Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 33 (24.9.1883)
- Date
- 1883-09-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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mehreren Stücken seiner Kammermusik für Instrumente, an seine Elavierconcerte auS C-moll, Gr-dür ünd Ms-duv. an verschiedene ׳seiner Overkuren, und an seine Symphonieen (besonders an die Einleitung und das erste Allegro oder zweiten ans D-dur, die zwei ersten Sätze der dritten aus E3־dur, und das riesenmäßige Finale der fünften aus Ö-rnoll.) —- Wo des Ausgezeichneten so viel ist, wie eben hier in der neuen und neuesten Musik, kostet es Ueberwindung, sich, wie von uns geschieht, auf das zu beschränken, was zur Erläuterung der Sache nöthig scheint, und andere, gleichfalls hicher gehörende treffliche Stücke, wie mehrere von'Cherubim, Maria von Weber n. A-, ungenannt zu lassen. Auf ganz anderem, ja auf entgegengesetztem Wege schritten mehrere herrliche Meister der vorigen Zeit zu demselben Ziel. Wenn die. Neuern, z. B. die eben genannten (darf man so sägen), die hier geltenden Summen zählen, so wogen jene sie-, wenn diese sich reich bezeigen durch splendiden Aufwand, so thaten es jene durch scharfbedachtes Zusamrnenh..lten und Ausgeben nur am gewähltesten Ort, dann aber mit vollen Händen; deutlicher: wenn die Neuern vor allem durch Erftndunz Zusammenstellnng. Verflechtung, Anordnung überhaupt den Ausdruck des Großen erreichen, so erreichten ibn die Aeltern vor allem durch die tiefe Entwick.ung und unerschöpilihe Combination des einfach Erfundenen. Dort, ein entschiedenes Vor- ^herrschen der Phantasie: hier, ein evtschiedencs Vorherrschen ^des Denkvennögens; dort hinreißende Wirkung auf Jeden/ auch auf den nur im Allgemeinen Empfänglichen: hier, vollkommene Befriedigung des, an Denken auch beim Genießen Gewöhnten; das geistreiche Bemühen —. dort, um das Subject (das eigene und fremde): hier, um das Object. (Fortsetzung folgt.) Erster Ausflug eines Virtiiosen. . Von ihm selbst erzählt. (Fortsetzung.) Allgemach lernte ich mich doch in mich selbst, und was ich sähe, etwas besser finden. Jener Kammerdiener, nun mein Wirlb, thal mir gu e Dienste dabei, und stieg darum wieder in meiner Achtung. Er versorgte mich auf's beste, und stellte oft Gegenstände auf unsere Mittagstafel, womit ich schlechterdings nicht gewußt hätte,, was anfangen, Härte er nickt lächelnd mir das Beispiel gegeben. So war Alles gut, ja vortrefflich, bis auf Eins: aber ebe'.i dies Eine lag mir, wie ganz recht, vor Allem am Herzen. Von Tag zu Tag hieß es: Halten Sie sich fertig; Se. Durchlaucht dürften wobl heute einen musikalischen Abend verfügen. Ach, ich war stets fertig: aber es kam nie dazu. Wir harren auch eben dies Jabr einen, zum Verzweifeln schönen Lommer! Ich beobachtete jeden Tag die Wölkchen, die am Horizonte sich zeigten: aber alle kamen nur, wie zur Decoration; und folglich — begannen die kühleren Nackmitlagsltunden, so hieß es: Leine Durchlaucht fahren ans. Sie lieben die schöne Natur. Und die Frau Baronin fuhren stets mit aus, und liebten auch die schöne Natur. So verging der Junius und der Anfang des Julius: da beliebte es der damals nickt nnberühmten Sängerin, Sign. P... bevor sie die bövmische.n Bäder auslaugte, ans dem Schlösse einznsprrch.-n. Sie war schriftlich angemeldet: sie ward ehrenvoll empfangen. Die Herren vom Hofe wurden durch sie erlöset von ihrer Langweile, hier, wo nichts war, als Berge, Gärten, Wälder, Aussichten, blauer Hünmet, balsamische Lust und anderes Alltägliche. Signora zog Alle an/beschäftigte Alle: eine bräunlich blasse Italienerin mit brandschwarzem Aug' und Haar, die immer was brauchte, immer 'was wollte, und so interessant brauchte, so pikant wollte, daß Keinem leicht das Versagen beifiel. Nun endlich gab es auch Musik. Ick spielte dabei zwar eine kümmerlicke Nolle; denn Signora war gewohnt, von Italien und seiner Oper aus — wo bekanntlich der Accompagnist, nicht der Compoftccur, sondern irgend ein sehr untergeordneter, von Allen geschorner Musikus ist — den Clavierspieler wie einen brauchbaren Handlanger zu betrachten: indessen, ich wurde doch besckäftigt, hörte viel Schönes, und genoß auch manches erfreulichen Anblickes. Instrumentalmusik diente nur als Zwischenact, indeß fick Signora erholte; und bei Zwifckenacten geschieht es in der ganzen Welt, daß die Leute plaudern. Da rasete ich denn zuweilen ans den Saiten herum, daß sie hätten springen mögen: cs half aber gar nichts; vielmehr, wie bei Kanarienvögeln : je lavter man wird, je lauter werden sie. Nach etwa zwei Wochen nahm mich der Kammerherr bei Seite: ,Wobin denken Sie denn eigentlich nach vollendeter Sommer-SaisonV Ich verstand ihn nicht sogleich und antwortete unbefangen: Ick denke den Herbst und Winter in Wien fortzusiudiren. Vortrefflich, erwiederte er; so kann Signora Sie mitnehmen nach T-. bis wohin sie von hier Pferde bekömmt. Sie brauchten zwei Tage: so aber machen Sie den Weg in Einem, bcqucm und in angenehmer Gesellschaft. So so! dachte ich; und begriff. Indem batte der Herr schon die Signora herbeigezogen und sie um einen Platz für mich, wie um eiue hohe Gnade, gebeten. Wohl! sagte sie: übermorgen, mit Aufgang der Sonne, reisen wir. Mir war's recht; besonders, da mir der Kammerherr den folgenden Tag ein reiches und nur allzunnverdientes Geschenk von Sr. Durchlaucht einhändigte. Meine Effecten waren bald in an Schnupftuch geschlagen; der Kutscher nahm sie in ein Behältuiß, worauf er die Füße stemmte; die Guitarre ward dahinter gebunden. — Nun hat die Sonne die Art, um die Mitte des Julius alljährlich um vier Uhr aufzngehen. Mit ihr war ich da. Aber Signora mochte lange Jahre sie nicht kommen gesehen, und darüber ihre Stunde vergessen haben: nach sieben Uhr erst ward Anstalt gemacht. Entsetzlicher Zustand: achtzehn Jahre, reiselustig, reisefertig zu sein, schlechterdings am Orte nichts mehr zu schaffen zu haben, nicht einmal mehr angesehen zu werden — denn selbst mein Wirth, nachdem er mir am Abend Lebewohl gesagt, nabm nicht die mindeste Notiz weiter von mir: ich war abgemacht, ein todter und auch begrabener Mann — und so über drei Stunden lang blos wechselweise nach den Wagenrädern und der Treppe zu blicken: entsetzlicher Zustand י Nun die Anstalten —] Wir hatten einen leichten, eleganten Neisewagen, eigentlich zu vier Personen. Der Koffer war schon am Abend hinten festgeschranbt. Jetzt aber brachte man Pakete und Schachteln, und was weiß ich, in solcher Menge, daß die größere Hälfte des Rücksitzes damit bis zur Wagendecke anzefüllt ward, und wer nun dort neben dem Kunstbau sitzen sollte, wie ein Keil emg׳. trieben werden mußte. Endlich kam noch ein ungeheurer Hulkasten von Pappe, oben umbunden mit schwarzem Wachstuch. Dies Monstrum mußte hinten den Koffer — .eine ttichte Last — auf sich nehmen; und als Signora nun selbst erschien, zeigte sie an gar nichis Antheil, als an diesem Hutkalten. Mais, mon carton! ah, mon carton! hieß es immerfort Einen schweren Zweifel aber, der seit einer Stunde mich drückte — den nämlich, ob ich mir als Künstler nichts vergäbe, wenn ich den Platz neben der Dame ihrer Jungfer überließe, oder nicht unhöflich wäre, wenn ich ihn behauptete; diesen Zweifel lösete Signora mit einem einzigen Fingerzeig an die Jungfer,