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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-09-08 · Heft 31 (8.9.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 31 (8.9.1883)
Date
1883-09-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 Lie Frage stellen: ,Ja, wie paßt dies Alles zu der Uebericbrift des Aussatzes,׳ Chasonus?' — Wir vermeinen, diese Ueberschrist durch unsere Klarlegungen gerechtfertigt zu haben. Bevor der stürmische Luftzug der modernen Richtung au den Thoren jüdischer -Gotteshäuser rüttelte, gab es für den jüdischen Borbeter nur eine fachmännische,Mithilfe, nur eine Ausstattung nur eine Kunstfertigkeit — das geliebte Ehasonus. — Die Neuzeit hat es zu Wege gebracht, das theuere Vermächtnis beinahe zu ver- Nichten — und dafür andere Glücksgüter substilnirr — Predigt, Choral, Chördirigent. Orgel rc. das sind leider die modernen Errungenschaften, welche die Wirksamkeit des jüdischen Borbetcrs heben (?) sollen — und dennoch liegt der ganze Schwerpunkt des modernen jüdischen Cantors in der Rückkehr zum einstigen Chasonus. Gejangmeifler und Lehrmethoden. (Fortsetzung.) Ehe ein Lehrmeister an fängt Unterricht zu geben, rathe ich ihm vorher die Dcrse Virgil's zu lesen: 816״ v08 non vobis.a Ihr arbeitet nicht für euch! Sodann höre ein Lehrer mit uneigennützigen Ohren, ob der, welcher bei ihm lernen will, Stimme und Fähigkeit zum Singen habe, damit er nickt Gott strenge Rechenschaft dafür geben müsse, wenn er die Eltern ihr Geld übel anlegen lassen, und das Kind durch den unersetzlichen Verlust der Zeit, die ihm in irgend einer andern Profession würde nützlich gewesen sein, betrogen hat. Die Sangmeister der vorigen Zeiten unterschieden den Neichen, welcher die Singkunst zu seiner edlen Zierde erlernen wollte, von dem Armen, welcher sich um seines Unterhalts willen darauf zu legen suchte. Jenen unterrichteten sie um Geld zu verdienen, diesen aber aus Menschenliebe, wenn sie, statt der Dukaten, Fähigkeiten an ihm bemerkten. Die wenigsten Neuern weisen die Schaaren ab, und wenn diese nur bezahlen, so liegt jenen wenig daran, ob ihr Heißhunger auch gleich die Professionsverwandten verderbt und die Profession zu Grunde richtet. Meine Herren Meister, Welschland hört nicht mehr die besten Stimmen der vergangenen Zeiten, absonderlich bei dem Frauenzimmer; und zur Beschämung derer, die Schuld daran sind, will ich sagen warum. Die Unwissenheit läßt die Eltern nicht mehr die Häßlichkeit der Stimmen ihrer Töchter bemerken, so wie dagegen die Armuth sie glauben machet, daß Singen und Reichwerden einerlei sei und daß man, um Singen zu lernen, weiter nichts nöthig habe, als ein hübsch Gesichtchen. Könnt ihr sie unterrichten?! — Von der ersten Unterweisnngsstunde bis zur letzten erinnere sich der Meister, daß er alles dessen, was er gelehrt hat, und aller Fehler, die er nicht verbessert hat, schuldig ist. Er sei mäßig streng, er mache sich fürchten ohne Haß wider sich zu erregen. Ich weiß zwar wohl, daß es nicht leicht ist, die Mittelstraße zwischen Strenge und Gelindigkeit zu treffen, ich weiß aber auch, daß das Ueberlriebene auf beiden Seilen schädlich ist. Denn aus der ausschweifenden Härte entspringt öfter Halsstarrigkeit, und aus der allzugroßen Nachsicht — Verachtung. Der Lehrer lehre zunächst seinen Schüler richtig solemisiren und sei besorgt, daß die Töne von dem Schüler, indem er ihre Namen singt, vollkommen rein angegeben werden. Wer kein feines Gehör hat, der sollte nicht unternehmen. weder zu lehren, noch zu singen, indem der Fehler einer Stimme, welche steigt und fällt wie die Ebbe und Flnth, schlechterdings unerträglich ist. Bei dem Solfeggiren suche der Lehrmeister den Schüler nur nach und nach die hohen Töne gewinnen zu lassen, und be׳ achte hierbei, daß, je böher die Töne sind, je sanfter sie angegeben werden müssen. Der Lehrmeister lasse ja den Scküler alle Selbstlaute deutlich außsprechen, damit man diejenigen wirklich hör?, die man hören soll. Einige glauben, sie singen das a und lassen doch ein 6 hören. Manche Säuger ׳geben sich die Mühe affeetirt zu singen, weil sie sich schämen, den Mund ein wenig mehr zu eröffnen. Einige dagegen, vielleicht weil sie den Mund zu weit anfsperren, verwechseln die beiden ersten Selbstlaute mir dem o und alsdann ist es nicht möglich zu vern-.hmen, ob sie Kalls, oder 8611a, 86880 oder 88.330, mare oder inore gesagt haben. Man muß \ Den Schüler immer stehend singen lassen, damit die Stimme völlige Freiheit habe sich zu bilden. Der Meister sei besorgt, daß der Schüler im Singen sich in einer edlen Leibesstellung halte, damit er die Zuhörer auch durch eine anständige Gestalt vergnüge. Er verbiete es ernstlich, wenn Grimassen mir dem Kopfe, dem Leibe und vornehmlich mit dem Munde gemacht werden. Der Mund muß, wenn es anders der Sinn der Worte ertaubet, eine solche Stellung annehmen, welche mehr einem angenehmen Lächeln als einem, ernsthaften Amlsgesickte gleichet. Wenn der Meister den Schüler Worte singen läßt, ehe er noch frei und sicher solfeggiren und mit Vorschlägen ans den Vocalen singen kann, so verdirbt er ihn. Er gewöhne den Scholaren oft in Gegenwart von solchen Personen zu singen, die wegen ihres Standes oder wegen ihrer Einsicht in die Musik in Ansehen stehen, damit derselbe nach und nach die Furchtsamkeit verliere und also dreist, aber nicht unverschämt und frech werde. Eine edle Kühnheit ist die erstgeborene Tochter des Glücks und an einem Sänger wird sie zum wirklichen Verdienste. Im Gegentheil, wer furchtsam ist, ist sehr unglücklich. Unterdrückt von der Beschwerlichkeit des Athemholens, zittert ihm die Stimme beständig. Fast bei jeder Note muß er schlnckeu und verliert dadurch die Zeit. Es kränkt ihn, daß er seine Geschicklichkeit nicht an andere Orte außer dem Hause mit sich nehmen kann. Er machet die Zuhörer verdrießlich und verdirbt die Compositionen dergestalt, daß man sie nicht mehr für das, was sie sind, erkennen kann. Ein furchtsamer Sänger ist unglücklich wie ein Verschwender, welcher auf eine elende Art arm ward e. Das Singen verlangt die Anwendung eines so großen Fleißes, daß man sogar in Gedanken studiren muß. wenn man mit der Stimme nicht kann. Ein junger Anfänger in der Singknnst suche, so oft es möglich ist, die berühmtesten Sänger und auch die besten Znstrumenlisten zu hören. Denn aus der Ausmerkiamkeit auf ihren Vortrag kann man mein־ Nutzen ziehen, als aus irgend einer Unterweisung. Er suche hierauf die Einen und die Anderen zu copiren, um durch den Fleiß Anderer unvermerkt selvst in den guten Geschmack zu kommen. Auch lerne er sich selbst mir dem Clavier begleiten, wenn er Lust har gut singen zu lernen. Außerdem widerfährt es denen, die das Clavier nicht spielen können, sehr oft, daß sie ohne eines Anderen Bei- Hilfe sich nicht hören lassen, und wohl gar, zu ihrem großen Schaden und noch größerer Beichämnng, nicht einmal Befehlen hoher Standespersonen gehorsam sein können- So lange ein Sänger sich nicht selbst gefällt, wird er auch Anderen gewiß niemals gefallen können. Man erwäge also : wenn Sänger von mehr als gewöhnlicher Einsicht dieses Vergnügens beraubt sind, weil sie noch nicht genug gelernt haben, was soll wohl ein Anfänger thim"? Sindiren und immer studiren und sich nicht schon für gelehrt genug Hallen, wenn er kaum einige gefällige Kleinigkeiten begriffen hat. Ich Mächte behaupten,

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