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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-10-02 · Heft 34 (2.10.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 34 (2.10.1883)
Date
1883-10-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 diesen beiden Extremen führt, muß von Allen,, muß insbesonderevon uns Cantoreu betreten werden — mibMe* ift~ ja auch , mit wenigen Ausnahmen bis jetzt geschehen — wollen wir unserem Volke von Nutzen sein, wollen wir uns nach Innen kräftigen und stärken, um wie einst in den finsteren Nächten des Mittelalters, auch jetzt in den »Hellen' Tagen der Neuzeit den Anprall der Feinde auszuhalten, die nimmer müde werden, den Boden, auf dem wir fußen, auf jede Weise zu untergraben. Wenn wir der Menschbeit dienen, indem wir unser Volksthum festigen, so tragen wir zur Kräftigung des Jndenthnmcs bei, indem wir für die Interessen nuferes Standes unsrschütterlich und energisch eintreten. Hier drängt sich uns erst recht die Frage auf, haben wir Alle, Alle die dem heiligen Berufe des שליח צבור obliegen, die Pflichten gegenüber diesem unserem Stande auch treulich in dem verflossenen Jahre erfüllt? Wie viele von uns können diese Frage mit einem ruhigen ,Za' beantworten? Sind sie nach- Dutzenden zu zählen? Wir müsien dies leider verneinen. ' Trotz aller Erfolge, die — Dank der Unermüdlichkeit und dem rastlosen. Eifer - des Vereinsvorstandes — der ö st err. - nngar. CanLorenvereLn, dieser Mittelpunkt des C a n t o re n t h u m e s i n O e ste r r ei ch - Un g a r n, gerade im verflossenen Jahre errungen, trotz der immer größeren Anzahl von Collegen. die sich nra unsere Fahne schaaren, können wir uns der leider allzurichtigen Ansicht nicht verschließen, daß noch Vieles, und Vieles von Vielen geschehen muß, weyn es heißen soll: Jed e rm ann a u f s e i n e m P l atz e. Wenn wir auch absehen wollten von Lässigen, die aus lieber Gewohnheit in den Tag!hineinlebend, weder für die eigenen noch für die Standesinteressen — und beide sind doch identisch — ein Glied rühren, wenn wir noch immer nicht verzweifeln, daß wir noch die Meisten unter diesen an unserer Seite, im Kampfe um unser gutes Recht, sehen werden, so muß uns dennoch schmerzlicher Zorn ergreifen, wenn wir beim Rückblicke in'sversiosiene Jahr bemerken, daß nicht blos durch Lässigkeit, nicht blos durch Gleichgiltigkeit an unserem Stande gesündigt wurde. Die Eintracht, die Grundlage unserer Existenz, wurde von einer Seite zu erschüttern versucht, von der wir eher eine Stärkung und Kräftigung unserer Sache erwarten durften. Das allgemeine Beste wurde dem ehrgeizigen Kitzel ohne Ueberlegung zum Opfer gebracht, es wurde Zwietracht gesäet — und wie soll da Gutes geerntet werden? Der Tag der Einkehr ist nahe. Wer seinen Pflichten nicht nachgekommcn ist, der halte Einkehr! Jeder denke daran, daß wir nicht blos darum existiren, um unsere eigenen Gelüste, unsere persönlichen Interessen zu befriedigen, wir sind auch verpflichtet, die Interessen unserer Mitmenschen den eigenen voranzusetzen und um so größer ist diese Pflicht, je höher uns das Schicksal gestellt hat. Wer diese seine Pflicht nicht erfüllt hat, der mag noch so gut, noch so Lügend reich sein, ein ganzer Mensch, der vor den Thron des Allerhöchsten mit dem Bewußtsein treuerfüllter Pflicht hintre 1 en kann, ist er nicht! Und was verleiht uns das Recht — wird so Mancher fragen — so zu sprechen? — Das Bewußtsein, so gehandelt, zu haben, wie wir es unserem Stande schuldig sind. Wenn wir auch nicht Alles gethan, was vielleicht wünschenswerth gewesen, wenn wir nicht immer einen Jeden zu befriedigen im Stande waren, so kann man daraus gegen uns keinen Vorwurf schmieden. Unser Wille war und i st stets auf das Beste gerichfef,., oft aber scheitert er an der Ungunst der Verhältnißeder Verhältniße, die znm Theil inder Natur der Sache begründet, zum Theil durch die Schuld Anderer herbeigeführt wurden. Wenn wir von den Pflichten gegen uns selbst gesprochen haben, so haben wir darunter wabrlich nicht dis. Pflege unseres eigenen, lieben ,Ich', den crassen Egoismus, der uns in tausend Gestalten, ans allen Wegen entgegentritt, gemeint. Daß der Mensch sich treu bleibe'im Glück und Unglück, daß er nicht w eiche u n d n i ch t w a n k e,. w e n n die g l c ißend e. V er s u chu n g "an ihn he rant r i t t, d i e s i st d t e erste aller Pflichten d e s M e n s ch e n. Heilig ist der Berus des: Cantors, rein muß er hintreten vor den Altar des Allmächtigen, darum halte- Jeder Einkehr, der eine der Pflichten verletzt, die Religion und Humanität gebieten! Und hier leisten wir das ernste Versprechen, in der Zukunft, wie bis jetzt, mit all' der Kraft und Energie, die uns zu Gebote steht für die Interessen u-iseres Standes, die.auch' die Interessen eines jeden Einzelnen unter uns sind, . einzutreten; aber von unseren Collegen, fern und nab, soivie von Len Freunden unserer guten Sache erwarten wir, jene Unterstützung,׳ ohne die unser Kampf erfolglos bleiben müßte. Möge das nächste Jahr unserem Vereine noch größere Erfolge bringen, als das vergangene, möge. das Ansehen und die Würde des Cantorenthums und seiner Vertreter immer mehr und mehr.-wachsen, möge es zur Zierde und zur Freude unseres vielgeprüften Volkes werden! Die. sonal-materielle Stellung des Cantors von W. Wodak in Göding. Seitdem wir Cantoren ein Organ besitzen, das die Interessen derselben in wahrhaft löblicher Weise vertritt, deren Mängel schonungslos einer Kritik unterzieht, aber auch ihre Rechte mit all' ihrer Macht verflcht, wird über die Gründung einer Cantorenschule, namentlich in letzterer Zeit, viel geschrieben. Das Pro und Contra hält nicht gleiches Gewicht. Denn wenn sich ein oder zwei Stimmen für eine Cantorenschule vernehmen lassen, so erheben sich gegen eine solche viele, die darin ein Unglück für die älteren Cantoren erblicken wollen. Es möge mir hier die Frage gestattet sein, ob jene Can- Loren, die sich an einer solchen Schule herangebildet haben werden, gegen jedes Ungemach, das der Cantor in seiner Gemeinde stillschweigend mit in den Kauf nehmen muß, gefeit sein werden, und ob er als Zögling dieser Schule auch das Definitivum in der Gemeinde, in der er acceptirt wird, erhält. Schon ,Der jüdische Cantor' hat über diesen Gegenstand gesprochen, und auch dort fanden wir seinerzeit viele Gegner dieser Idee. Hüben und drüben ist man der Ansicht, daß eine Cantorenschule zu gründen, Pflicht der Gemeinde sei, indem durch dieselbe nur ihr Interesse gefördert wird, denn der Gemeinde mangelt es nicht an Cantoren, sie braucht nur einen.für dieses Amt und ihr drängen sich buchstäblich eine Anzahl von Competenten aus. Ich führe nur eines von den vielen Beispielen als Beweis des eben Gesagten an: Eine ungarische Gemeinde, nahe an der mährischen Grenze, schrieb den Concurs zur Besetzung eines Cantorpostens und שוחט aus, Gehalt 300 Gulden, und nicht einmal freie Wohnung, nebenbei wurde bemerkt: »Diejenigen Competenten, welche eine התרה haben, werden bevorzugt". Für einen Samstag erschienen

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