ihr anvertrauten Weinberge verderben. Da sie endlich von ihrem Jrrthnm zu sich kömmt und den Prinzen nicht mehr gegenwärtig findet, so siebt sie aus und sucht ihn in den benackbarten Dörfern. Sie findet ihn daselbst und geht nicht von ihm, bis daß sie ihn in das Hans ihrer Mutter gebracht. Mit nichts äls ihrer Leidenschaft und dem Bilde des Prinzen beschäftigt, entfernt sie sich von ihren Gespielinnen, um sich ungestört in ihren angenehmen Gedanken zu unterhalten, während der Zeit die anderen Schäferinnen den prächtigen Auszug des Prinzen bewundern. Der Prinz kommt dazu, und ganz durchdrungen von der Schönheit seiner Jungfrau, die ec nur auch noch im Borbei gehen gesehen hat, macht er eine Beschreibung davon, und vergleicht ihre Augen mit Tanbenangen; ihre Haare mit den zartesten Ziegenhaaren; ihre Zähne mit den Zähnen der Schafe, die weißer als Elfenbein sind, und ihre Lippen mit Purpurschnüren; und um das Vergnügen zu baden, diese Schäferin öfters zu feben, ladet er die Bewohner dieser Gegend und dis Gespielinnen der Salamith ein (das ist der Name der Schäferin), ihre Heerdcn auf den Hügeln Sions zu weiden, dessen benachbarres Thal wie ein verschlossener Garten ist. Da die Nacht herbeikommt, klopft der Prinzan die Thür der Sulamith, die sich schon zur Ruhe begeben hatte. Sie macht Umstände, ihm selbe zu eröffnen, weil sie schon zur Ruhe wäre, und, um sich desto besser bei dem Prinzen zu entschuldigen, sagt sie, daß sie nicht im Stande ist, seinen Besuch anzunehmen. Er fährt fort zu bitten, ihm aufzumachen, weil er der kühlen Nachtluft ausgesetzt wäre, und da sie nicht weiter antwortet, so geht er von dannen. Mittlerweile steht die Schäferin aus und, nachdem sie sich in ihre Kleider geworfen, so eröffnet sie die Thüre. Sie findet den Prinzen nicht mehr, den sie durch ihre Verweigerung erzürnt zu haben glaubt; sie geht aus und sucht ihn. Sie begegnet den

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