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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-08-15 · Heft 28 (15.8.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 28 (15.8.1883)
Date
1883-08-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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hiesigen Gemeinde eine Gedächtnißfeier für den Verstorbenen statt, bei welcher gleichzeitig ein von der Synagogengerneinde zu Ehren des Entschlafenen gestiftetes Denkmal eingeweiht wurde. Dieses Denkmal, entworfen von Herrn Architecten Schorbach, ausgeführt von Herrn Steinhauermeifter Bleckert, ist aus Sandstein gefertigt und ruht auf großen Säulen von Serpentin. Das Kopfstück desselben ist mit Thürmchen versehen und enthält das jüdisch-nationale Wappen. Auf dem Denkmal befindet sich eine weiße Marmortafel eingelegt, welche mit goldenen Buchstaben im jüdischen Text den Namen, Geburts- und Todestag des Verstorbenen trägt, sowie eine Inschrift, welche die großen Verdienste des Entschlafenen mit erhebenden Worten schildert uud mit einer Widmung seiner Gemeinde, sowie einem Wahlspruche: .Friede, Friede dem Fernen wie dem Nahen!' schließt. Das Grab, welches, in der Mitte des Friedhofes an hervorragender Stelle Platz gefunden hat, ist umgeben von einem gußeisernen Gitter. Die Feier selbst gestaltete sich zu einer würdigen und erhebenden. Außer der Gattin, den Kindern und Verwandten des Verstorbenen waren bei derselben die Vorsteher und Repräsentanten, sowie ein großer Theil der Gemeinde anwesend. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Geh. Rath Dr. Cohn, übergab, indem er von dem Verstorbenen mit warmen, tief empfundenen Worten ein lebenstreues Bild entwarf, und dessen Verdienste in dsr Gemeinde, sowie weit über dieselbe hinaus, die er sich während seiner 36-jährigen Amtsdauer erworben, hervorhob, das Denkmal dem jüdischen Wohlthätigkeitsverein, welchem die Pflege des Friedhofes obliegt. Herr Dr. Cohn knüpfte hieran die Mittheilung, daß der Verstorbene in seinem Testamente eine Stiftung errichtet habe, welche den Namen ״Samuel-Meyer-Stiftnng' führen wird, und deren Einkünfte zu Gunsten der jüdischen Lehrer in der Provinz Hannover, und zwar zu solchen Zwecken verwandt werden sollen, die außerhalb des Statuts der Lehrer-Witwen- und Waisencasse liegen. Nachdem sodann das Denkmal von dem Vorsitzenden des Wohlthätigkeitsvereins, Herrn Commercienrath Molling, angenommen war, drückten die Verwandten des Verstorbenen, Herr Commercienrath Louis E. Meyer als Bruder und Herr Gottfried Herzfeld als ältester Schwiegersohn, dem Vorstande nnd den Repräsentanten Namens der Familie ihren innigen Dank aus für die Errichtung dieses Denkmales, das von der Verehrung und Liebe Zeugniß gibt, welches die Gemeinde ihrem langjährigen Hirten dargebracht hat. Die Feier wurde eröffnet und geschlossen durch einen ergreifenden Gesang des Herrn Obercantors Berggrün, begleitet von dem Synagogenchor. Die Versammelten schieden von dem einfachen Grabe mit dem Bewußtsein, daß dem Verstorbenen bei Allen, ohne Ausnahme der Richtung und der Stellung ein treues, unverwelkliches. Andenken bewahrt bleiben wird. — London. Das ״Jewish Chronicle' bringt aus Jerusalem, die einer näheren Aufklärung noch bedürftige Nachricht, daß fünfzig russische Juden in eine Synagoge eindrangen und den Rabbi Salant lobten wollten. Es kam zu einem hitzigen Kampf, in dem ein gewisser Meyer Apter getödtet wurde. Znletzt schritt das türkische Militär ein und stellte die Ruhe her; neunzehn Juden wurden verhaftet. Detersöurg. Einem Communiqus der Negierung zufolge griff ein Pöbelhaufe in Jekaterinoslaw, aufgereizt durch die thätliche Beleidigung einer Bauersfrau seitens der Juden, am 3. August die jüdische Bevölkerung an. Das Militär schritt gegen die Excedenten, größtentheils fremde Bahnarbeiter, ein, wobei zehn Tumultuanten getödtet und dreizehn verwundet wurden. Einem hier eingetroffenen Telegraam zufolge beschloß der Stadtrath, 5000 Rubel, welche eine aus Juden und Christen bestehende Commission vertheilen soll, für die geschädigten Juden zu votiren und die Obdachlosen in städtischen Gebäuden unterzubringen. Seitdem sind keine neuen Excesse vorgekommen. Detersöurg. Dieser Tage wurde der zur Reviston der Gesetze betreffs der Juden in Rußland eingesetzten Commission unter Anderem auch die Frage, ob die im russischen Reiche befindlichen gewerbetreibenden Juden in ihren Fabriken und Werkstatten Arbeiter russisch-orthodoxer Confession beschäftigen dürfen, vom Ministerium beg Innern zur Entscheidung vorgelegt. Dem von Pobedonoszeff abverlaugten Gutachten gemäß entschied nun die genannte Commission, daß es den Juden fernerhin nicht gestattet sei, Russen in ihren Fabriken und Werkstätten zu beschäftigen. ״Denn — so heißt es in den Motiven des Herrn P. — die Beschäftigung russischer Arbeiter in jüdischen Fabriken widerstreitet einerseits dem russischen Nationalgeiste, andererseits aber schädigt der längere Aufenthalt der Russen bei den Juden das religiöse Gefühl der Arbeiter, indem die Letzteren, wie die Erfahrung lehrt, die kirchlichen Ceremonien vernachlässigen^. Der Minister Graf Tolstoi acceptirte diese Ansicht. Irankfurt a. W. In einer der letzten Nächte haben ruchlose antisemitische Hände die in der Bockenheimer Anlage stehende Marmorbüste Ludwig Börne's in der unfläthigften Weise beschmutzt. Aus einer Flasche, die von unten nach oben geschwenkt sein muß, ist dunkelblaue Tinte, wahrscheinlich Copirtinte, gegen das Monument geschleudert. Die Tinte hat den Fundamentstein. den Sockel, das Marmorrelief (dieses glücklicherweise nur wenig) und dann vornehmlich an der Büste die linke Brust-, Hals- und unter Gesichtsseite bis an den Rand der Oberlippe getrossen. Die Büste ist ganz entstellt. Ob es möglich sein wird, die Tinte von dem Marmor ganz zu entfernen, ist fraglich. Gme jüdische Kolonie in Amerika. Eine Colonie rußischer Juden hat sich im Staate Oregon niedergelassen, und betreibt dort mit allem Eifer den Ackerbau. Dieselbe hat ihre Ansiedelung ״Neu- Odessa' benannt, welche an der Eisenbahn von Kalifornien und Oregon, neben Leland liegt. Die Volkszeitung berichtet, daß die Ansiedlung hoffentlich gedeihen wird. Die Ansiedler sind sehr fleißig und strebsam und besitzen brreits einen blühenden Handel mit Brennholz, mit welchem sie die Eisenbahn-Gesellschaft versorgen. Don einem Juden gerettet. Man schreibt uns aus Bolgar (Ungarn). Vorige Woche war der bekannte anti-semitische Reichstags- Abgeordnete Verhoway in Begleitung seiner Frau und seiner Schwägerin, auf einem gemietheten Segelschiffe mitten im Plattensee von einem furchtbaren Sturme überrascht worden, der das Schiff zu vernichten drohte und die Jnsaßen bald ihr Leben verloren hätten. Der Israelit Schlesinger aus Boglar, der zufällig dort anwesend war, wagte es, trotz des wüthenden Sturmes, dorthin sich zu begeben, und mit eigener Lebensgefahr rettete er, Verhoway sammt seinen Begleiterinnen das Leben. Correspondenz der Nedaetion. Collegen Gin Ung.-O.; N. in T.; St. in W-; M. in Gr.-W.; B. in L.z A. in Str.; L. in K.; L. in Jg.; G. in Nik.; bestätigen dankend die eingesandten Beträge. An die löbl. Cultusvorstände in L. St. M.; Mähr. O. T.; P.; I.; Br.; bestätigen dankend die eingesandten Beträge für Veröffentlichung der Concurse. L. in Kuttenvl. Wollen Sie uns gefälligst nur jedenfalls den Artikel einsenden, dann werden wir Näheres bestimmen. H. in T. Mit Einschluß dieses Quartales sind Sie für drei Quartale im Rückstände. T. in B. Ihr Aufsatz ist absolut nicht verwendbar, da er einerseits zu provocatorisch geschrieben ist, und andererseits diese vielbesprochene Angelegenheit nicht von einer neuen Seite beleuchtet. I. im K. Wir werden über Ihre Angelegenheit die nötigen Jnformationen einholen uud Ihnen darüber nächstens Bericht erstatten. B. in G. Bewußtes aus Leipzig erhalten. Das Gewünschte in nächster Nummer. Besten Gruß. Die Dedaction.

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