Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 34 (2.10.1883)
- Date
- 1883-10-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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meinden machen da sehr Mte Geschäfte, denn sie haben einen , Cantor und einen Gemeindesecretär, der sie keinen Kreuzer j kostet. — (Schluß folgt.) Der Driestersegen in Israel. Eine Betrachtung von Siwott Aiawant, Oberlehrer in Austerlitz. Ueber die Pflege und Erhaltung des Gesanges, über dessen Bedeutung für unseren Gottesdienst, dessen Weihe und Veredelung ein Wort verlieren zu wollen, wäre wahrhaft überstüssig. und hieße, nach einem alten Sprichwörter .Eulen nach Athen tragen". Aber, tritt uns die Bedeutung des Gesanges, namentlich an den hoben Feiertagen so recht vor die Seele, so lenkt sich auch unwillkürlich unsere Aufmerksamkeit auf einen anderen integrirenden Bestandiheil der gottesdienstlichen Feier an derselben; ick meine, die einer mehrtausendjährigen Tradition entsprießende Ceremonie, die den Abkömmlingen des aronidischen Stammes obliegende Segensertheilung. Wir sind es leider gewohnt, in unterer realen, alles nivellirenden Zeit. die über so manche ehrwürdige Institution schonungs-, los hinwegrauscht, sie in ihren Wellen begrabend, zu erfahren, wie so mancher religiöse Brauch gemächlich negirt wird und so ergeht es auch — dem altehrwürdigen Dachau I Wir woslen hier keineswegs über Ursprung und Fort- Pflanzung dieser erhebenden Ceremonie in Israels Mitte sprechen und überlassen dies gerne beredteren und gelehrteren Forschern auf religiös-historischem Gebiete, jedoch die Ueberzeugung können wir mit vollster Berechtigung aussprechen und kühn behaupten, daß das Zudentbum an und für sich ein Glaube ist, welcher Licht, Helles, klares Licht, Aufklärung, ein Sichlossagen von leeren, starren, geistesbeengenden Formen lehrt. Die jüdische Religion bedarf keineswegs eines Vermittlers, der uns den himmlischen Segen gleichsam indirecr brächte.-Schon eine alte Midraschstelle läßt Israel zu seinem Gotte sprechen:') ,Wellvater!" Warum ertheiltest Du ,den Priestern" den Auftrag, uns zu segnen? Genügt uns ja Dein göttlicher Mund, der da durch die Patriarchen, durch Mose und alle Propheten uns den ewigen, nie versiegenden Segensborn erschloß und verhieß: ,Werde zum Segen!" Ist es ja Israels Devise, sein Motto und Beruf, Segen und Aufklärung zu verbreiten, das himmlische Licht der heiligen Gotteslehre leuchten zu lassen durch den Lauf der dahinrollenden Jahrhunderte? Und dennoch, wenn wir jenen Vers in dieser Gotteslehre, welcher es den Abkömmlingen zur Pflicht und Norm macht, an hohen Festtagen den Segen zu ertheilen, näher betrachten und einer eingehenden Würdigung unterziehen, so werden wir die hochwichtige Bedeutung dieser Ceromonie kennen lernen, und Zwar in dem Hochgefühle der Göttlichkeit, welche diesen Segens- Worten innewohnt. Wir finden die ganze Tragweite derselben in dem kurzen anspruchslosen Wörtchen כה concentrirt.2) O, und welche herrliche Geistesperlen haben unsere Alten in diesem nur zwei Buchstaben umschließenden Wörtchen gefunden! 0 אמרו ישראל לפני הקב‘ה רכון העולמים לכהנים אתה אומר שיברכו אותנו, אין אנו צריכין אלא לברכותיך, ולהיותנר מתברכי־ץ מפיך ההד השקיפה ממעון קדשך וגר א״ל הקב״ה אע״פ שאמרתי לבחנים שיהיו מברכים אתכם, עמהן אני עומד ומברך אתכם. ג) כה תברכו מסר להם הקב״ה הברכות לכהניים במתנה שיהא כה בידם לכרך את ישראל — כה תברכו וגר. 2) So sollet Jbr Priester den Segen ertheilen: in der heiligen Sprache; in jener Sprache, die der Herr am Sinai geredet; in jenen unsterblichen Lauten, in welchen die ewigen Gesetzbücher der Menschheit, ihrer Cultur, ihrer Entwickelung, ihres Bestrebens und Gedeihens geschrieben wurden. 4) So sollet Ihr Priester den Segen ertbeilen aufrecht — im Gefühle jenes göttlichen Bewußtseins, welches die Abstammung von Deinem Urahn Aron, dem Ideale wahren, unverfälschten Priesterthums verleiht! So sollet Ihr segnen: Mit lauter Stimme!^) Werfen wir einen flüchtigen Blick auf den Nationalitätenkampf, der unser Vaterland durchzuckt; sehen wir, wie jede Nation, jedes Natiönchen, jede noch so winzig kleine Race ihre Abstammung und nationale Entwickelung, deren Ergenrhümlichkeit wahrt und vertheidigt — nur der Jude, der doch eigentlich der älteste Adelsträger in religiöser Beziehung unter den Völkern des Erdballs ist, dessen Stammbaum in! fernen Asien wurzelt, dessen Ädelsdiplom mit Flammenschrift am Sinai geschrieben in jenen unvergänglichen Lettern 6), die durch dis Welt leuchten werden, so lange sie bestehen wird; der Jude, der von der mächtigen Hand des Schicksals selber zum Ritter geschlagen wurde, dessen Wappen:- Adonai; beffen Geschichte die rühmreichste unter den Völkern, dessen Tradition bis in. die graue Urzeit des Wellcnursprungs reicht: —---- er vergißt so oft seine edle Herkunft und Abstammung, wirft so manche Erinnerung, die-ihn an seine Nationalität mahnt, hinter den Rücken, löst oft selbst das schwache, lockere Band, das ihn noch an seine Väter, an seine Geschichte knüpft — d'rum nein! So sollt Ihr segnen! ,Mit lauter Stimme" freuen sollst Du Dich, Abkömmling der Arouiden, wenn Dir nur der Schatten Deines einstigen Glanzes geblieben; Freude soll Deine Brust schwellen bei dem bloßen Gedanken, daß Du dem Zweige eines Stammes angehörest, den Gott einst erkoren, auserwählt und berufen, ihn -zu-preisen, in lieblichen Chören, ihm zu lobsingen, auf den heiligen Altären Zions zu opfern; einem Stamme, von welchem der größte aller Propheten bei seinem Scheiden rühmt i7) .Der um seines heiligen Berufes willen‘ die zarten Bande der Familie denen der -Religion nachsetzle! 8) 01) sollet Ihr segnen! »Von Angesicht zu Angesicht!"! Freuen tollen sich ״Segnende und Gesegnete", daß sie die schöne, herrliche Festeszeit erlebt, daß sie wiederum vernommen wird jene tausendjährige Segensformel von Angesicht zu Angesicht, wie ein Bruder gegen den Anderen, nicht als ein bevorzugter Stand von Segnenden; sondern mit dem Bewußtsein, daß wir Alle gleich vor dem Herrn sind; mit gehobenem, begeistertem Gefühle sollen jene Worte gesprochen werden, die der Zeiten Lauf ehrwürdig gemacht, der Jahrhunderte Ströme geweiht, unzählige Generationen mit Pietät vernommen, leidende Geschlechter getröstet, Unglückliche aufgerichtet, Verzweifelnde erbaut; Worte« die sich wie eine Blumenkette hinänwinden in das Sonnengebiet der Ewigkeit! Darum wollen wir die schöne und erhebende Ceremonie des Priestersegens begehen mit jener Andacht, welche sie dem gläubigen Gemüthe wirklich eiuflößt! Möge uns der göttliche Segen geleiten durch's neue Jahr! 3) כה תבדכו כלשון הקדש. 4) בעמידה.׳ 5) בקול רם. , °) והלחות מעשי אלהים המה והמכתב מכתב אלהים הוא חדות על הלחות. , . 7) האומר לאביו ולאמו לא ראיתיו. 8) כה תברכו - פנים נגד פנים..