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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-10-26 · Heft 36 (26.10.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 36 (26.10.1883)
Date
1883-10-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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s — wir erhalten auf Liefe Weise einen reizenden Strauß für unser Gotteshaus. Darunter sind die anmuthigsten Blätter und Blüthen, die mit ihrem süßen Duft die heiligen Räume erfüllen und gar manchen Kummer in unserer Brust stillen. Auch den Männern können wir unseren Dank und Anerkennung nicht versagen, die so wesentlich zum Gelingen dieses Unter, n^hmens beigetragen haben und deren Geistesproducte den Stempel der Vollkommenheit an ihrer Stirn tragen. Zwei Tonkünstler sind es namentlich, die inAmein Herz ich geschlossen habe. Beide componiren und wirken unverdrossen und erzeugen nur edle Sproßen. — Der Eine ist ihnen längst wohl bekannt — Der gefeierie Name ,Grünzweig" wird überall in Ehren genannt. Der Zweile ist ein ausgehender, bell leuchtender Stern ersten Ranges, ein wirklicher -׳))leister des Gesanges. — Ich meine Herrn Ed. Birnbaum (Königsberg), der weithin sein junges erfrischendes Laub entfaltet; er ist der würdige Nachfolger des großen Wein!raub. — Auch uns bat Herr Birnbaum mit einem köstlichen Blatt und einigen süßen Geistessrüchlen beehrt —- und unsere Musikbeilagen mit einem Schatz bereichert. — Sein לכה חדי ist ein wahrer Juwel; seine 7,k«äll86sta" überströmt von heiliger Inbrunst. Seine herrlichen Lieder klingen mächtig wieder in unserer Brust. — Den Herren Grünzweig und Birnbaum aber wollen wir aus vollem Herzen unseren Dank zollen, mögen sie sich auch ferner, emporschwingen und noch viele heilige Lieder zum Lobe des Herrn singen. A. Zadeck. Kleine LI)r«1»iI>. Merlin, 17. Oetober. Professor Virchow hielt gestern anläßlich der morgen beginnenden Wahl der Stadlvertretung in Sommer's Salon im Centrum des Westviertels eine bedeutende Rede für die liberalen Candidaien, aus welcher folgende Sätze hervorzuheben sind: Es ist ein Armuthszeugniß ersten Ranges, Laß die Bürger- Partei jetzt nur mit dem reinsten Antisemitismus austaucht, sie hat gegenwärtig nichts weiter als die Wuth gegen die Juden. ״Wählt keinen Juden/' so heißt es in ihrem Flugblatte. Was hat man den Juden in der städtischen Verwaltung eigentlich Schlechtes nachgewiesen? Ihr ganzer Fehler liegt darin, daß sie überhaupt da sind (Zustimmung), daß sie Geld und Geist haben! Man möchte ihnen Alles abnehmen, um sagen zu können: Seht, was wir für große Männer sind! (Lebhafter Beifall.) Man könnte ja jeden einzelnen Juden, der in der Stadtverwaltung sitzt, fragen, was er denn Schlechtes gethan habe, und es würde nichts weiter herauskommen, als daß sie ganz vortreffliche Leute sind, und ich kenne keinen Juden in der städtischen Verwaltung, den ich missen möchte. Schon im vorigen Jahrhunderr hat sich das Judenthum in Preußen entwickelt, dessen bester Repräsentant Mendelssohn war. (Lebhafte Zustimmung.) Die Gebrüder Humboldt haben ihre besten Beziehungen gerade mit Juden gehabt und sind in jüdischen Familien erzogen worden. Das ist eine gute Tradition in der Geschichte unseres Volkes, wo das Berliner Judenthum eine hervorragende Stellung eingenommen hat. Es ist vergeblich versucht worden, einem der Juden, welcher an der städtischen Verwaliung theilgenommen hat, nachzuweisen, daß er schädlich gewirkt hat. (Sehr wahr!) Aber bei jener Partei ist Alles, was liberal ist, an sich schon jüdisch. Daß mit dieser Gesellschaft, deren hervorragende Führer nur schreien: »Haut den Juden!" ein wirklich conservativer Mann nicht gehen kann, liegt aus der Hand. Die Armseligkeit und Hilstosigkeit dieser Partei läßt weiter nichts zu als das Geschrei ,Haut den Juden!" Es ist wunderbar, wie ein solcher Gedanke sich noch breitmachen kann; man kann daraus nur schließen, daß das keine Partei sein kann, welche irgend einen Anspruch aus D aner und auf Zukunft hat. (Beifall.) Daß große Staatsmänner denen es nicht darauf ankommt, welche Canaille sich ihnen widmet, auch die Antisemiten daran lassen, ihnen die Schuhriemen aufzulösen, das kann man verstehen; aber niemals werden diese Leute irgend einen Einfluß aus die Gesetzgebung und den Gang der Ereignisse auszuüben im Stande sein. (Lebhafter Beifall) Die Gesellschaft ist jetzt schon abgetban. und man kann wob! sagen, nie ist eine Partei schon vor der Wahl so geschlagen worden, wie diese sogenannte Bür» gerpartei. (Lebhafter Beifall.) Wien. Der bundertjäbrige Geburtstag Sir Moses Montesiore's wurde auch im Stadtleinpel der israel. Cullusgemeinde; sowie in der Synagoge der biesigen türkischen Israelitengemeinde feierlich begangen. Während des Gottesdienstes wurde in beiden Tempeln zu Ehren deS Jubilars ein Mischebei-ach vorgelrazen. Da, wie wir vernehmen, in mehreren Provinzgemeinden nachträglicb eine Mon efiore-Feier stattsinden wird ,veröffentlichen wir im Nachstehenden beide Mischeberach. Die Scblußverse des ersten, welcher im Staettempel vorgetragen wurde, sind von Obercanror Singer in Musik geletzt worden und wurden vom Cborpersonale trefstich zur Ausführung gebracht. בשם ראשי ומנהיגי עדתינו ובשם כל אנשי קהלתיני׳ והכלל לה׳ אלהינו בלב שלם ובנפש הפיצה. מי שברך אבותינו אברהם יצחק ויעקב׳ משה רבינו ואהרן הכהן, דוד המלך ובנו שלמה, הוא יברך את השר הגדול בישראל זקן ונשוא פנים׳ מורנו רב ר׳ משה מונפדפייורי שמלא היום מאה שנים _ לשנות חייו׳ בעבור שנסע ■מצרימה לקרוא לשבויים דרור־ולאסורים פקח קוח־והלך ירושלימה לנחם אבלי ציוץ ולהחיות העניים האומללים הלך ונסע מזרחה ואפריקא שלוחא דרחמנא לטובת Wa .Europa וצפונה בחלקי הארץ עמו ולכבוד ישראל, והיה לאחיו לפה ולמליץ לפני מלכי ויועצי ארץ־גדול ליהודים ורצוי לכל אחיו השר הגדול בישראל מורינו רב ר׳ משה מונטעפייורי. ה״ק״ב״ה יחיהו וישמרהו ויהוקהו ויוסיף לו שנות חיים וברכה ושלום ושלוה וישמח את לבו בשמחת תורה •עם כל אחיו בני ישראל ונאמד אמן. אמן. ואמן. מי שברך אבותינו אברהם יצחק ויעקב, משה, אהרן דוד ושלמה הוא יברך את הישיש הישר באדם, דורש טוב לכל בני ישראל אחינו מטיבם ואיש חסדם׳ עומד בעת צרתם ומביט בעין המלה על ענים ומרודם. הלא הוא השר וטפפר החכם פיר משה מונטיפייורי אמץ. מלך מ״ה ברחמיו ישמרהו ויחייהו אמן. ומכל צרה ונזק יצילהו׳ אמן. וכאשר זכה היום הזה למלאת מאה שנים כשנות דור תמים, •כן יאריך ה׳ עוד ימיו בטוב ושנותיו בנעימים׳ אמן. בימיו ובימינו תושע יהודה וישראל ישכון לבטח כל הימים׳ וכן יהי רצון ונאמר אמץ. - Andrychan, den 25. Oetober 1883. Die ״Oesterr.-ungar. Cantorenzeitnug hatte zu wiederholten Malen Gelegenheit, aller der College» in öffentlicher Kundgebung zu gedenken, denen von der Vorsehung das seltene Glück beschieden ist, in einer und derselben Geweinde ein 25- oder gar ein mehrjähriges Amtsjubiläum zu feiern. Wenn eine solche Manifestation bei Cantoren von Beruf alle Collegen mit hoher Befriedigung erfüllt, um wie viel bemerkenswerther ist es, eines Mannes zu gedenken, der keineswegs aus Berufspflicht, sondern lediglich aus Liebe zur heiligen Sache seit 50 Jahren die schwere Function eines Vorbeters versieht. — Herr Moritz Unser, Generalpächter der Bobrovhskyschen Landwirthschaft und Propination, dessen eigentliche Lebensaufgabe demnach die Oeeononne re. war, hat es sich zur zweiten Lebensaufgabe gemacht, gewisse heilige Amtsaus- Übungen aus freiem Antriebe, nicht nur unentgeltlich, sondern sogar mit eigenen, materiellen Opfern zu verrichten. — Ein Philantrop, in des Wortes edelster Bedeutung, versieht er seid Decennien die heilige Wirksamkeit eines מוהל und sein מוהל Buch-zählt bereits nach Tausenden; — außerdem versieht er in der , heiligen Synagoge

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