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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-08-31 · Heft 30 (31.8.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 30 (31.8.1883)
Date
1883-08-31
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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- e die Festrede hielt, in welcher er die Bedeutung des israelitischen Gotteshauses in den verschiedenen Epochen der alten und' neuen Zeit besprach. Mit lebhafter Phantasie schilderte der Redner die Pracht und Herrlichkeit des jerusalemitischen Tempels als בית המקדש, in welchem tausendstimmige Jubel-Chöre beim Opserdienste ertönten; zeichnete dann in düsteren wehmuthsvollen Zügen die von den in allen Welttheilen zerstreuten Juden errichteten Synagogen בתי בנסיות, Ln welchen statt der früheren Dank- und Lobeshymnen zumeist nur Jammer- und Klagetöne über Haß und Verfolgungen der beengten Brust des hart bedrückten Juden sich entrangen, und ging dann zu dem Tempel der Neuzeit über, welcher als בית התפילה seine erste Bestimmung (כי עד הוא בינותינו׳ כי ה׳ הוא האלקים) ein Zeuge unseres Glaubens und Bekenntnisses zu sein, wieder erhielt; zugleich auch als Zeugniß unserer wunderbaren Erhaltung unter den Völkern הן עד לאמים נתתיוס) eingesetzt ist. Ergreifend war die Erinnerung an die Geschichte der Juden in Leitmeritz, in welcher Stadt einst eine blühende Gemeinde dem blinden Glaubenshasse und der Verfolgung zum Opfer fiel, wo seit Jahr- Hunderten weder ein jüdisches Haus, noch eine jüdische Familie gegründet werden durfte und wo es sogar keinem Juden gestattet war, seinem müden Körper eine nächtliche Ruhe zu gönnen; wobei der Redner eines hier noch lebenden Mitgliedes unserer neuen Gemeinde als Zeugen gedachte, der vor kaum einem halben Jahrhundert sich für die Abgabe einer Steuer den Aufenthalt daselbst während der Tageszeit erbitten mußte, und heute, als geachteter Bürger dieser Stadt es erlebt hat, daß eine circa 80 Familien zählende jüdische Gemeinde ein schönes Bethaus zur Verehrung und Verherrlichung des einzig einigen Gottes einweihet. Hier hob der Redner die gnadenreiche und huldvolle Regierung unseres erhabenen Monarchen glänzend hervor; rühmte im Gefühle der Dankbarkeit die Liebe und Treue unseres allgeliebten Laudesvaters, die dieser uns seinen Unterthanen stets erweiset, forderte die zahlreichen Anwesenden zur Treue und Auhänglichkeit an das glorreiche Herrscherhaus, an Thron und Vaterland auf und feierte so. Len Geburtstag Sr. Majestät unseres Kaisers Franz Josef I. auf die würdigste Weise. Diese in ihren Hauptzügen wiedergegebene, logisch gegliederte und wohldurchdachte Rede, bildete den Glanzpunkt der Feierlichkeit. Die schöne Sprache und der gefühlvolle Ausdruck machten auf die Zuhörer sowohl jüdischer, als christlicher Cousestion einen erhebenden Eindruck, der Allen in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Hierauf folgte das vom Männerchor gesungene Gebet von Otto. Dann sprach wieder Herr Wittenberg vor offener Bundeslade das Gebet für das allerhöchste Kaiserhaus, für sämmtliche Staats- und hiesige Eoininunal-Beainte, nach welchem mit der Absingung der Volkshymne der erste Theil des Festgottesdienstes schloß. Bei dem nun gefolgten Abendgebete hatte Herr Wittenberg, in seiner Eigenschaft als Cantor, Gelegenheit, seine sonore, wohlklingende Baritonstimme, verbunden mit einem schönen und würdigen Vortrage, trotz seiner vorausgegangenen großen Anstrengung, zur vollen Geltung zu bringen. Unter den zahlreich erschienenen Gästen sind folgende Herren besonders zu erwähnen: Der k. k. Kreisgerichtspräsident, Hofrath Ritter von Limbek, der k. k. Nezirkshauptmann, Statthaltereirath Stummer in Begleitung des k. k. Bezirkscommissärs Blume und des k. k. Secretärs Schneider, der Herr Bürgermeister Gebhard und mehrere Stadträthe; der Neichsrathsabgeordnete Meister, der k. k. Postcornmissär Heisinger, der Laudesgerichtsrath Funke und viele Andere, welche insge'ammt bis nach Schluß des ganzen Gottesdienstes ausharrten und Herrn Wittenberg auf's freundlichste beglückwünschten. Knttenptan, 23. August 1883. (Orig.-Corresp.) In der hiesigen Cultusgcmeinde fand Samstag den 18. d. M. um 9V2 Uhr Vormittags im Tempel ein solenner Gottesdienst zu Ehren des Geburtsfestes Sr. Majestät unseres erhabenen Monarchen statt, wo fcel. offener heiligen Bundeslade ein eigens zu diesem Feste verfaßtes Gebet für unseren allgeliebten Landesvater sammt kaiserlichen Familie und hohen Staatsbehörden vorgetragen wurde, den Schluß .,bildete das Absingen der Volkshymne von der gesammten hiesigen israelitischen Schuljugend. Dem feierlichen Act wohnten sehr viele Gemeindeglieder, an der Spitze der Cultusvorsiand, und andere Honoratioren der Stadt bei. KottöttS, im August 1833. ,Zur Ehre Gottes und seines heiligen Werkes * ist die Ueberschrift des neuen Andachtsbuches, welches unter dem Titel: Gebete und Gesänge zum Gebrauche beim öffentlichen Gottesdienst rc. von M. T i n t n e r, Prediger und Cantor in Buuzlau (Selbstverlag) soeben erschienen ist. Dieses jüngste liebliche Geifteskind unseres tüchtigen und rastlos schaffenden Collegen bildet ein wahres Vademecum für jeden Cnltusbeamten, der entweder zeitweise oder permanent (in kleineren Gemeinden, wo kein Rabbiner existirt) die Stelle des Predigers zu vertreten hat. Denn es enthält zuvörderst: Ansprachen für alle Sabbathe des Jahres, Casual- Gebete; ferner Ansprachen für die drei Wallfahrtsfeste; Todteufeier, (Betrachtungen), Bnndesfeier בדית מילה, Confirmätionsfeier (Gebete. Fragen und Antworten), Bedecken der Braut, Tr auung, ein Gebet bei der Hochzeitstafel, Gebete bei Leichenbegängnissen und endlich zum Geburtstag des Landesfürsten u. s. w. Bei dieser seltenen Reichhaltigkeit und Gediegenheit ist der Preis so gering (l M. 50 Pf. für alle 3 Hefte), daß gewiß kein Coll ege es unterlassen wird, diesen treuen Begleiter und Nathgeber in Freud und Leid sich anzuschaffen. Nirgends lassen sich die heiligen Worte unserer Weisen: דברים היוצאים מן הלב נכנסים אל הלב besser verwenden, als an diesem unversiegbaren O n e l l echt religiöser Erbauung und wahrer Andacht, welcher aus der kraftbeschwingten Feder unseres Collegen משד Tintner so rein und llar hervorströmt, dessen lebenerfreuendes Wasser unsere Seele zu erfrischen und unser Herz zu laben bestimmt ist, denn wie es unsere Festfreuden erhöhen soll, so wird es uns auch stets reichen Trost und Balsam spenden in kummer- und trauervollen Tagen in allen Lebenslagen. Ich kann dieses wirklich nützliche Werkchen allen geehrten Berufsgenossen ans voller lleberzeugnng nur bestens empfehlen. A. Z. Aereschau, 30. Aug. (Orig.-Corresp.) Frau Marie Pribram, Herrschaftsbesttzeriii v. Liblin, durch ihren Wolthätigkeitssinn rühinlichst bekannt, spendete der hies. Cultusgem. über Befürwortung des H. Leo Popper den Betrag von 200 st. zur Nenovirung des Tempels. Derselbe steht um nen-restaurirt fertig und wird am 8. September durch unseren Cantor und Neli׳ gionslehrer seierlich eingeweicht werden. In demselben wird auch über Anregung des' Cult.-Vorstehers H. Louis Lederer nach der Entbindung unserer Kronprinzessin ein feierlicher Gottes' dienst sammt Predigt abgehalten werde n. Irelilisch, 27. August 1883. (Orig.-Corresp.) Herr Max Reiß, bisher Cantor und Religionslehrer in Znaim, erfüllte vor seinem Dienstantritte in Gitfchin einen Act kindlicher Pietät, indem er feinen hierorts wohnenden Schwiegereltern einen Besuch abstattete. Da dieser Besuch auf einen Sabbath stel, hatten wir zugleich Gelegenheit uns von der cantoraien Tüchtigkeit des Herrn Reiß zu überzeugen, welcher, die ihm vom Vorstande verehrten Haftoräh mit, vielem Verständnis, unterstützt von den prächtigsten Stimmmitteln, vortrug. Wir eoudoliren der Cnltusgemeinde Znaim zum Abgänge ihres, mehrere Jahre hindurch in der vortheilhaftesten Weise daselbst thätig gewesenen Cantors und NeligionslehrerS, Herrn Mar Reiß, und gratuliren der Cultusgemeinde Gitfchin, die ihn sofort nach Abhaltung eines Probevortrages zu ihrem Cantor und Religionslehrer erwählt hat. Vsritas.

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