Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 36 (26.10.1883)
- Date
- 1883-10-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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kernige, kräftige und wuchtige Gestalt und treten gleichsam mit einer gewissen gravitätischen Grandezza aus, wie es ja den Orientalen eigen ist, stolz und verschlossen, scheinbar phlegmatisch und unnahbar, zugeknöpft und zurückbaltend einberzuschreiten; .jeder Einzelne hat Kopf und Herz, ist ganz erfüllt und durchdrungen von seiner Existenzberechtigung. Während bei heidnischen Völkerschaften, deren Hauptgenuß und vorzügliches Vergnügen in den להשמיד ולהרג ihrer Gegner, seien es nun feindlich gesinnte Menschen, oder schädliche, manchmal sogar nützliche Tbiere, vor Zeiten bestand, in Jagden Schlachten und Kriegen, wie es in diesem Sinne mit Recht im Talmud heißt: טוב שבגויים׳ הרגdementsprechend ihre Schriftformen einen überwiegend spitzigen, stechenden Charakter batten׳ wie im Gothischen 2c-, finden sich im Hebräischen hingegen nur äußerst wenige Buchstaben naw Art eines Dolches, Beiles oder Kolbens; nur p, T, 1 und die Modificirung der vier Schlußbuchstaben נ צ. פ ל erinnern an die Speer- oder Schwertform. Von dem kleinen י läßt sich mit einer kleinen Variation der Vers gebrauchen הקטן גלול הוא!"IT und symbolisirt dieser so unscheinbare, bescheidene Buchstabe seinen Namensträger, das israel- Volk, welches gleich ihm unverwischbar und unverwüstlich seinen Platz auf den Blättern der Geschichte einnimmt und den- ׳selben keinem anderen Volke einräumt, wenn es auch einräumt und zugestebt, daß das ihm vermöge seiner Assimilirungsfähigkeit, seines unersättlichen Dranges nach Erkenntniß der Wahrheit und seines:kosmopolitischen, dem Allgemeinen zugeneigten Wesen am -meisten verwandte ״Volk der Denker" unter den Nationen des Abendlandes bevorzugt und auserwählt ist, womit den anderen Völkern Europa's ihre Verdienste für die Verwirklichung der Ideen des Fortschrittes, der Freiheil und des Friedens nicht ges ch m ä l e rt werd c n so ll e n. Dieses unansehnliche, unbedeutende י, welche Wichtigkeit und Bestimmung bat es erst in grammarikalischer Hinsicht, sei es zur Bezeichnung des Feminimums, des Futurum, als Prä- und Suffix u. s. w., was uns hier eigentlich weniger beschäftigt. In ähnlicher Weise .wird einst dem israel. Volke, trotz seiner quantitativen Kleinheit, die ihm geziemende Stellung im Bunde der Menschheit und der bürgerlichen Gesellschaft sicherlich eingeräumt werden. Doch, daß es/ dahinkomme, müssen wir hiezu Alle thätig und kräftig Hand an's Werk legen und dürfen nicht muffig und mit fatalistischer, thatenlol'er Ergebung ruhig in den Tag hineinleben, auf die bloße Macht des Zeitgeistes vertrauend; vielmehr muß er Geist der Thora uns insgesammt erfüllen und erfassen, die leider in unserer Zeit מוגהת בקרן זוית fast ganz bei Seite geschoben wird, so daß die אותיות ©דהו׳ באויר die einzelnen Theile des Jndenthnms zerfallen und verfliegen und zerstieben und sich verflüchtigen, weil das einigende, geistige Band fehlt. .און לגו שרר רק התורה הזאת Nur im Beharren bei den uns congenialen und congruirenden Formen unserer Religion liegt unser Heil und unsere Hilfe für die Zukunft, wie schon unsere althergebrachte Schrift, Zähigkeit. Geradheit und Ausdauer im Verfolgen des Zieles — Festigkeil und Standhaftigkeit uns vor- ,zeichnet. Und wie es da keine verschlungenen, verschnörkelten und verschrobenen Formen gibt, so müssen auch wir alle krummen Wege meiden, alles Ueberladene und Uebertriebene fernhalten, avie ja auch unsere Bauart, de! Styl unserer Gesänge durch -edle ׳Einfachheit .hervorragten, wenn auch, wie in der Curfivschrist, die Ecken und Kanten, das Rauhe und Unebene im Umgange und .geselligen Verkehre möglichst abzeschliffen und abgerundet gefälliger gemacht werden darf und soll; nur darf hiebei mnsere .Ureigenart nicht aufgegeben und gänzlich hingeopfert .werden, nämlich .das solidarische Zusammenstehen und feste Zusammenhalten im Geiste der Bibel, das ist der Geist der Moral und Humanität, der Gottäbnlichkeit und des Gottesglaubens muß für alle Zeiten, für uns und unsere Nachkommen, ja für die ganze Menschheit bewahrt und forterhalten werden! כיי לא תשבה .מפי זרעם Znaim, im Tischri 5644. G r ü n. Zum Beginne des neuen Jahres. Wenn diese Zeilen von unseren verehrten Amtsbrüdern gelesen werden, so werden sie bereits etwas leichter aufathmen, in dem frohen Bewußtsein, daß die schwerste Zeit für uns Alle vorüber ist, und wenn wir auch wissen, daß diele ימים מראים mit ihren Leiden und Freuden, mit ihrem Fasten und Lasten nach Ablauf eines Jahres ihren feierlich-ernsten Einzug wieder bei uns halten werden, so haben wir doch viele Monate, in denen wir uns erholen und stärken und neue Kräfte sammeln können zu neuer Arbeit, zu frommer Thätigkeit. Ja, es war eine aufregende, sturmbewegte Zeit, dieser heilige Monat Tischri, der uns Cantoren nicht zur Rübe kommen ließ. Allein, auch viel Angenehmes und Schönes haben uns die Tage der Mühe und Anstrengung gebracht und dadurch unseren Mnth und unsere Ausdauer aufgerichtet und angssachl. Diese heiligen fnrchterweckenden Tage fallen in eine Jahreszeit, wo jeder Baum seine Zierde verliert, Stürme und Regengüsse oft sich einstellen. Ein eisigkalter Wind, welcher besonders um diese Zeit so gefahrdrohend für unser zartes Stimmorgan ist, braust mit vernichtender Gewalt — über Stadt, Feld und Wald. Im Garten ist's öde und schaurig — Pflanzen und Sträuche grüßen uns traurig; ^ihre Blätter find fahl und gelb und fallen todt und lautlos zur Erde nieder; sie strecken ihre Zweige und Aefte wie flehend zum Himmel empor! Der Blumen, schmuck ist verschwunden; die Rosen sind verblüht und duften nicht mehr. — Die musikalisch gebildeten Vögel, die genialen Vorsänger der gestederlen Welt, die uns noch vor nicht gar zu langer Zeit durch ihren herrlichen Gesang so hocherfreut, sind nun betrübt und zerstreut: ihre Lieder, die so reizend gesungen haben, sind verklungen. — Um io freudiger ist nufere Brust bewegt, wenn wir in unserem Garten spazieren gehen und unseren heil. Weinberg ברם ד «גבאות besteigen; da erblicken wir zunächst die wackeren Gärtner — wie sie rastlos schaffen und streben — wie sie flechten und weben — himmlische Rosen in's irdische Leben! — die in uns entzündeten den Hoffnungsschimmer — sie ruhen nimmer! — Hier erblicken wir Bäume, deren Kronen — der Sturm muß verschonen. — ״Palmen gleich blühen sie. wie die Ceder des Libanon ragen sie empor — wie kein anderer zuvor. Gepflanzt im Hause des Ewigen, in den Höfen unseres Gottes blühen sie, noch im Greisenalter sproßen sie. werden markig und belaubt sein." (Ps. 92.) Und unsere ,,Blätter" — s i e welken nicht dahin mit dem Scheiden des Sommers, sondern blühen und gedeihen auch im strengsten Winter und erfreuen unser Auge durch ihr frisches, saftiges Ginn. — Zn diesem Garten steht nun eine prächtige Laub.׳, wo unsere Brüder Erholung und Erquickung, Trost und Heilung für ihre Herzens wunden gesucht und auch gefunden haben! Za Ihre Laube ist bereits vollendet und reichen Segen spendet sie Allen, welche einziehen in ihre heiligen Hallen. Wissel Ihr, liebe Brüder, was für eine Laube ich meine? Es ist dies der Oesterr.-ung. Caiuorenverein. Eine schöne, erfreuliche Aussicht öffnete sich uns allen, seitdem es der geehrten Red. gefallen, uns mir Musikbcilagen zu laben, welche wir als die lieblichste .Frucht" begrüßen. Denn