Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 32 (16.9.1883)
- Date
- 1883-09-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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— 3 — messa di voce aufzünehmen. Die Instrumente machten ibre Sache schlecht, da es indessen die erste Probe war. halten sieaus den rechten Weg kommen können, wenn Herr Hitler für־ gut befunden hätte, ein wenig zu poltern, zu lärmen und den strengen Herrn zu spielen, denn es ist eine traurige Bemerkung, daß wenigen Componisten von einem Orchester Gerechtigkeit widerfährt,, wenn sie di; Spieler, nickt vorher hart angesahren und ׳sich in ein. gewisses Ansehen gesetzt haben'. Johann Adam Hitler errichtete wohl in Erinnerung an die einzige Leidenschaft seines Lebens, den Gesang, . später die. erste ״Singschnle. für Frauenzimmer',' ans - der eine Corona. Schrödter und das berühmte Schwesternpaar'Pod.leska hervorgingen. Rührend klingt inder Einleitung seines -Buches ,Anweisung zum musikalisch richtigen Gesänge' die Stelle: ,Ich habe von meinem 12. Jahre an׳ den Unterricht?im Gesänge, wie er auf Schulen .gewöhnlich i!r, mit. Anderen gemeinschaftlich genossen. Treffen und Tact. war freilich wobl das:Ziel, nach welchem wir laufen muhten, aber der:Weg war so unsicher und holprig, daß viel Zeit dazu erforderlich war, ehe man ihn ohne Stolpern gehen konnte. Die nach der. Stufenfolge der Tonleiter an eine Tafel geschriebenen Exempel׳ dieses oder jenes Intervalls waren immer bald gelernt, aber , wenn eines dieser Intervalle. außer der Reihe angegeben ׳:werden sollte, so ging es uns wie dem ehrlichen Corporal Trim .bei Tristam Shandy,-dcr das vierte Gebot sehr gut wußte, aber nur, wenn er: beim ersten:anfangen durfte. Von gutem Gebrauche :der:Stimme, vom bequemen -Athemholen, von einer reinen und :deutlichen Aussprache ward wenig oder nichts erwähnt'.. -' - ׳- - .: (Schluß, folgt.). ' Vom MckmWgen Gebrauch der Mittel der Tonkunst. ׳ in. In Hinsicht auf Bewegung ist jenen beiden Eigenschaften ,erhabener Naturwerke an Werken der Tonkunst aus dieser ^Gattung als; analog an die Seite zu setzen, das ausdauernd Gehaltene, nicht oft Wechselnde, das langsam und fest Fortschreitende, sich selbst Gleichbleibende im Tempo und in der . Täctart; in welcher letzteren hier die ungleichen'Arten, wenigstens die, kürzen, auszuschließen, oder doch nur im Nothfall und äußerst .behutsam anzuwenden sein werden. Beim Vortrag verwerfen dergleichen Musikstücke, ’ auch wenn eine Gesang- oder Jnstrnmentalstimme die entscheidende Melodie führt, alle zufälligen Verzierungen, d. h. nicht blos die .ganz, willkürlichen, jondern, auch die, die nicht bestimmt zum ,Gange der Melodie und Harmonie gehören. Es ist löblich, daß die. sorgsamer!: der jetzigen Componisten in den einzelnen Fällen, . wo dennoch bei .erhabenen Musikstücken einige Verzierungen anzuwenden sind,- diese, genau 'ausschreiben, und sollte nirgends von. ihnen verabsäumt, aber dann auch von Directoren, Sängern und .Spielern genau darüber gewacht werden. Solche Musikstücke lassen aber nicht.blos zu, , sondern gewinnen auch ungemein, durch ein weise, angebrachtes, wohlgespartes, nicht oft und nicht schnell .wechselndes Forte und Piano; so wie durch ein allmäliges, gutgemessen ausgeführtes''Au- und Abnchmen der Stärke (Crescendo.und Decrescendo). ' Gerade in Musik dieser Gattung ist das Letztere "von der größten Wirkung; nicht etwa nur, weil es Mannigfaltigkeit in das sonst einfachere Ganze bringt, ohne seine , Bestandtheile zweckwidrig zu vermehren,' sondern hauptsächlich weil es den Geist des Hörers nach'und nach (eben darum unwiderstehlich) zur beabsichtigten Höhe emportreibt, ihn zugleich zu Kräften kommen läßt, sich auf derselben zu erhalten und nur allmälig ibn niieder־ zur gewöhnkichen Fassungherabsenkt.': Es ist bekannt, daß Iomelli zuerst von einem solchen, ganz regelmäßig vorgeschnebenen, allmäligen Anwachsen und Veelaufen aller Sing- und Orchesterstimmen auf der Bühne Gebranch machte. -In der Kirche und bei choralmäßigem Gesänge war es längst angewendet, wenn auch nicht so bestimmt vorgeschrieben, sondern durch Uebereinkunft aller Änsführendcn mit dem Meister oder Director zu Stande gebracht. Es ist auch bekannt, daß Iomelli damit alle Anwesende״ sogar zwang, ohne daß sie sich dessen bewußt wurden, langsam anfzustehen und mit gestrecktem Körper tiefäthmend vorzudrängeu. Zu beklagen ist aber,: daß spätere Componisten durch zu häufiges und oft zweckwidriges Anwenden dieses Kunstmittels seine Macht vermindert haben. Außer jenen oben angeführten Vortheilen gibt es noch ein leichtes und sicheres Nüttel dem Componisten. in die Hand, seine allerwichtigsten Stellen besonders hervorstechen zu lassen und mit woblthnender Gewalt den Zuhörern. an's Herz zu legen. Ein Beispiel, wo es, und zwar das Anwachsen, wirklich weise ansgespart und vom Componisten musterhaft angeordnst worden, findet der Musiker in dem Satze des Mozarl'schen Requiem,: Lacrimosa dies illa — bei den Worten: qua׳ resurget ex favilla u. s. w., und ein anderes, für das Verlaufen, im Schlüsse des Chors: Ehre sei Gott in der Höhe — in Händels Messias; nur daß es hier, dem Gebrauche der Zeit nach, nicht durch Zeichen vorgeschrieben, sondern jener Uebereinkunft überlassen ist. In beiden Stellen bringt es übrigens zugleich das Bild dessen, was der Text.aussagt, vor die Phantasie des Zuhörers. . Am einfachsten, treuesten, nur auf das Wesentlichste und Nothwendigste in der Sache, wie in den Mitteln beschränkt, findet man den Ausdruck erhabener Gefühle, und zwar ohne alle Nebenbestimmungen, in vielen Werken der großen Kirchencomponisten Italiens aus dem sechzehnten und fiebenzehnten Jahrhundert. Palestrina, Allegri und ihre Geistesverwandten haben Werke dieser Gattung geliefert, die, eben in ihrer Art, wie die Werke der größten italienischen Maler fast aus derselben Zeit, nie übertroffen worden sind. Nur darf man sie nicht blos lesen; man muß sie singen hören, und singen — wofür sie da sind — am rechten Orte, zur gottesdienstlichen Handlung, von starken, vollkommen eingeübten, vollkommen übereinstimmenden, die ihnen eigenthümliche und nolhwendige Vortragsart auf's strengste beibehaltenden Chören. Diesen Werken stehen — nur in anderer Art, da jene zur Ausführung Künstlern, die dem Volke anvertraut werden sollten — würdig zur Seile die ältesten Hymnen und die besten der Choräle in der lutherischen Kirche/ oder wenigstens in den ältern ihrer Choralbücher. Jene Hymnen sind meistens unter den mährischen Brüdergemeinden — Ergüsse ihrer feurigen Begeisterung und frommen Demuth, bei schwertastendem, äußerem Druck — entstanden und von Luther und seinen Freunden herübergenommen: diese Choräle sind bekanntlich von Luther selbst, seinen Freunden (vorzüglich Senfl und Walther) und mehreren ihrer Nachfolger, an Fähigkeiten und frommer Begeisterung ihnen ähnlich, theils gedichtet, theils in Musik gesetzt, und auch wohl beides. Die ganze Welt besitzt, in dieser Musikart und diesem Styl, nichts Erhabeneres und Schwunghafteres; nnd keine Folgezeit, kein Genie und keine Kunst hat Gleiches, eben in dieser Art und diesem Styl, Hervorbringen können; was auch gär nicht zu verwundern ist. Jede Empfindung, folglich auch die Empfindung des Erhabenen, hat nicht nur ihre verschiedenen Grade, sondern duldet und empfängt auch, durch Verbindung mit verwandten Em^