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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-08-15 · Heft 28 (15.8.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 28 (15.8.1883)
Date
1883-08-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Monates die Nachricht eintraf, daß unser allverehrter. Rabbiner Samuel Ehrenfeld, der sich zur Linderung seiner Leiden in Kierling aushielt, daselbst verschieden sei. Die Leiche wurde hieher überführt und die ganze Gemeinde Jung wie Alt ging derselben zwei Stunden entgegen. Mit der Bestattung mußte jedoch zwei Tage gewartet werden, da mehrere Rabbiner und andere Trauergäste ihre Ankunft und Theilnahme an der לחה zugesagt hatten. Mittlerweile wurde die Leiche im Beth Hamidrasch aufgebahrt und Niemand in der ganzen Gemeinde schloß während dieser zwei Tage ein Auge zum Schlafe, Alles wachte und lernte. Die Leichenrede hielt der Sohn des Verblichenen Rabbiner Ehrenfeld aus Sarvar. Außerdem sprachen noch an dem Sarge Assessor Kohn aus Mattersdorf. Rabbiner Katz aus Kobersdorf, der Rabbiner von Deutsch.Kreuz, ein 90jähriger Mann, Rabbiner Spitzer aus Wien und mehrere Andere. Die Leichenfunctionen dauerten von 9 Uhr Früh bis 3 Uhr Nachmittags. Der Führer der Orthodoxen, Reich aus Budapest, nahm ebenfalls Antheil am Leichenbegängnisse. Die Mattersdorfer Gemeinde hat den Sohn des Verblichenen den Rabbiner aus Sarvar sofort zum Nachfolger seines Vaters gewählt. Rabbiner Samuel Ehrenfeld, ein Enkel des berühmten חתם סופו״, wurde 48 Jahre alt. Er war ein äußerst gelehrter Mann, der 14 talmudische Werke verfaßte, von denen bereits zwei im Drucke erschienen sind. Die 12 übrigen werden demnächst erscheinen. Er hatte beständig eine große Auzahl Schüler, in letzter Zeit über 150. Wie anspruchslos der Verstorbene war, beweist der Umstand, daß er einen Betrag von 300 fl., den ihm die Gemeinde Mattersdorf zur Pflege "seiner angegriffenen Gesundheit nach Kierling schickte, zurücksandte, indem er bemerkte, da er der Gemeinde jetzt nichts leisten könne, so könne er auch nichts von ihr annehmen. Als die Leiche von Kierling weggeführt wurde, schloß sich dem Leichenzuge Obercantor Singer aus Wien, dessen Familie daselbst Sommeraufenthalt nimmt, an und dies erst veranlaßte die zahlreich in Kierling als Sommerparteien wohnenden Juden, die sich bisher fern gehalten hatten, dem Verblichene n in großer Anzahl das letzte Geleite zu geben. Wien. Ein armer Familienvater, der bei der poln. Gemeinde an. gestellt war und durch harte Schicksalsschläge herabgekommen ist, bittet uns, dem hier in Wien in der Antonsgasse Nr. 7 wohnhaften Arzt׳ Dr. Weinstein, öffentlich den tiefgefühlten Dank für die eifrige unentgeltiche Behandlung seiner drei auf einmal erkrankten Kinder auszudrücken. Feuchten Auges steht der dankerfüllte Mann vor uns und schildert uns das überaus humane Vorgehen des Dr. Weinstein der ihm durch ärztliche Hilfe und durch Selbstherbeischaffung der' Arzneien aus eigenen Mitteln feine drei Kinder am Leben erhielt. Ehre dem Manne, der die Pflicht eines Arztes so auffaßt. Korih. Man schreibt uns unterm ö. August: ,Als sich hier gestern die Nachricht vom Urtheil in Nyiregyhaza verbreitete, hat unser ehrwürdiger Rabbiner Herr Dr. Ehrentheil beim Vorlesen der Thora den Segen gesprochen über den Staatsanwalt, sowie über sämmtliche Vertheidiger. Kein Auge blieb dabei unbenetzt. Alle Beter waren tief gerührt und vergoßen Freudenthränen über die Rettung ihrer vielgegu alten Glaubensgenossen. Wroßnitz. Im Namen vieler Juden unserer Stadt ging an Dr. Eötvös folgendes Telegramm ab: ״Den genialen Vertheidigern, welche mit den schärfsten Waffen des Geistes gegen Bosheit, Verleumdung und Vorurtheil mit beispiellosem Muth, mit Selbstlosigkeit und Ausdauer gekämpft und der Gerechtigkeit zum glänzenden Siege verholfen haben, drücken wir in Dankbarkeit unsere größte Bewunderung und Verehrung aus". 'Mell. Das Präsidium der israelitischen Landeskanzlei richtete ein Circulär an sämmtliche jüdische Gemeinden: Ungarns, worin angesichts des Processes in Nyiregyhaza zunächst constatirt wird, daß die Israeliten im Lande bisher eine besonnene Haltung beobachtet haben. Wenn die angeklagten Inden.freigesprochen werden sollten, so werde die Landeskanzlei darauf bedacht sein, daß diese Unglücklichen, die materiellen Schaden erlitten oder ihre Stellen verloren habenentsprechende Materielle Hilfe sinden, welche sie in der Lage versetzen wird, ruhig fürihr weiteres Fortkommen vorzusorgeu. Auf diese Weise solle einerseits vorgebeugt werden, daß der Freispruch nicht in der Hand des einen oder anderen Angeklagten für alle Zeiten zu einem Bettelbriefe werde, andererseits aber solle verhindert werden, öffentliche oder private Sammlungen zu veranstalten. Diese würden den Charakter einer Demonstration annehmen, die vermieden werden müsse. Die Landeskanzlei wird, mit Rücksicht darauf, daß im Processe gegen die Juden die Blutbeschuldigung erhoben worden war, nach Abschluß desselben dafür sorgen, daß das Entstehen und der Verlauf des Processes in einer Monographie dargestellt werde, und daß derselben alle offieiellen Acten in autentischer Form beigeschlossen werden. Die Gemeinden werden aufgefordert, alle von anderer Seite etwa einlagenden Pränumerations-Einladungen abzulehnen. Das Circulär richtet die Ermahnung an die jüdischen Gemeinden, für eine Verbesserung des Schulwesens zu sorgen. Wien. Die hiesigen ״Publ. Bl." schreiben über den Fall von Tisza-Eszlar. »Die armen jüd. Schächter von Tisza-Eszlar wurden von der Mord-Anklage freigesprochen, nachdem ihre Unschuld in öffentlicher Gerichtsverhandlung sonnenklar zu Tage getreten. Der Präsident hielt eine tröstende Ansprache an sie, und die unglücklichen Leute, die so schwer gelitten, konnten gehen, nachdem sie vierzehn Monate im Kerker geschmachtet und während dieser furchtbaren Zeit alle moralischen Foltern des gestrengen Herrn Untersuchungsrichter Vary und alle physischen Torturen des gestrengen Herrn Sicherheitscommissärs Vay und seiner christlich barmherzigen Panduren kennen gelernt hatten. Nun ist die Qual dieser Unschuldigen zu Ende, und die civilisirte Welt, die den grauenvollen Hexenproceß des neunzehnten Jahrhunderts mit einem Gefühle namenlosen Abschenes und Entsetzens verfolgte, athmet förmlich erleichtert auf, daß der jämmerliche Spuk, vorüber ist. Wo aber bleibt die ausgleichende Gerechtigkeit, wo bleibt die Sühne für all' die abscheulichen Mißbräuche und Gewaltthätigkeiten, welche der fanatische Nacenhaß gegen eine Anzahl friedlicher wehrloser Bürger entfesselte? Die Schächter von Tisza-Eszlar sind freigssprochen, was ist es aber mit den Schächtern der ungarischen Ehre, mit den Gesellen, welche das Ansehen ihres Vaterlandes in so schrecklicher Weise vor Europa herabgesetzt und besudelt haben? Nicht die armen Inden, sondern die anti-semitischen Hetzer, haben es zuwege gebracht, daß aus allen Culturländern beider Hemisphären verdammende Urtheile auf das ungarische Staatswesen niederrauschen, auf Ungarn, das sonst zu allen Zeiten, als ein Hort der Toleranz und des Fortschrittes geliebt und bewundert wurde. Ungarn bedarf einer Nehabilitirung, es muß den eclatanten Beweis liefern, daß es mit jenen verruchten Brauch nichts gemein hat, es muß sie öffentlich von sich stoßen und jede Solidarität mit.ihnen zurückweisen, .damit ihre Schmach nicht für immerdar dem edlen, freien ungarischen Staatswesen als Stigma anhafte! Koloman Tis za. ist der Mann dazu, mit eisernem Kehrbesen den Unrath wegzufegen, den die Antisemiten seit zwei Jahren in Ungarn angehäuft haben. Wir hoffen, er. wird diese Pflicht gegensein Vaterland erfüllen und den Schild desselben von jedem Makel reinigen. Es gibt für den Lenker der. magyarischen Politik keine dringendere Aufgabe, als die Schächter der ungarischen Ehre zur Rechenschaft zu ziehen. ... Kannover. Im Juli war ein Jahr, vorüber, -seitdem der Landrabbiner Dr. Meyer das Zeitliche gesegnet hat.. An diesem ersten Jahrestage fand von 10 Uhr Vormittags ab auf dem.Friedhofe, dev

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