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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-09-08 · Heft 31 (8.9.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 31 (8.9.1883)
Date
1883-09-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 solchen Voraussetzungen. Zudem macht das . continuirliche Orgelspielen einen ermüdenden Eindruck und trägt wesentlich zur Verschleppung deS Gottesdienstes bei. *) Wir gelangen nun zum wichtigsten Theil des synagogalen Orgelspieles, und zwar zu jenem Theile, .wo die Orgel als selbstständiges Znstrument auftritt. Zur besseren Klarlegung unserer Anschauung gestatte man uns eine kleine Vorbemerkung. Mancher von uns wird sich des Eindruckes erinnern, den er beim Besuche einer Bildergalerie empfand, allwo vorwiegend Momente der christlichen Neligionsgeschichte durch den Pinsel verzeichnet erscheinen. Selbst bei der objcctiv-idealsten Auffassung, dem gereistesten Urihcil und bei der entsprechend günstigsten Beurtheilung der Ln Augenschein genommenen Objecte, können wir uns beim Anblicke gewisser bekannter Scenen eines unangenehmen Gefnbles nicht entwebrcn; wie angenehm, ja geradezu beruhigend wirkt jedoch das neben der obenerwähnten christlichen Malerei befindliche Bild, eine alttestamenrliche Handlung versinnlichend! Also nicht das Kunstproduct der Malerei selbst macht auf uns den angenehmen oder gegentheiligen Eindruck, sondern der Znhalt derselben, dasjenige, was durch die Malerei dargestellt erscheint. Dasselbe Bewenden bat es auch mit den Tönen der Orgel — nicht das Orgelspiel selbst ist uns unangenehm, obgleich es scheinbar wohl die Wirkung hervorbringt, sondern die Klang- Wirkung, die auf derselben hervorgcbracht wird. Der Jude kennt die Wirkung der Orgel lediglich von der Kirche her, deshalb sträubt sich sein religiöses Gemüth gegen die bekannten kirchlichen Anklänge; falls jedoch auf derselben eine bekannte altjüdische Melodie angestimmt wird, so schwindet das Vorurthcil, die Anschauung wird eine mildere und er erblickt in dem Instrumente, welches ihm diese geliebten Töne, gleichsam wie einen holden Traum ans entschwundener Jugendzeit vor die Seele zaubert, als Vermittler dieses angenehmen Geschehnisses einen lieben trauten, durchaus nicht unbekannten Freund. Das ist die einfache Lösung des schwierigen Problems, auf welche Weise die Orgel in der Synagoge eine sichere liebe Heimath stnden könnte; anstatt der allerdings meisterhaften — aber in streng ch-.istlichem Sinne verarbciietcn Motive über ,Christ lag in Todesbaudcu* und Aehulicber — verwende man als Prä- oder Postludium die Moiive jener alten Melodien, die ja der Synagogengesang zu Hunderten sein eigen nennt und man wird in kürzester Zeit den Segen einer solchen Bestrebung erblicken. Wie wenig ist jedo.o nach dieser Richtung geschehen! Anstatt nach dem von-Sulzerin Schir Zion 1^ durch Verarbeitung der Al horischonim- ‘TTDrr-Z^no—ni-'ono^Motive für die Orgel gebotenen Fingerzeig zum Nachstrebcn angeeifert zu werden, mußte die Synagoge eine Versuchsstätte für ,kirchengesangliche Neformationsgelüste" sein und all' die mühseligen, aber leider unpraklischen und deshalb auch bald verschollenen Arbeiten, die ihr in der Gestalt von Vor-, Nach- und Zwischenspielen aufgedrängt wurden, veidauen. Wie viel wurde seit dem die Orgel dem Synagogeugcsangc einverleibt ward, in den Synagogen orgelgespielt und und was wurde gespielt. Man studire die zu Markte gebrachten Synagogeu-Orgelcompositionen und mau wird sehr bald zum Bewußtsein gelangen, daß die momentane Zerfahrenheit auf dem bczeichneten Gebiete eine berechtigte, durch Unkenntniß und falsche Anordnung des Stoffes leider geradezu vorbereitete sei. Allein das Geschichtlich-Wahre stndet dennoch seine Berücksichtigung und bricht sich endlich, wenn auch etwas später, *)Einer unserer Collegen schrieb sogar einen Wochentags Mincha- Gottesdienst mit. Orgelbegleitung. Bahn ,und den Männern gebührt der Dankeszoll in vollem Maße, die..unbeirrt durch unpraktisches, jedes logischen Gedankenganges baren Strebens, das Panier ibrer errungenen Ueberzeugung Hochbalten und weit eher mit ihrem Zielbewußtsein unterzugehen bereit sind, als sich vor dem Götzen einer krankhaft überreizten, widerspruchsvollen Zeitströmung zu beugen. Deshalb fühlen wir uns dankbar verpflichtet, hier auf zwei Männer hinzuweisen, die den Intentionen des Geschichtlich-Wahren auf dem Gebiete der Synagogengesangs-Eutwickelung, n a me n t l i ch w a & bie Orgel betrifft, gefolgt sind und daher unter der Anzahl jüdischer und auch christlicher Synagogengesangs-Componisten wie zwei Lichtgcstalteu hervorragen; es sind dies Meister Levandofsky aus Berlin und Deutsch in Breslau.< — Hätte Levandovsky' nichts weiter geschrieben als seine עבודה mit Orgelbegleituug und die verschiedenen Orgelzwischenspiele — der uiutmidnvitifte Dank der Fachkreise wäre ihm für ewige Zeiten sicher — j.-den, jüdischen Cantor, in dessen Synagoge die Orgel eingefnhrt ist, so wie jedem Synagogengesangs-Componisten sei es hiermit wärmstens an's Herz gelegt, diese angedendeten Compositionen Levandossky's zu studiren, damit er znm Bewußtsein gelange, was die meisten Orgelsynagogen bis heute entbehren und die Art und Weise erfahre, wie das Orgelspiclinaterial für die Synagoge zu verarbeiten sei. Und College Moritz.Deutsch! Da liegt ein unansehnliches, nur aus zehn Druckseiten bestehendes Norenheft, betitelt ,Prä- Indien nach alten Synagogen-Zntonationen' vor uns — ein Heftchen, welches von den Fachgenossen bis nun leider so ziemlich unbeachtet geblieben; allein, dieses kleine Heftchen mit seinen zehn Druckseiten führt eine beredtere, heiligere Sprache, als mancher Synagogengesaugsfoliant, der als armseliger Zeuge dünkelhaften Strebens der Mit- und Nachwelt überliefert wird. Da erblicken wir in Nr. Z eine geistreiche Verarbeitung der 88510-אדיד הלאdie; Nr. 4 das farbenprächtig strahlende 2הדא<2וני ^-Motiv; Nr. 5 die charakteristischen Klänge des אנא und הודו; Nr. 7 die reckenhafte Cbanuka-Hymne; Nr. 12 eine reizende Wiedergabe des Pismon יחביאנו צל ידף mit einem herrlichen großaufgebauten Nachsatze über das winzige Motiv des lythnrgischen Gesanges סלה נא לעון העם חוה — alles kunstvoll und formvollendet gearbeitet. Da pulsier jüdisches Leben, so warm und sugendfrisch, daß die von der unglückseligen Zeitströmnng eisig kalt äugehauchten und bereits erstarrten Glieder zu neuem, kräftigen Leben erwachen und Zengniß ablegen von dem unversiegbaren Quell ewiger Wahrheit und echter Kunstbestrebnng. Diese zehn Druckseiten der Deutsch'schen Orgelpräludien zeugen nicht allein von der Tüchtigkeit und fachmännischen Reife ihres Schöpfers, sondern durch ihr unverdientes Nichtbeachtetwerden leider in negativer Beziehung auch von der zweifelhaften, urtbeilsschwachen und zumeist auch unwissenden und deshalb dünkelhaften Masse, die in unseren Tagen in vorlauter Weise über Kunststreben und Knustschöpsnng zu Gerichte sitzt. Diese von uns angedeutetc Weise des Orgelspieles muß in den nächsten Jahren in allen Orgelsynagogen eine treue Pflanzstätte sinden, soll die Orgel überhaupt Gemeingut des Judenthums werden. — Sollte jedoch dieser unser Mahnruf vom lauten. Rauschen der leeren Sangen übertönt werden — nun denn, so haben wir im Interesse der heiligen Sache nufere Pflicht erfüllt. Das gedruckte Wort ist ein Dokument für ewige Zeiten und die Nachwelt hat darüber zu urtheilen, wessen Anschauung die richtige sei und wer den Muth hatte, dieselbe offen und ehrlich zu Nutz und Frommen des wichtigen Gegenstandes kund zu geben.. Wir stehen am Ende unserer Betrachtung und Mancher könnte ungläubig das Haupt schütteln und in sarkastischer Weise

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