Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-09-16 · Heft 32 (16.9.1883) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 32 (16.9.1883)
Date
1883-09-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3452915-3452947--0731-3454797
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 2 — So mögen wir das ,Glück' m i t u n s e r e.n Lie & e n . finden und vor Enttäuschung bewahrt bleiben. Und in der Hoffnung, daß dies geschehe, rufe ich allen lieben Amtsbrüdern und Freunden «us Nah und Fern aus voller. Seele und aufrichtigem Herzen zu: Glück im neuen Ja h r e! 5 644!!! Gesangmeister nnd Lehrmethoden. (Fortsetzung.) Man wird,, in׳ künftigen .Zeiten wohl nicht mehr leiden, daß die Instrumente mit der Singstimme beständig im Ein-' klänge Meten,- was -eine Erfindung derv,Unwissenheit ist, um vor', dem Volke--die-Schwäche so mancher Sänger und Sängerinnen zu verstecken. Die Arien werden die fast verlorene Harmonie der; Begleitung..mieder bekommen, sie werden mehr , für die Sänger als-für. die:Zufilumentisten gesetzt!ein. Die Singstimme wird nicht mehr den Verdruß haben, ihren Matz 'den . Violinen -einzuräümest, die' Soprane und die Altstimmen werden nicht alle Arimr-wie die Väffe zu-fingen bekommen, tausend aufeinander folgenden Octaven zum. Trotze. —: (Ist in überreichem Maße im 19. .Jahrhundert erfüllt.) . ' ,Wie viele Sänger gibt cs, die nach dem Augenblicke seufzen, in welchem sie der Beschwerlichkeit des Lernens der ersten Anfangsgründe los werden möchten, um. in. den Schwarm der Mittelmäßigen cintreten zu können!'. — (Tout comme chez nous!); : .! ,Weirn ein Sänger Verstand besitzt, so wird er niemals ohne gegründete Ursache die höchst abgeschmackten und gezwungenen Worte, welche Jedermann zuwider, und doch so sehr im Gebrauch sind, aus seinem Munde gehen lassen: ,heute kann ich nicht singen, ich bin bis zum Sterben heiser", und indem man sagt: ^ich bitte mich zu entschuldigen', hustet man ein wenig. Ich könnte selbst bezeugen, daß ich in meinem ganzen, ziemlich!äugen Leben nie von einem Sänger die erfreuliche Wahrheit hake sagen hören: .heute befinde ich mich,wohl'. Sie versparcn vielmehr diese Offenheit aus den folgenden Tag, an.welchem sie hernach kein Bedenken tragen, zu lagen: ,ich bin mein Lebtage niemals mit meiner Stimme so. wohl daran gewesen als gestern'.; - - Er wird auch die Eitelkeit des Sängers nicht ertragen können, welcher um des Wenigen ׳willen, was er etwa, gelernt hat, von sich selbst eingenommen, sich selbst nur hören will, und zwar mit solchem Vergnügen, als wenn er in Entzücken geriethe. Er betet sich selbst an, er ist willens das ganze׳ menschliche Geschlecht-zu tyrannisiren, und gebietet nichts Geringeres/ als: Stillschweigen und Bewunderung. Die ׳ erste Note, welche er vörbringt, soll gleichsam der ganzen. Versammlung sagen: ׳,Höre und stirb!' .... .. .’ (Guter alter Singmeister: so ging es — und geht , es noch heute!) — ׳ ,Ein rechtschaffener Meister, wird diejenigen Sänger auslachen, die nicht recitiren wollen, wenn sie nicht das Opernbuch And den Compönisten nach ihrem Gefallen'׳-ausgesucht Haben, auch wohl noch dazu mit der Bedingung/ nicht in Gesellschaft Mit diesem Sänger, aber auch nicht ohne jene Sängerin zu singen. Ein guter Meister wird den Sänger verachten, der niemals mit seiner Nolle zufrieden ist und sie doch niemals recht gelernt hat, wie einen, der nicht, singen will, ohne in alle Opern eine Arie einschalten zu können, welche er immer in der Tasche bei sich trägt, oder eineu/ der den Componisten besticht, um eine Arie zu haben, welche einem Andern bestimmt war, und einen der eine Menge unnützer Dinge lernen will und hie wichtigsten darüber versäumt. ״ ־ v י : ׳- Ein erfahrener Meister weiß,, daß der. rechte Sänger.und Musiker nur der freundlichen Unterweisung bedarf und keines gewaltsamen Antriebes, min zu studiren. Von. seiner eigenen Sehnsucht getrieben, läuft er zu seinem ׳ geliebten Instrumente dabei wird er durch fleißige Anfmerkiämkeit gewahr, daß er.doch noch nicht Ursache bat, mit dem. was er schon gelernt, zufrieden zu sein. Er macht neue Entdeckungen nnd erfindet Veränderungen, unter welchen er nach reifen und wohl überlegten Vergleichungen die besten׳ wählet, mit . welchen er auch so -lange zufrieden bleibt, als er sie für die besten erkennt. Er bemüht sich aber so lange immer weiter, nachzuforschen, bis er immer . wieder verschiedene andere findet, 'die seiner Neigung und Achtung noch ׳ immer würdiger werden/ Er gelangt endlich zu einer, fast unendlichen Zahl von. Veränderungen und Wendungen, vermittelst welcher er seine Einsicht'io äufschließt, daß die!verborgensten Schätze der Kunst sich ihm freiwillig darbieten. So mußmanstndlren/ - Laßt euch niemals an nur mittelmäßigen Verdiensten genügen, sie werden oft verdunkelt/- große Verdienste haben aber ein dauerhaftes Licht. Studirt in anderer Leute Fehlern.. .Welche eine große Lection! Sie kostet wenig, sie lehret viel, man lernet von Allen und der Allerunwissendste ist für uns der größte Meister.' Bei all' diesen Lehren und Aussprüchen, die noch bis zur Stunde für jeden Lehrer und jed.cn Sänger von höchstem Nutzen und Interesse sind und seiw müssen, kam mir . das Märchen von der guten Fee in den Sinn, aus deren holdem Munde, wenn sie redete, Perlen träufelten Einen Zänberer könnte, man wohl den ,welschen' Musikmeister nennen:- er spricht in der That Edelsteine. ׳ יי י ׳ ׳ י יי'״' י J ־" Dem alten Italiener steht ein berühmter deutscher Singlehrer gegenüber, der würdige Hiller, Eäntor der älten Tbomasschule, einer der Nachfolger Bach's. Schon in frühester Ingen!) war der Gesang seine Lieblingsbeschästigüng, und dä lief er denn, in Ermangelung jedes änderen Text- oder Notenbuches,'Mit dem Gesaugbuchc seiner Mutter, der" armen ' Schulkehrerswitwe in Wendisch-Ossig, hinaus in den Wald, um mit seiner Hellen Discantstimme die längsten^ Passionsünd-'Sterbblieder ׳^zu ׳singen, die er nur findest konnte. ׳ Nichts verrieth in -dem ernsthaften Knaben, der unter Noth und Entbehrung aufwüchs. ' den ichalkhast lächelnden späteren Componisten ׳'des- ,Lottcheu -am׳'Hofe' des .Dorfbarbier' und 'der ,Liebe ans׳ dem' Lande'/-- In zierlichster Kleidung, die frisch׳ gepuderte Perrucke ׳ mit'׳ dem'׳ schwarzseidenen Haarbeutel über der ׳heiteren Stirn, - saß׳ er in Leipzig in der Loge ' des Theaters' neben seinem gelehrten Gaste, -dem englischen ׳ Musikreisenden Dr. Burney und entlockte ihm bas schriftliche Geständniß, daß er sich an dem außerordentlich-guten Herzen und der großen Kunstgelebrsämkeit - des Herrn Eäntor weit mehr erfreut habe, als —׳ an den Sängern auf der Bühne Der׳ Fremde fällte damals ׳ein sehr strenges Urtheil übsr die Leipziger Sänger. ׳ ' Von einer Opernprobe, in die ihn der freundliche Eäntor mitnahm, berichtet er nämlich wörtlich : »Die gegenwärtige Gesellschast singt so gemein und alltäglich, als bei 7uns die׳ Leute zu singen pflegen, welche weder den Vortheil eines musikalischen Unterrichtes gehabt, noch jemals gute Sänger gehörte Haben.׳ Sie haben gerade den kreischenden Hauch, wenn sie die hohen Noten angeben und stoßen ihn mit der vollen Stärke heraus,-gleich dem starken Anschläge einer ׳Strohsiedel, anstatt ihn mit., einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.