Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 30 (31.8.1883)
- Date
- 1883-08-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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— — des Anmuthigen (Lieblichen), und.des Niedlichen und Zierlichen — als vier Gattungen der Empfindungen, die sich am leichtesten und deutlichsten durch Musik auSdrücken lassen, und worüber man sich auch am leichtesten faßlich und bestimmt in Worten äußern kann. Eingebildet. Seit Gründung des Cantorenvereines bin ich Mitglied desselben, habe so manche Artikel in unserem hochgeschätzten Vereinsorgane von verehrten College» gelesen, jedoch nichts regte mich an, aus meiner Zurückgezogenheit herauszutreten, bis jetzt, wo es sich um das Wohl und Wehe unseres Cantorenstandes handelt. Die Herren College», welche eine definitive Stellung haben, können ganz sorgenlos für eine Cantorenschule plaidiren, aber wir armen Collegen in Böhmen, deren Existenz fast von jedem einzelnen Mitglied der Gemeinde abbängt, müssen vorläufig gegen Gründung einer solchen Schule uns verwahren. Wohl heißt es §. 4 in unseren Vercinsstatuten, Gründung einer Cantorenschule, jedoch muß erst in's Auge gefaßt werden, Satz d., welcher sagt: Anstrcbung staatlicher Anerkennung der Stellung jüdischer Cantoren und Gleichberechtigung mit geistlichen Functionären; auf diese Weise kann dann unsere Stellung eine feste, dauernde bleiben und nicht von der Laune jedes Einzelnen abhängcn; bis dieses unser löblicher Verein durchgesetzt, kann auch eine Cantorenschule angeregt werden. Ich theile ganz die Ansicht des geehrten Collegen Anspitz, den Gemeinden wird durch momentane Gründung einer solchen Schule wohl, uns aber wehe gethan. Ich habe selbst die Ueberzeugung, daß einzelne Gemeinden, wenn der Posten eines Culius׳ beamten vacant wird, um die Spesen der Ausschreibung eines Concurses zu ersparen, sich lieber privatim an selbe wenden. Wohl heißt es in. B. M.. 19. C., 18. V. ראהבת לרעך כמוך; man muß aber erst auf seine Zukunft . bedacht sein, dann kann man denken an seinen Nächsten. Wahr ist's zwar, der tüchtige Cantor in seinem Fache ist nie verloren und wird sich immer behaupten, man muß aber auch in's Auge fassen, daß der Mensch alt wird und dann steht es ihm bevor — den Bettelstab zu nehmen, und so wie es jetzt häufig vorkömmt, von Ort zu Ort zu pilgern. Diejenigen Herren Collegen, welche ihre Kinder für diesen Stand heranbilden lassen wollen, werden schon vorläufig auf eine passendere Weise dafür sorgen können. Möge Gott der Allmächtige unseren Verein zu allem Guten mehr und mehr gedeihen lassen, auch unsere allgemeinen Interessen stets wahren, damit kein trübes Wölkchen am Horizonte unsere Lebenslage je verbittere. Kuttenplan, am 23. August 1883. H. L e m b e r g e r, Cantor und Religionstchrer. Erster Ausflug eines Virtualen. Von ihm selbst erzählt. Sechs Gulden Reichsgeld und eben so viel Empfehlt! ngsbriefe in der Tasche, Muth, aus Bewußtsein, ich leiste Etwas, Lm Herzen, auch, wie ich glaubte, Menschenkenntnis vollauf, aus Knigge's Umgang mit Menschen, im Kopfe: wie hätte ich zweifeln können, ich werde mich mit bestem Erfolg durch die Welt schlagen? Auf dem Lustschloß unseres Herzogs, wo sich dieser des Sommers aufhält, sollte ich mein erstes Probestück ablegen. Ich trat in's Wirthshaus und kleidete mich nach Vermögen. So wanderte ich wohlgemuth in den herrlichen Park. Ein schöner, begeisternder Zunius-Vormittag! Das erste Lebendige, das ich entdeckte, war ein Herr, in etwas unscheinbarem blauem Oberrocke. Er saß auf der Bank unter einer blühenden Linde und las. Ich redete ihn an: Vergebung, mein Herr, daß ich Sie störe l — Er sah flüchtig an mir hinauf und erwiederte nichts. Können Sie mir nicht sagen, wo ich den Herrn Kammer- Herrn von U. finde? Dort, im linken Flügel des Schlosses! antwortete er kurz, nicht eben höflich, und kaum von seinem Buche aufblickend. Ist er jetzt zu sprechen? Das weiß ich nicht. — Das Benehmen des Mannes mißfiel mir; es verdroß mich. Ich fubr daher nicht ohne Nachdruck fort: Ich habe einen Empfeblungsbrief an den Herrn Kammerherrn! er soll mich Seiner Durchlaucht, dem Herzog, vorstellen, und das, wo möglich, noch heute! Meine Absicht schien erreicht; der Mann sah mich nun etwas achtsamer an und fragte: Was wollen Sie bei'm Herzog? Aha! dacht' ich, nun ist die Reihe an mir, hohe Saiten aufzuziehen. Nichts weiter, versetzte ich, als ihm Vergnügen machen. Wie das? Mit meiner Kunst und meines berühmten Lehrers Com- Positionen. Sie sind ein reisender Musicus? Ich schmeichle mir, ein Tonkünstler zu sein. Wie beißen Sie? wo sind Sie her? Ich sagte beides, und setzte hinzu: Wenn Sie Musik lieben, mein Herr, so ist Ihnen mein Name von Seiten meines Vaters gewiß nicht ganz unbekannt. Ich Hab' ihn nie gehört. — Das war mir denn doch zu stark für solch einen Herrn im blauen Oberrock! Nun, hoffentlich kennen ihn Se. Durchlaucht, erwiederte ich; wenn es nämlich wahr ist, was man sagt, daß dieser Gönner der Künste und Wissenschaften auch die Tonkunst seines Wohlwollens würdiget. Eben ging ein Bedienter vorbei — zum Glück des Herrn; denn er würde sonst noch manches nachdrückliche Wort zu hören bekommen haben. Er winkte dem Bedienten, sagte ihm etwas beiseits, und swloß dann, gegen mich gewandt und das Buch wieder ausnehmend: Der wird Sie zum Kammerherrn bringen! Etwas verstimmt wanderte ich dem Burschen nach, und manche strafende Stelle aus meinem Knigge über ,das Leben an Höfen und mit Höflingen * fiel mir ein. Darüber waren wir in's Schloß gekommen, dessen Pracht und Schmuck mich ein wenig verwirren wollte. Wir stiegen die Treppe hinauf. Der Bediente trat in ein Zimmer, kam sogleich zurück, öffnete mir die Thür und ging seiner Wege. Ich fand in dem großen, glänzenden Zimmer einen schön gekleideten Herrn, der mir entgegen kam. Nicht ohne Verlegenheit — es ging mir hier Alles so Schlag auf Schlag — nicht ohne Verlegenheit begann ich, indem ich meine» Brief hervorzog: Hochzuverehrender Herr Kammerherr ... Der bin ich' nicht, fiel der Herr ein, und lächelte auf eine gewisse, mir unerklärliche Weise. Noch verlegener fuhr ich fort: Ich sollte doch dem Herrn Kammerherrn hier aufzuwarten die Ehre haben. — Ew.ryregwi■