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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-09-16 · Heft 32 (16.9.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 32 (16.9.1883)
Date
1883-09-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische -Präniimerlltlllns-PrelL für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig . . fl: 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. Lustkllaag in’* Ha«,. - Organ kür die Ge5Mmt-IlliereWll jüdiHer Gntmu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor IcrAob Wauev. ^RctlaxrftBm und Administration Lropol-sta-t, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 38. Wiel^ 16. September 1883. 3. Jahrgang. SchluWetrachtung über das Jahr 5643. Von W. Mnlner, ׳. Cantor und Lehrer in Bunzlau in Preußen. Dje Scheidestunde unseres Tempeljahres rückt immer näher. Bange pocht uns-dqs^^Herz^^Mi^Mefften^-fftarrLirMttr^iecZukunft hinaus, forschend und sorgenvoll, aber die Zukunft liegt in tiefes Dunkel.gehüllt, des Sterblichen Auge vermag sie nicht zu erschauen. Der Trennungsftunde wirp Mit Rührung eine Thräne geweiht, doch Wenige mögen in die Vergangenheit zurückblicken. Möge das kommende Zahr den: H.nlse Israel und allen guten Menschen Frieden bringen! Wie viele Hoffnungen sind nicht auf das alte Jahr gesetzt worden, doch, nur Seifenblasen, die . keine Spur zurücklassen, waren die Wünsche all'.. — ' . ' " .־.' ' . Trotz allen Erfahrungen, die wirtäglich . machen, wollen wir immer hemmend^dem Schicksale entgegentreten und unser Wünschen und Verlangen hat. kein Ende. Warum bauen wir nicht, frei von allen Vorurtheilen, ein kleines, bescheidenes Häuschen mit der Firma: ,Zur Zufriedenheit und Einigkeit' in unserer Mitte auf, das für weniger ,Jammern' noch genug Raum bietet? Sieht doch der denkende College, daß von Jahr zu Jahr sein Hoffnungskreis bescheidener wird, während der jüngere Amtsbruder, wie er einst, im Zukunststraume schwelgt. Wohl wissen wir auch: nicht in der Erfüllung unserer Traume, sondern in dem Träumen selbst ist unser Glück enthalten. Wohl dem, der nie die Enttäuschung.in nackter Prosa geschaut. Wenn auch die Glückseligkeitsformeln verschieden sind, der Eine dies, der Andere jenes Ziel erstrebt, so muß doch die große Kette der Collegialität uns miteinander verbinden, vereinigen und verknüpfen. Wer die große Gesammtheit nicht im Auge hat und. nur für sich schaffen und wirken will, der wird am Ende doch zur Einsicht gelangen, ausgeschloffen kopfhängerisch, gelebt zu haben, d. h. er hat kein Eigenthumsrecht erworben unter seinen Brüdern, weil er nicht beherzigt die Worte, die oft über seine Lippen gegangen: ״w’jeosu clnjlom agudo echos“, daß sie alle in einen Bund sich einen, j,belewow scholem“ mit aufrichtigem Herzen. Darum wollen wir eine eleetrische Leitung für all' die Brüder schaffen, die noch von Vorurtheilen befangen sind und jede neue Anregung verpönen, damit alle einmüthig arbeiten und eng miteinander verbunden werden. Hat doch jeder Stand seine Last, bringt doch jedes Amt Sorgen mit sich, die auch wir zur Genüge kennen- Auch die Sorgen haben ihr Gntes, denn ohne sie würden wir planlos von einem Augenblick. zUL^an.der1L«.hinlLben, Mhne der Zukunft und der Arbeit eingedenk zu sein. Darum nämlich entschlossen der Zukunft entgegen sehen, Gottvertrauen besitzen und nicht müßig die Hände in den Schooß gelegt, Ernst, Wahrheit und Klugheit anwenden, um dem Nebel auszuweichen, das unseren Stand bedroht. Unnütz ist all' das Kümmern und Fürchten, das wir so oft als Jeremiaden lesen.׳ Der Zeit und den Anforderungen derselben muß Rechnung getragen werden, entflammen müffen wir den alten Brudersinn in Israel, damit das Bruderherz in Jacob kein Wahngebilde werde. Nicht zurückstehen dürfen wir in socialer Gesellschaft, hinwirkeu müssen, wir ein Cantorenftand comme il faut zu sein, dann wird auch der Staat uns die Anerkennung nicht versagen, die uns jetzt noch nicht zu Theil werden kann. Hinweg darum mit Vorurtheilen und Widerwillen gegen Alles, was den Stempel der Neuheit an sich trägt. Untersucht und erprobt werde alles Unbekannte, bevor der Stab über neue Einrichtungen gebrochen wird. Ist denn alles Alte gut, haüen wir nicht tägliche Ueberzeugung, daß Vieles, was man für ,ehrwürdig' hält, nur aus alter Gewohnheit als ein trauriges Zeichen des Unverwendbaren noch inne gehalten wird? Auch diejenigen Herren Amtsgenoffen, welche die goldene Zeit der Jugend und der Träume längst hinter sich haben, werden es zugestehen, daß Kunst und Wissenschaft unserem Stande, noch mehr als bis jetzt geschehen, Eigenthum werden muß. Aber die Erkenntniß darf uns trotzdem nicht verloren gehen, daß das höchste Glück, welches nicht trügt, überhaupt nicht außer uns zu suchen ist, sondern n u r i n uns selb st, nicht in dem, was in weiter Ferne erscheint, sondern in dem, was uns z u n ä ch st liegt. ,Glücklich ist nur der hienieden, Den nicht quält der böse Neid, Der mit Wenigem zufrieden, Seines Lebens sich erfreut.'

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