Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 33 (24.9.1883)
- Date
- 1883-09-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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Welche auch sogleich sich neben jene Schachteln, und Pakete einzwängte. Nun ging's fort. Der Morgen war schon bänglich heiß, und am Horizonte thürmte sich manche Gewitterwolke auf. Unsere Unterhaltung war eigentlich keine. Signora verstand kein Wort Deutsär, bloS Italienisch und Französisch. Nun glaubte ich zwar, als ich aus dem väterlichen Hause ging, dieser beiden Sprachen, aus Hilmar Curas und Peplier, gleichfalls mächtig zu sein: aber schon auf dem Schlöffe hatte ich eine sonderbare Erfahrung gemacht. Wenn die Leute in diesen Sprachen redeten, mit ihrer fatalen Behändigkeit, so verstand ich fast kein Wort; und wenn ich, gewiß langsam genug, einige Worte in ihnen vorbrachte, so verstanden sie mich nur selten. Das hatte mich verschüchtert: und nun brachte ich gar nichts heraus. Demnach sprach jetzt ein Jedes im Wagen seine Klagen über die Hitze, und was dergleichen mehr war, nur vor sich hinaus: Signora italienisch, die Zofe französisch, ich deutsch. (Schluß folgt.) Kleine Chronik. Wien. (Die Armee und die israel. Feiertage.) Das hiesige Corpßcommando hat anläßlich der bevorstehenden israelitischen Feiertage nachfolgenden Befehl erlassen: ,Auf Ansuchen des Vorstandes der israelitischen Cultnsgemeiude zu Wien, wird der Mannschaft mosaischer Confession der in Wien dislocirten Truppen und Heeresänstalten bewilligt, dem Gottesdienste wahrend des Neujahrs- und Versöhnungsfestes beizuwohnen, und.zwar: am 1. October Abends von 6 bis 9 Uhr, am 2. und 3. October von 6 Uhr Früh bis 12 Uhr Mittags, ferner am 10. October von halb 6 bis 9 Uhr Abends, am 11. October von 6 Uhr Früh bis 8 Uhr Abends". Sest. Cardinal-Erzbischof H a y n a l d von K a l o c s a bekundete jüngst seine echt humane und christliche Anschauung über die in jüngster Zeit in den verschiedensten Gegenden des Vaterlandes grassi. renden, intoleranten Hetzereien in nicht mkßzuverkennender Weise dadurch, daß er anläßlich eines in seiner Residenz veranstalteten Diners die Sommitäten der Stadtbevölkerung ohne Ansehen noch Unterschied der Confeffion, darunter auch den Präses der israelitischen Cultusgemeinde, zur Tafel zog. In seiner Erwiderung auf einen Toast des Großpropstes des Kalocsaer Erzkapitels betonte der Cardinal in eindringlichen, warmen Worten die Nolhwendigkeit des Friedens und der Eintracht zwischen Nationalitäten und Confessionen als unerläßliche Bedingung der Wohlfahrt und des Gedeihens des Vaterlandes. Werkiu. Der Kronprinz des Deutschen Reiches hat letzten Samstag dem Gottesdienst in der großen Synagoge beigewohnt und -ie Predigt deß Herrn Dr. Maibaum bis zu Ende angehört. Von Der Synagoge, wo Seine kaiserliche Hoheit eine volle Stunde verweilten, stattete Hochderselbe dem jüdischen Spitale einen Besuch ab. — Aus London geht unS die Meldung zu, daß vorige Woche, bei einem von London nach Ramsgate unternommenen Ausstug, die Köuigiu Victoria von England unserem edlen Glaubensgenossen Sir Moses Moutefiore einen halbstündigen Besuch abgeftattet hat. Palästina. Der bekannte Herr Olifant berichtet über eine Rundreise durch die jüd. Colonien in Palästina Folgendes: ,Im Dorse Bokia fand ich 20 jüdische Familien, die seit langer Zeit hier den Boden bearbeiten. In Kleidung und Aussehen glichen sie vollständig Len arabischen Bauern. Mit andern Juden verschwägern sie sich nicht, sie behaupten nämlich von den Juden abzuftammen, die das heilige Land niemals verlassen haben. Sie stammen Alle aus dem Priestergeschlechte, und haben auch einen Rabbiner. In diesem Dorse wohnen 40 christliche und 80 drusische (arabische) Familien, und Alle leben' in größter Eintracht; Rabbiner, Scheich und Pfarrer sprechen mit der׳ größten Achtung von einander. Es ist mir sehr auffallend, daß-.maw von diesen Juden, die vielleicht seit der ersten Einwanderung der- Israeliten hier wohnen, sehr wenig weiß'. HkmÄsi. (A b s chi e d sfest.) Gestern Abends 7 Uhr versam-! melten sich die Mitglieder des Olmützer Grsangvereines mit ihrem- Vorstande, Herrn Director Thannabaur und dem Cbormeister Herrn' Labler, im Gasthofe ,zur Krone", um den von Olmütz scheidendem erprobten Vereinsmitgliedern, Hrn. Petyrek und Ob.-Cantor Bachrach eiw herzliches Lebewohl zuzurufen- Der Feier, die sich im engsten Rahmen׳ abwickelte, wohnte auch der Vorstand des Mnsikvereines, Herr Dr.-׳ Eben, als Gast bei. Eröffnet wurde der Adend mit der Absingung des Sängerwahlspruches, worauf das ,Deutsche Lied' folgte, welches mit Enthusiasmus ausgenommen wurde. Die Sänger brachten sodann den Chor: ,Am Wörther See" von Koschat zum Vortrag, worauf Herr Bachrach mit klangvoller Stimme das reizende Lied: ,O seh'^ ich deinen süßen Blick" von Löwenstamm sang und dafür rauschen-- den Beifall erntete. Herr Weinharra trug das Poem: ,Drei Räusche"- mit gewohnter Virtuosität vor und fand vielen Applaus. Volle Wir-- kung hatten die hierauf vorgetragenen Chöre: ״Meine Muttersprache" und ,Alpenstimmen" (3. Serie). — Nachdem letzterer Chor verhallt war, ergriff Herr Vorstand Thannabaur das Wort und gedachte sin schwungvollen Worten der Verdienste der beiden Scheidenden um den Verein und sprach den Wunsch aus, daß sie den Verein und ihre' Sangesbrüder stets im besten Andenken halten mögen. In das am Schluffe ausgebrachte Hoch stimmte die Tafelrunde begeistert ein. :: j Stürmischen Beifall erntete hierauf der Vortrag des Terzettsi ,Die Drillinge' durch die Herren Nowak. Zwirner und Schreyer, die dabei so viel urwüchsigen Humor entwickelten, baß die Piece auf-' allgemeines Verlangen wiederholt werden mußte. Nach einem von Herrn Macho auf die Herren Bachrach und Petyrek ansgebrachten- Toaste erbat , sich Herr Dr. Eben das Wort und betonte, daß der- Musikverein ebenso wie der Männergesangverein das Scheiden ' bec beiden Herren schwer empfinden, denn jeder Verlust des eines sei auch ein Verlust des Mnsikvereines, insbesondere' habe Herr Petyrek dem Musikvereine viele und vorzügliche Leistungen geboten Redner toastirte ans die Einigkeit der beiden Vereine. Es folgten ׳ nun die Daukesworre der Herren Petyrek und Bachrach. Herr Chor- Meister Labler leert sein Glas auf eine eventuelle Rückkehr der Her-.; reu Petyrek und Bachrach nach Olmütz. Auch Herr Richter widmet den Scheidenden einige herzliche Worte. Von zündender Wirkung war der drastische Vortrag des bekannten Couplets: ,Nawratill^ Pospischil und Kratochwill" durch die Herren Kromer und Zwirner. Erwähnen müssen wir noch, daß Herr Karger einen hnmoristischeu Toast in schlesischer Mundart ausbrachte, der großen Jubel hervorrief. Herr Petyrek hatte die Freundlichkeit, die Liedervorträgo am Clavier zu begleiten, während Herr Bachrach zum Schluffe noch - Kaiser's Lied .Behüt dich Gott" zum Vortrag brachte, das so recht' zur Situation paßte. Die beiden Herren, welchen die gestrige Ovation galt, sie werden dieselbe wohl für immer in dankbarer Erinnerung behalten. Uapolcza, 22. September 1883. (Orig.-Corresp.) Von NNserem geehrten College» Kornitzer erhalten wir folgende Nachrichten, welche uns ein wahrheitsgetreues Bild von den traurigen Zuständen in Ungarn geben. ,Es wird Ihnen aus den Blättern nicht unbekannt sein, wie es im Zalaer Comitate, zumal da, im Mittelpunkte des ׳ Antisemitismus, von wo die bekannte Petition ergangen, aussieht; um! Ihnen ein kleines Bild hievon zn schildern, will ich Ihnen in kurzen - Worten mittheilen, daß das eigentliche Wirken in Schule und Tempel bis auf weiteres, theilweise gänzlich aufgehört habe, die schöne sechs-'- claffige israelitische Volksschule und eben dieselbe Bürgerschule, welche