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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-10-10 · Heft 35 (10.10.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 35 (10.10.1883)
Date
1883-10-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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— S — mehr ist es zu verwundern, und scheint bloß eines der Erzeugnisse der unruhigen Neigung, überall und Alles möglichst zu übertreiben, wenn Componisten die: Sänger oder Virtuosen oft in hohe und nicht selten in die höchsten Töne, auch in Stücken, die Anmuthiges ausdrücken sollen, Hinauftreiben, da doch dieses recht eigentlich seinen Sitz in der mittleren Region jeder Menschen- oder Instrumenten-Simme hat; wenn mehrere, sonst sehr geschickte Orchester ׳fast nur ein Fortissimo und Pianissimo haben, da doch das Anmuthige sich eben in dem bewegt, was zwischen beiden inne liegt, und da dies, verlangt, daß die Uebergänge, sogar das Hervorheben einzelner Stellen und einzelner Noten (sforzando), in diesem mittleren Gebiete gemildert und keineswegs so behandelt werden, wie in Stücken, die das Große ausdrücken — und was mehr von dergleichen, hier zweckwidriger Verwendung der Mittel der Tonkunst jetzt vorkommt. Das Gebiet des Anmuthigen und Lieblichen ist sehr weitumfassend, so daß es sich unter mehrere Zonen und Klimata, bis hinauf an die Grenzen des Erhabenen und hinunter an die Grenzen des bloßen Sinnenreizes, ausdehnt, und diesem nach in seinen Erzeugnissen die verschiedensten Mischungen und Abstufungen annimmt. Dürfen wir auch hier zur Verdeutlichung die Malerei zu Hilfe nehmen, so erinnern wir an die Abstufung z. B. einer Madonna Raphaels, wo er sie nicht als Himmelskönigin, sondern nur als liebende Mutter darstellt, zu einer Carita Correggio's, dieser, zu einer Magdalena Guido's, dieser, zu einer Galatea Albano's, dieser, zu einer Magdalena Battoni's — und so weiter herab: sämmtlich Gegenstände des Anmuthigen und Lieblichen, sogar geschlechtsverwandt; und doch, welche Verschiedenheit! So nun auch in der Tonkunst, und überall. —In dem weitesten, ergiebigsten und zugleich freundlichsten Gebiete siedeln, sich allerwärts die Meisten an; und .so auch in diesem Gebiete der Tonkunst. Für das, was, wenn auch im Grundcharakter dasselbe, so höchst verschieden modificirt ist, sind nun auch die Ausdrucksmittel, zwar nicht der Beschaffenheit, wohl aber der Anwendung nach, sehr verschieden. Und so finden wir es auch bei den vorzüglichsten Componisten jeder, am maunigfaltigsten aber und gewähltesten, der neueren und neuesten Zeit; denn es ist wohl nicht zu verkennen, daß, wie die späteren Tonkünftler den früheren im Erhabenen und Großen, so jene diesen im Anmuthigen und Lieblichen den Vorrang einränmen müssen. Einzelner Beispiele, bei etwas, das Jeder vernimmt und zur Hand haben kann, bedarf es nicht: so möge hier nur auf wenige, nur im Allgemeinen, und nur aus den allerbekanntesten Werken, hingedentet werden. Was -Instrumentalmusik anbelangt, so denkt Wahl der Leser, ohne uns,: zunächst an nicht wenige der Mittelsätze in Joseph Haydns Quartetten und Symphonieen; in Mozart's Trios und Quartetten; in Beethoven's Trios und Quartetten aus früherer Zeit, und aus späterer, an die hieher gehörenden Stücke seiner Musik zu Göthe's Egmont, an sein Andante der Symphonie aus O-dur, der Symphonie ans A-dur. Gibt es doch nichts Schöneres, nichts, auch hinsichtlich auf die angewendeten Mittel, Vollendeteres in dieser Art und diesem Bezirk der Musik; innerhalb desselben aber zugleich, welch' eine Mannigfaltigkeit und Verschiedenheit! — Was aber den Gesang betrifft, so erinnert sich der Leser, mit uns, wohl am liebsten — an den Ausdruck heiliger Liebe in Mozart's Recordare und Benedictus des Requiem; feuriger Liebe, bei Cherubim (namentlich in den hieher gehörenden Stücken des Wasserträgers), schwärmerisch-zärtlicher, bei Mozart (namentlich in den hieher gehörenden Stücken des Figaro), inniger, doch milder, bei Salieri, (namentlich in den hieher gehörenden Stücken des Axur), der /kommen, zart sich hingebenden, bei Maria von Weber (namentlich in den Arien der Agathe des Freischütz), frischer, sinnlich belebter, bei Cimaroso (namentlich in den hieher gehörenden Stücken des Matrimonio segretto) u. f. w. Aber, neben Anderen, die hier gleichfalls mit Ruhm zu nennen wären, dürfen wir am wenigsten vergessen eines Meisters, der eben hier, und zwar in der Region natürlich einfacher, sanfter, andächtiger, demüthiger Anmuth und Liebe seine schöne Heimat hat: Naumanns nämlich, in den hieher gehörenden Stücken seiner Messen und Oratorien, seines Vater-Unser (nach Klopstock) und anderer Werke. — (Schluß folgt.) Erinnerungen an meine Meschorerzeit. (Fortsetzung.) Unter vielen Unterhandlungen zwischen den beiden Witwen, welche das kleine Häuschen bewohnten, und nachdem Schloimele all' seine Ueberredungskunst aufgeboten hatte und, ganz absehend von seiner Person, das Mitleid der alten Weiber vergebens rege zu machen versucht hatte, indem er darauf hinwies, daß das Züngele doch nicht bei dem gräßlichen Unwetter im Freien verweilen könne, war die Nacht hereingebrochen und jetzt erklärte Schloimele energisch, daß ihn keine Macht der Erde mehr bewegen werde, das Haus zu verlassen. Gegenüber dieser Erklärung mußten sich die Frauen in das Unvermeidliche fügen, und wir zogen triumphirend in die warm geheizten Zimmer ein- Im ersten Zimmer, das wir nun betraten, stand rechts, zwei Schritte von der Thüre, ein großer Kachelofen, und um diesen herum befand sich eine 12 Zoll breite Bank. Letztere gewährte die Annehmlichkeit, daß der Sitzende sich den Rücken an den warmen Ofenplatten erwärmen konnte. Wir hatten sofort die Bank in Beschlag genommen, um die wohlthuende Wärme vollauf genießen zu können. Wir mochten beiläufig eine halbe Stunde gesessen sein, als Mindl ein Päckchen Stroh in's Zimmer brachte und dasselbe neben der Bank in der Nähe der Thüre, die in's zweite Zimmer führte, auf die Erde niederlegte. Sie streute es der Länge nach aus und brachte ans der zweiten Stube einen Polster mit der Bemerkung: Legt Euch den unter den Kopf und mit Eurem Mantel deckt Euch zu. Eine derartige Zumuthung an das Mäntelchen mußte jedenfalls als Kühnheit angesehen werden, doch wir dachten an das Unwetter, das draußen tobte, und waren mit Allem zufrieden. Ich schob mich zwischen dem Stroh und Ofen recht fest an den letzteren, weil er mir Wärme gab und hoffte bald so ruhig und angenehm wie auf Eidcrdunen zu schlafen. Schloimele stopfte sich vorerst noch ein Pfeifchen, dampfte bis gegen 8 Uhr recht fleißig d'rauf los, dann überkam auch ihn der Schlaffer entkleidete sich und legte sich nieder, freilich nicht so sehr'befriedigt wie ich, denn das Mäntelchen reichte ihm kaum bis an dis Knie. Da, es dürfte ungefähr 9 Uhr Abends gewesen sein, machten sich die beiden Weiber etwas in unserem Zimmer zu schaffen; sie brachren nämlich ein rundes Schaff, um Sauerteig darin anzumachen, hierauf mischten sie mit demselben die entsprechenden Quantitäten Mehl und Wasser derart durcheinander, bis der ganze Brei gehörig vertheilt und klebrig gerieben ward. Damit jedoch der Prozeß der Gährung rascher und intensiver vor sich gehe, stellten sie das Brodschaff auf die Ecke der Bank vor dem Ofen und legten ober- und unterhalb des Schaffes einen Kopfpolster, denn die Wärme befördert den Gährungs-

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