Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 32 (16.9.1883)
- Date
- 1883-09-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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psindungen, z. B. frommer Freude, edlex Schwermuth — gewisse ׳besondere Modifikationen. Wie aber die Neueren in allen Künsten Laß Zusammengesetztere vorgezogeu und am glücklichsten behandelt baden: so auch in der Musik, und namentlich in der, welche Erhabenes ansdrückt. Als Beispiele solcher Modifikationen und Zugleich als Muster können dem Musiker dienen — z. B. der freudig-erhabene Chor Handels: Uns ist ein Kind geboren, oder-: Halleluja, denn der Herr, der Allmächtige, regieret, im Messias; ün anderem Sryl: das Sanctus : in Voglers lliequiem; der .fchwermüthig-erhabene Chor Handels;.Sieh, das ist Gottes Lamm, oder: Der Herr. warf, unser aller Sünde; auf ihn, in demselben Oratorium. . . -Das׳-׳Großes (Mächtige, Erschütternde) regt Las Gemüth auf zu einer'vielnmsassenden,^ starken Wirksamkeit aller seiner Kräfte —- und--zwar zu -einer-Wirksamkeit, wo man sich einer Menge mehr oder weniger klarer und in ein Ganzes , verschmol- -zener Vorstellungen.bewußt - wird, und sich dadurch begeistert, gehoben 'fühlt. Beim Erhabenen-wirkte zunächst die Größe der -Massen: -hier wirkt zunächst die Größe der Summen; dort das Eine rn Vielem: hier-das Viele in Einem. ' " Wem das nicht deutlich ist. der denke daran, was er selbst eintn" großen Gedanken, einen großen Charakter, eine große malerische' C o m p o sii i o n nennt; er wird finden, daß er, -selbst ebne 'darüber genau׳ zu restcctiren, dies bestimmt vom erhabenen Ge- Lanken,'erhabenen Charakter rc. unterscheidet. Z. B. Philipp der Zweite und sein Großinquisitor, wie Schiller sie dargestellt hat: sie sind groß '— groß und entsetzlich. Göthe's Alba im Egmont: er ist groß — groß und furchtbar. Dagegen, Brutus, wie ihn Shakespeare und die Alten zeichnen: er ist erhaben — erhaben und ehrwürdig, auch in seiner Verirrung. .. f ) f Bei nur mäßiger Aufmerksamkeit aus sich selbst, unterscheidet, man auch das Gefühl für das Große leicht von dem Gefühl, für das Erhabene;. von jedem anderen ohnehin. ' Das Gefühl., für das Große chat — ist es erlaubt, so zu sägen — mehr Irdisches, als das Gefühl für das Erhabene; es hat mehr Gewaltsames. Affectvolles, Dahinreißendes — weshalb das Große .auch überall ' nüd immer mehr'Glück macht, als das Erhabene. ...Pas',Gemüth muß sich beim Großen selbst beruhigen, wenn cs beruhigt werden soll, statt daß es beim Erhabenen schön durch das Dargebotene, zwar an seine'Grenzen erinnert und in so, fern gedemüthigt, doch eben auf seinem eigentlich menschlichen .Standpunkte zugleich festgestellt wird — weshalb das Große von .Schwachen,., die sich , nicht selbst zusammenhalten, mäßigen und beruhigen.können nicht ohne einigen Schmerz ertragen, und blos .als..ein .pikantes Neizmittcl gesucht wird; was sich besonders an Frauen, darthut.. ...; . Der Musiker, dichte er nun Musik, die Großes .ausdrückt. - -oder führe er. sie aus, empsindet das Dunkel und will darauf hinaus, wenn er nach seiner Weise ungefähr,spricht: Man ckrennet; es wird .Einen! fast angst und bange.dabei! .man schreibt oder spielt-daraus los, schreibt oder spielt gut, und weiß doch kaum noch, was und wie mau schreibt oder spielt! Man muß mit Gewalt an sich halten, um nicht, schreibend, in's Wilde und Undeutliche auszuschweisen, spielend, . in's Instrument zu reißen oder im Tempo zu eilen und die Andern mit fortzutreiben! Man wagt und es gelingt; man setzt das Letzte daran, und findet Kräfte in sich, die man sonst sich gar nicht zutrant: und doch ist's Einem dabei immer, als wär' es noch nicht genug; als sollt' es noch mächtiger, noch-gewaltiger sortstürmen! (Fortsetzung folgt). Erster Msstug eines Virtuosen. Von ihm selbst erzählt. . .. (Fortsetzung.) Dies wälzte fick mir wie ein Fcnerrad im Kopfe herum und trieb mich dem Gewässer zu, bis an den grünenden Rand, von wo .ich nur noch einen . Schritt nülhig batte. Bevor ich ihn aber that, diesen Schritt, wollte ich doch etwas von der Sache haben; und so. malte ich mir aus. weich' eine Erschütterung es Hervorbringen würde, hörte man, der junge Sänger sei urplötzlich verschwunden. Alles wird ausgesandt, meinte ich, ihn anfznfinden: es ist umsonst. Endlich gibt die Fluch seinen blassen Leichnam dem Blnmenufer zurück. Nun forscht man: was hat den blühenden Jüngling in den Tod gestürzt? Und ans der Stelle, die er singend zuletzt im Zusammenhänge ausgesprochen, wo ,vom Weinen vor Liebe' die Rede ist, lernt man im Geheim ahnen, was er vergebens durch kühnen ׳Trotz gegen Unabänderliches. zu bezwingen gesucht. Das ׳ hat sein jugendlich frisches Herz nicht -ertragen! das hat ihn dem .Verderben entgegengedrängt! , : Damit schmelzte ich meinen Much zur Wehmuth; ja, ich fürchtete mich ordentlich vor meiner vorigen Furchtlosigkeit, und cs begann schön, was in' mir feit Anfang. jenes. unseligen Liedes vorgegangcn, sich ' inir darzustellen als Stoff zu einer großen, freien Phantasie sür's Pianoforte, mit. schönen Contrasten .und großer Mannigfaltigkeit der ׳ Tempo's . und des Ausdruckes: : da hörte ich ein mehrmaliges überlautes: He! he.'.nnd als ichl.den Blick dabin warf, sah' ich jenen leidigen Kammerdiener an einem Nebengange der Allee stehen und״ mit geschwungenem Arme mir winken. . , Der Mann, der mir 'erst so gnädig^ däntt sö widenvärtig erschienen war, erschien mir nun,seit hohe Gefühle und große Gedanken in mir gearbeitet hatten, fast verächtlich. Kommen Sie doch her! rief er mir zu, indem ich schon kam; was. zum Henker, ist Ihnen denn begegnet? daß Ihnen plötzlich übel ward, das sah man wohl: aber — es ist doch׳ nun vorbei? Die Herrlchasren haben mich äbgeschickft nach Ihnen zu sehen. Können Sie die Chocölade nicht vertragen? י'׳ ־ ־׳־■’׳- ' Dieje mir ungc Heu er dün'kende Gemeinheit verblüffte'mich bis zum Verstummen. Na, wenn's weiter nichts ist! fuhr der Mann fort. Kommen Sie nur!' Sie werden bei mir wohnen, dort, in dem Eckzimmerchen des linken'Flügels. Ich werde für Sie Sorge tragen. - - - ■ - "'' Einer Antwort würdigte ich ihn ׳nickt,' aber unterrichtet mußte ich sein über den Stand der' Dinge. Kennt man ö'Üs'Gedicht,' und weiß man die' Worte — die Worte; wo — wo ״ich abbrach? So fragte' ich nach einer Weile, furchtsam und^glühröth im Gesicht. - ' " •׳'־.־'' * ' Wer? wie? warum? welche"Worte? fragte' der Mensch/ ' Mein Gott, Ste hören' ja: 'LieUetzteu —! 'anitwvrteke--ich äußerst verdrnßlich.' " ״'״'״ ,Die Sie fangen? M,'''.wäs' ,da —! ' wer hört" auf' / die Worte, wenn Eins , singt ünb lpiel't? Und überdies ': ich hatte zu thnn; der Herr Kammerherr hatte 'etwas vor dem Operngucker und schanete hinaus, und Serenissimus sprach mit der Frau Baronin: . da hat eigentlich Niemand — sö recht ans Ihr Singen und Spielen gehört) wie'viel weniger ans Ihre Wortes Ach, war das Trost oder neuer Jammer? — Ich war achtzehn Jahr' alt: da wird Alles Trost. Was weiß so ein Narr! dachte ich. Genug : man. ist nicht erzürnt; man weiß nicht, was .du verschluckt hast! Und was deine letzten Worte und jenes Plaudern aus dem Sopha anbelangt: Haft du nicht selbst so viel . ... .."«■ r