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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-09-16 · Heft 32 (16.9.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 32 (16.9.1883)
Date
1883-09-16
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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vornehme Feinheit/ bhf^bir/' eben "wenn' dich etwas' recht tief rührte, besonders in gewisser Art/ deine Gefühle verstecken würbest unter gleichgültiges Gespräch? Und sie hat solcher Feinheit gewiß noch mehr, als du. Wärest du unbescheiden und einbildiscb: du schlössest woht eben aus diesem Plaudern auf Einiges, und wärest selig! Mit solchen Gedanken trug ich mich den ganzen Tag, und sie wurden nur lebendiger in mir, als ich bei sinkender Sonne die Fran Baronin mit Sr. Durchlaucht in offenem Wagen eine Spazierfahrt antreten sah. Himmel, wie bezaubernd war sie in der Leichtigkeit' ihrer Bewegungen beim Einsteigen, in der Grazie ihrer Haltung beim Niedersitzen, in der Freundlichkeit ihrer Mienen bei unseren Grüßen/ und in dem Reiz ihrer Kleidung j besonders des königlichen Kopfputzes, mit dem hochaufwehenden Federbusch! Dieses letzteren muß ich absonderlich gedenken, denn er ward von bedeutendem Einfluß auf meine Lebengeschichte. Schon an diesem Abend spielte er ein wenig hinein. Mit der Dämmerung waren nämlich die Herrschaften zürückgekommen. Als es dunkler geworden war, litt es mich nicht mehr in meinem Zimmerchen. Ich hing die Guitarre um und schlich auf großen Umwegen unter die Fenster jener Göttin. Kaum hatte ich mich: in die Laube, den Fenstern gegenüber, geschlichen, als Licht in das Mittelzimmer kam. Es war, wie ich leicht erkannte, die Kammerjungfer. Schon zitterte ich, daß diese Person die Nöllen herablassen würde; aber nein, das that sie nicht, sondern sie setzte zwei Lichter auf ein Tischchen hart am letzten Fenster links, und dann zwei auf ein Tischchen hart am letzten Fenster rechts: und hier — sah' ich nun, hier saß die Herrliche, ganz still in sich versenkt, vielleicht eben, bei lieblichem Dunkel, sich zarten Schwärmereien überlassend. Ich trat auf die Zehen, ich stieg auf den Sitz, ihr holdes Antlitz zu sehen: aber das gelang mir nicht; sie saß zu tief: meine 'Blicke erreichten höchstens ihre Stirn, und nur der königliche Hauptschmuck strahlte unverkümmert in meine Augen. Du wirst sie wecken, tröstete ich mich; sie wird anfstehen, sie wird an's Fenster treten, sie wird vielleicht es öffnen, und hoffentlich .nicht weniges empflnden bei deinen auserlesenen Nomanzen! Ich begann: ich präludirts, ich sang. Die Kammerjungfer, die sich indessen an jenes ihr Tischchen,, zur Arbeit, wie es schien, gesetzt hatte, horchte, stand auf, öffnete das -Fenster, gaffte hinaus — die Närrin, was ging das. sie an? .־— Nun setzte sie sich wieder, ohne das Fenster zu schließen. Ich fing an, zu begreifen, es sei.zu viel gewesen, was ich verhoffet, und -schon genug, daß auf Befehl der Dame.das Fenster geöffnet bleiben mußte; denn daß dies auf ihren Befehl geschähe, war wohl offenbar.; . '...;, . Die? Romanze war geendigt: Alles blieb nach wie vor- Schon rech:! sagte ich; aber.mein Gefühl, widersprach. Ich modnlirte aus dem Instrumente hin und her, durch alle Mollron- Leitern; angeregt, ., wie ich. war, modulirte ich gut: aber Alles blieb nach wie vor. .Die Eitelkeit besiegte nun den Verstand: ich fühlte mich gekränkt, -ich fühlte mich.verwundet. Ich schwieg und ließ auch meine Saitenschweigen.: Die fatale Kammerjungfer stand wieder auf, tämperte im Zimmer dahin, dorthin; jetzt: sah ich, sie nahm Gewänder, die aus einem Stuhle hingebreitet hingen, auf den Arm, trug sie in das Nebenzimmer, kam.zurück, und — wie? was? ist das Zauberei oder ein Blendwerk meines bösen Engels? — Nein, gewiß und wahrhaftig: sie nahm, die Unausstehliche, sie nahm ohne Umstände meine Huldgöttin mit dem wehenden Federschmuck, und trug sie gleichfalls in das Nebenzimmer, wohin sie die Kleider getragen batte. Ach. es war nur ihr angemalter Haubenstock, dem man das abgelegte Kopfzeug aufgestülpt hatte! — Erboßt riß ich in die Saiten, daß das mittlere D, die nothwendigste zu jedem Vortrag, zersprang; und in diesem Augenblick sah ich unweit von mir die Angebetete im weißen Elfengewande die Linden berschweben, am Arme eines dunkelgekleideten Herrn, wahrscheinlich des Serenissimus. Ich stand, wie tobt; und eben darum ging ich nicht. Man kam nahe an mir vorbei, man erkannte mich, man hielt inne- und ihre Silberstimme lispelte: Der Abend ist still; Sie haben die Guitarre: singen Sie uns doch etwas Artiges, wenn's Ihnen gefällt. — Ohne Zweifel mit der miserabelsten Figur hielt ich das Instrument hin und konnte nichts herausbringen, als: ,Leider, mein D —!״ Sie sah' mich befremdet an: ach sie dachte wohl gar an Thee! Aber den Augenblick soll's neu aufgezogen sein! rief ich nun, riß mich von hinnen, schoß in mein Zimmer, zog auf, kam herab: aber — fort war fort. Ich wollte außer mir kommen; ich rannte durch alle Gange des Parks, ich kündigte meine Anwesenheit und mein neues D durch die besten Arpeggiaturen an: umsonst — fort blieb fort.;,Fortsetzung folgt.) Kleine Chronik. London. Vorigen Monat kam hieher ein gewisser Schapira (ein getaufter Jude) und brachte mit sich 40 Stück Pergament- Rollen, welche er angeblich bei einem Arab er gekauft, worauf die עשרת הדברות und noch andere 2רשת aus der heiligen Schrift, nicht gleichlautend mit unserer Thora, sondern in anderen Ausdrücken und Worten geschrieben sind. Der Finder dieser merkwürdigen alterthümlichen Schriften, wollte Beweise liefern, daß diese Pergamentrollen vor zweitausend siebenhundert Jahren geschrieben wurden, und verlangte für diesen Schatz des Alterthums nicht weniger alseine Million Sterling, das ist beiläufig zwölf Millionen Gulden.?Mau hätte ihm diesen Betrag dafür gezahlt, weil so eine Antiquität einen unschätzbaren Werth hat. Allein Dr. Neubauer, Bibliothekar-in Oxford, entdeckte, daß Schapira ein Fälscher ist, und diese Pergamentschriften gefälscht sind. Nacher wurde der Franzose, Herr Clermont-Ganeau, eine Autorität als Forscher auf dem-Gebiete semitischer Inschriften, vom französischen Ministerium des Aeußern zur Untersuchung--dieser Handschriften nach London gesendet. Es gelang ihm auch mehrere der Lederstreifen zu Gesichte zu bekommen; aber die weiters Einsicht wurde ihm von Schapira abgeschlagen. Clermont-Ganeau hat jedoch sogleich die Alterthums-Schätze Schapira's für eine moderne Fälschung erklärt. Schon der Umstand, daß diese Pergament-Rollen zweitausend siebenhundert Jahre alt sein sollen, .sp rach gegen ihre Gchck)eit, da den bisherigen Erfahrungen nach, alle Pergamente vom siebenten Jahrhundert, das heißt welche beiläufig zwölfhundert Jahre,.alt,sind, in Stücke zerfallen. Dieser Franzose beschreibt die Art und,Weise wie die Fälschung veranlaßt wurde: Der Fälscher schnitt.von einer der großen Synagogen-Gesetzesrollen, welche den Pentateuch enthalten, das untere unbeschriebene Ende ab, und durch Anwendung von verschiedenen Chemikalien verschaffte er diesen Rollen, die ohnehin meist mehrere Jahrhunderte alt sind, ein ganz.alterthümliche» Aussehen und schrieb dann mit Tinte in moabitischen Schriftzeichen darauf. Er bemerkte aber dabei nicht, die feinen im Pergamente eingerratzten Linien welche den geschriebenen Text einfassen; ferner übersah er die Falten, welche die verschiedenen Spalten des Textes trennen. Und schließlich die Nähte mittelst derer die einzelnen Rollen zusammengefügt sind. Er schrieb daher ruhig über diese feinen raum bemerk-

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