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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-08-31 · Heft 30 (31.8.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 30 (31.8.1883)
Date
1883-08-31
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wtttschowih. (Nachfeier zum Geburtsfeste des Kronprin״ zen Rudolf). Die iu der hiesigen Jsraeliten-Gemeinde. seit der Geburt des Kronprinzen Rudolf bestehende Rudolf-Stiftung, feiert alljährlich, laut Statuten, am 21. August einen Fest-Gottesdienst und stilles Fest. Diesmal wurde dasselbe auf spezielle Anregung des Herrn Lehrers Gansel complicirter und besonders feierlich begangen, und bestand in Festgottesdienst und einer Abendunterhaltnng. Samstag Vormiltag fand der Festgoltesdienst statt. Der Tempel war in allen seinen Räumen votlgefüllt, denn es waren aucb verschiedene Vertretungen aus der Stadtgemeinde anwesend. Der Tempel war mit einer sehr langen schwarz-gelben Fahne beflaggt, und viele Kerzenflammen erhöhlen die Feier im Innern des Tempels. Zuerst sang die Schulfugend ein patriotisches Lied: ,Festgrust." Sodann recitirte Herr Cantor Nothwein einen Psalm, worauf ein, vom Professor Sulzer componirtes Lied (Psalm) von einem Knaben- und Mannerchvr intonirt wurde. Herr Rabbiner Dr. Löwy hielt eine dem Feste entsprechende Rede, die ebenfalls grasten Beifall fand. Nach Äbsingnng der Nudolfshymne wurde bei offener Bundeslade vom H. Rabbiner das übliche Gebet für das Kaiserhaus verrichtet und die Volkshymne abgesungsn. Bei dieser Gelegenheit müssen wir Herrn Ober-Cantor Nothwein, welcher sich einer sonoren Baritonstimme erfreut, für seine künstlichen Leistungen beim Gottesdienste, sowie für seine strebsame Leistungen zur Negelung des Chores, wozu ihm seine musikalischen Kenntnisse beförderlich sind, besonders lobend hervorhebeu. Bei der am selben Tage veranstalteten Abenduuterhaltung erntete unser Herr Cantor durch seine 2 Solovorträge viel Lob und Anerkennung. Von dem Reinerträge der Abendunterhaltung wurden das Kaiserpaar (2 Prachtbilder mit Nahmen) für die hiesige öffentliche deutsche Volksschule iu der Jsr. Gern, angekauft, und dem Leiter der Schule, Herrn Gansel, welcher sich um das Zustandekommen dieses allgemeinen Festes in ersten Linie die gröstten Verdienste erwarb, dem Zwecke entsprechend übergeben. ßonkanlinopek. Vorige Woche hat ein Diener eines englischen Unterthans M. Frinet, das Gerücht verbreitet, daß ein Jude seine zwei Söhne gestohlen habe. Das judenfeindliche Blatt ,Der Stambol" hatte daraus schon eine Jndenhetze machen wollen, und den Pöbel zur Plünderung der Juden anfgereizt. Der Jnstizminister liest aber sofort eine strenge Untersuchung einleiten, und es stellte sich sogleich heraus, dast Alles, von Anfang bis Ende, eine freche Lüge gewesen, welche nur ausgesprengt wurde, um Hast gegen die Juden zu erregen. Der Augenarzt des Sultans, Herr Dr. Elias Bey, ein Jude, welcher beim Kaiser sowohl, als auch bei allen Classen der Gesellschaft großes Ansehen hat, wurde jetzt zum Obersten ernannt. Er hatte in Paris und Berlin auf Kosten der türkischen Regierung studirt. Elias Bey ist Jude in Wort und That, und tritt für alle jüdischen Angelegenheiten thatkrästig ans. Okogow, 19. August 1883. In Strischow neben Nscheschow, waren vorigen Samstag, wie gewöhnlich, viel Frauen in der Synagoge, eine Frau (die Tochter des dortigen Rabbiners) wurde von einem Unwohlsein überfallen, weshalb sie auf den Balkon sich begeben hat. Als dies eine 75jährige alte Frau bemerkte, schrie sie, dast es in der Synagoge brennt, und in Folge dieses Lärms, drängten sich alle Frauen, mit der Alten an der Spitze, aus einmal zu dem Balkon. Der Balkon ist cingestürzt, die alte Frau blieb tobt auf der Stelle, und mehrere Frauen sind 'lebensgefährlich verletzt. Thatsächlich war keine Spur von Feuer, nur ein leichtsinniger Lärm, welcher so viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Wien. Erzherzog A l b r e ch t und der U h l a ». Aus Kasch au wird der ,Wien. Allg. Zeitg." berichtet: ,Dem Erzherzog Albrecht wurde für die Dauer seines hiesigen Aufent- Halts ein Uhlan zuzetheilt, dessen Pferd er auch benützte. Während der Uhlan dem Erzherzog beim Aufsitzen behilflich war. entspann sich zwischen dem Erzherzog und dem Soldaten folgendes Zwiegespräch: Erzherzog: ,Seit wann filzest dir zu Pferde?" —> Uhlan: ,Seit elf Monaten.* — Erzherzog: ,Wird daS Pferd vom Kanonendonner nicht scheu?" «— Uhlan: ,Nein, Hoheit." — Erzherzog: .Woher bist du? — Uhlan: ,Aus Galizien." — Erzherzog: .Wie kommt es, dast du Deutsch sprichst, während deine Gefährten nur Polnisch sprechen?" — Uhlan: ,Kaiserliche Hoheit, ich bin Jude, und die galizischen Juden sprechen auster Polnisch auch Deutsche —Erzherzog: ,Bist du Industrieller?" — Uhlan: ,Ich bin Branntweinbrenner."' — Erzherzog: .Wie lauge hast du noch zu dienen, mein Sohn?" Uhlan: ״Zwei Jahre, Hoheit." — Erzherzog: ,Möchtest du auch weiter dienen?" — Uhlan: ,Zu Befehl Eure Hoheit, ewig." — Erzherzog: »Gut, nietu Sohn. Komm' morgen Nachmittags zu mir, ich nehme dich mit mir." Hiemit hatte das Gespräch ein Ende. Der Erzherzog war mit dem Pferde sehr zufrieden, sagte dies auch dem Uhlan, als er von demselben herabstieg und befahl dem Manne, in die Satteltasche zu greifen und sich aus derselben sein Trinkgeld zu nehmen. Der Uhlan getraute sich nicht, in dieselbe zu greifen, als der Erzherzog jedoch seine Worte energisch wiederholte, entnahm er derselben eine Haudvoll Banknoten und steckte sie in die Tasche. Im Laufe des Nachmittags wurde der Uhlan beim Erzherzog vorgelasseu und von diesem sehr freundlich einpfaugeu. Der Erzherzog bol ihm Wein an und erkundigte sich um seine Familienverhältnisse. Der Name des Uhlanen, Jacob Schächter, lockte ein Lächeln auf die Lippen des Erzherzogs, er fügte jedoch hinzu, dast dies an der Sache nichts ändere. ,Mein Sohn." sagte der Erzherzog, ,du wirst noch heute mit dem Nachtzuge sammt deinem Pferde nach Wien reisen, die Montur ablegen und als mein Leibjäger in meine Dienste treten. Bist du zufrieden, mein Sohn?" — .Ich küsse Eurer k. Hoheit die Hände und Friste," war die Antwort. Der Befehl des Erz- Herzogs wurde pünktlich vollzogen. Jacob Sä-ächler ist gestern zum Antritte seines neuen Postens sammt seinem Pferde nach Wien gereist." Strllruvkriinderung. College M. Bachrach aus Olmütz ist an Stelle des versiorbenen Obercantor Winkler nach Gleiwitz als erster Cantor berufen worden und wird seinen Posten noch vor den hohen Feiertagen antreien. (Unsere herzlichste Gratulation dem Co liegen Bachrach zu seinem neuen Amtsantritte. Die Red. Correspondenz der Nedaetion. College!! S. in S., R. in B-, W. in W.-N., Gin Kr., 8. in P., R. in Gr., Bin Königs!). E. in R-, T. in M., M. in B-, bestätigen dankend die einges. Beträge. Gruß. Nud. in Ho. Sie haben blos ft. 1 zu senden, Nachdem mehrere diesbezügliche Anfragen einliefen, haben wir das ganze in Wien anfgestellte Programm veröffentlicht. Gruß. G. in Butsch. Wir begrüßen sie als unseren gesch. Mitarbeiter. Scho, in M.-O. Fortsetzung in nächster Nummer. Gruß. S. in K. Zu diesem Zwecke können wir ihnen die Firma M. Hirschler und Sohn, Stadt, Am Bergt 1׳ bestens anempfehlen. R. in N. In diesem Apell sind Sie nicht gemeint. Ihr Rückstand beläuft sich nur auf das laufende Quartal. Are KedacLio».

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