Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 34 (2.10.1883)
- Date
- 1883-10-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische BfnTOB ^PrMilmrratlllNS-PmL^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 —-\ru- Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 v: isrl. ■BttjUfluitg in's Hai». O r g a n kür die GrsMmt-NteresM jüdischer Tautorm. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icekob Wcruev. ^Rgdacflan und Administration tkeopoldstadt, H Circusgasse Nr. 2V. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 34. Wien, 2. Oktober 1883. 3. Jahrgang. Sr Abonuements-Einla-nng. Die Oesterreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung beginnt mit dieser Nummer das IV. Quartal und ersuchen wir daher unsere geehrten Herren Leser, Freunde und Gönner das Abonnement auf dasselbe baldigst erneuern zu wollen, damit die regelmäßige Zusendung des Blattes keine Ntiterbrechung erleide. Wie bisher werden wir bestrebt sein, mit alter Kraft uns für das Interesse unseres Standes einzusetzen und hoffen, daß unser Wirken auch weiterhin die vollste Anerkennung unserer Collegen finden werde. Zugleich sehen wir uns veranlaßt, um die baldigste Einsendung der Rückstände dringendst zu bitten, da wir auf diesen Zeitpunkt, wo es einem jeden Collegen leicht möglich ist, seiner Verpfiichtung dem Blatte gegenüber nachznkommen, von Vielen vertröstet wurden. Die Redaction. Wien, am 2. Mober 1883. Wieder stehen wir an der Wende eines neuen Jabres und unwillkürlich kehrt sich der Blick in die Vergangenheit zurück, um den Weg zu überschauen, den wir in diesem Zeiträume durchschritten und uns die Frage verlegen und beantworten zu können, ob wir auch in Allem und Jedem unsere Pflicht gethan, ob wir gegenüber der Menschheit, gegenüber unserem Volke, unserem Stande und uns selbst gegenüber unsere Pflichten erfüllt haben. Düster und trübe ist der Ausblick, der sich uns in elfterer Beziehung darbietet. Welche Ironie ist es eigentlich, von Pflichten gegenüber der Menschheit zu sprechen, bei einem Volke, das wie wir, aus allen Seiten von erbitterten Feinden bedrängt, in so manchem Lande der Habe und des Lebens unsicher ist! Noch immer scheint das Schicksal der Heimatlosigkeit dem »auserwählten Volke* beschieden zu sein, immer auf's Neue werden unsere Brüder gezwungen, den Wanderstab in die Hand zu nehmen und sich eine neue Heimat zu suchen, wollen sie nicht einem rasenden Pöbel zum Opfer fasten. Wenn so die primitivsten Menschenrechte überall mit Füßen getreten werden, wenn sich ^nirgends die rächende Hand erhebt, die den Schauerdramen, welche bald in diesem bald in jenem .eivilisirten" Lande dem neunzehnten Jahrhunderte vorgeführt werden, ein Ende macht, wenn die »gute Gesellschaft* den Juden wieder als nicht ebenbürtig zu betrachten beginnt; wie kann da von der Erfüllung unserer Pflichten gegenüber der Menschheit die Rede feind Und doch erfüllen wir diese, wir erfüllen sie schon durch unsere Existenz, schon dadurch, daß wir festhalten an unserem Volksthume, an der alten glorreichen Vergangenheit. —- Es vollzieht sich da ein naturgemäßer Prozeß. Unsere Kräfte, die wir der Menschheit widmen wollen, werden zurückgewiesen, wir verwenden sie zur Festigung und zur Stärkung unseres Volkes und dienen zugleich, den allgemein menschlichen Interessen in höherem Maße, als dies von ^so mancher Nation geschieht, die uns verhöhnt und unterdrückt. Nicht im starren Festhalten an veralteten Aeußerlichkeiten, aber auch nicht im revolutionären Durcheinanderwerfen und Vernichten schöner Bräuche und guter Gewohnheiten ist das Heil des Judenthumes zu suchen. Die Mittelstraße, die zwischen