Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 27 (7.8.1883)
- Date
- 1883-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das RätlM geläfl. Die Worte desProfeten איש את רעהו יעזרו ולאחיו יאמר חזק <Zesaias 41. 6.) »Einer helfe dem Andern und zu seinem Bruder spreche er: Fasse Mnth!' verdienen gewiß von Niemand Anderem so sehr beherzigt zu werden, wie eben von uns Cantorcn und Lolrooblirn. Denn Niemand steht in der menschlichen Gesellschaft so isolirt da, als wir und darum ist gegenseitige Unterstützung uns unentbehrlich. Ich habe mich bis heute als stiller Leser dieses, dem Cantorenstande zur Ehre gereichenden Blattes, ganz bescheiden verhalten, und überließ cs mit Recht unseren gebildeten College!!, die mit der ganzen Wärme ihrer inneren Begeisterung den Kampf für uns führen und — Dank den Bestrebungen der löblichen Nedaction der »Oester.-uugar. Caiuoren-Zeitung', welche bisher noch immer für das Interesse der Cantorcn nach jeder Richtung hin Vorzügliches geleistet — unser Wohl zu fördern stets bemüht sind. Ich will also auch heute der weisen Ermahnung *במקום גדולים אל תעמוד" nicht zuwiderhandeln, sondern nur von meinem Rechte als Mitglied des Cantorenvereines mit einigen schlichten Worten Gebrauch machen. Ich wiederhole also obige Aufschrift »das Näthsel ist gelöst', und zwar das Näthsel des Herrn Verfassers von »Was uns fehlt' in Nr. 25 d. Bl. Der Passus »noch räthselhafter erscheint jedoch die Thalsache, daß viele unserer College!! sich geradezu gegen die Gründung einer Cantorenschule erheben', findet seine Auf- Lösung in Nummer 26 d. g. Bl. durch Herrn College!! Leop. Anspit) in Horitz? »Eine Cantorenschule wäre wohl eine Wohlthat für die Gemeinden, jedoch ein Nuin der älteren Cantoren am Lande'. Ich erlaube mir nun, au den geehrten Herrn College!! Auspitz folgende Fragen zu stellen: 1. Sind auch die Nabbinerseminare ein Nuin für die alteren Rabbiner? 2. Wird durch Nichtgründung einer Cantorenschule dem Uebel, der geringen Leistungen und großen Ansprüche der Gemeinden, schon abgebolsen? und Z. wird durch die Cantorenschule dem jungen Cantor ein .Jmmerjnng' gesichert? Nichts von dem Allem!! Dank der Vorsicht der hochachtbaren Männer an der Spitze unseres Vereines, wurden uns alle Befürchtungen des Herrn College!! Auspitz erspart, was §. 4 ad c. d. 6. der Statuten hinlänglich beweist. Es ist also zur Wahrung unserer Interessen dringend uothwendig, daß wir vor Alle!!! das Gebot ואהבת לרעך כמוך *Siebe deinen Nächsten wie dich selbst', als Grundprincip unserer Religion und unseres Vereines beherzigen. Nur das einmüthige Wirken erwirbt Achtung, während feiges Zurückziehen auch den gerechtesten Ansprüchen die Hoffnung auf Befriedigung raubt. Die Pflege und die richtige Auffassung unseres Berufes bleibe die Macht, nach der wir ringen, durch die wir als wirksames Glied der Menschheit uns bewähren. So ist es nun hohe Zeit, daß wir uns der Schlaffheit entwinden, jede Eigenliebe vermeiden, daß wir mit Ernst die Kräfte sammeln, um eine unserer würdigere Stellung einzunehmen, mit dem Grundsätze ראשית דבר יראת ת׳. Dies ist ein Hauptfactor der der Cantorenschule zu Grunde liege, das ist unser Losungswort. Ein Verein für Cantoren, als Organ des Zusammenwirkens, thut uns Allen noth und die Versammlung der ehrenwerthen Gründer hat schon am 11. Jänner 1882, im Vertrauen, daß das Bedürfnis welches sie zusammengesührt, weithin Anklang stnde, sich zu einem solchen Verein constituirt mit dem Zwecke ״die Interessen der Cantoren nach jeder Richtung hin zu wahren und deren Stand zu heben'. Zum Schlüsse bitte ich nur. noch die.herzlichen Worte, die unser Ehrenpräscs Herr Professor Salomo!! Sn lzer, bei der ersten Conferenz am 11. Jänner 1882 ansspcach, zu beherzigen: ״Ich begrüße Sie Alle meine Herren aus vollem Herzen. Ich begrüße Sie Alle, die Diener des Herrn. העומדים בבית ה' בלילות, ob es Nacht oder hell und klar ist, die Sie sich unverdrossen dazu bestimmt haben, . den Dienst Gottes zu verrichten, wenn man Ihnen , auch nicht mit solcher Anerkennung eutgegenkommt, die sie zu fordern sich für berechtigt halten. Sie sind und bleiben die treuen Diener im Hause Gottes עד־־בלילות/ So gehen wir nun an's Werk. Eine Cantorenschule ist das Heiligthum des Vereines und so.wollen wir daran nicht rütteln .,.ברצות..ה' דרכי איש גם אויביו ישלימו אתו Aspern a. d. Donau, 3. Anglist 1883. Adolf Kohn, Cantor. Erinnerungen ait meine MeschorerM. *) Unsere gegenwärtigen Hilfssänger beim Chore des jüd. Gottesdienstes würden es kann! glauben, und es vielmehr für eine Mythe oder Münchhausiade halten, wenn ihnen wahrheitsgetreu erzählt wird, wie ihre Ältvorderen in der Welt herumgekommen, was sie gemacht und erlebt, was sie erstreiten oder besser gesagt, erschnorren mußten, um ihr Leben durchzubringen. Solche Erlebnisse, solche Heldenstücke, will ich nun im Nachstehenden wahrheitsgetreu wiedergeben, und hoffe, daß die Actenre . in meiner Erzählung, wenn sich irgendwo noch welche sinden sollten, cs mir nicht verargen werden, daß ich derartige Ent- Hüllungen veröffentliche. Geschieht es doch nicht aus Eitelkeit, oder Gefallsucht für meine Person, sondern einzig und allein aus Pietät gege!!^ Diejenigen, die mit mir gelebt, gestritten und »gejochten" haben. Nicht als abschreckendes Beispiel sollen die alten vormärzlichen Meschorerim hingestellt, im Gegentheil als Helden, als Märtyrer sollen sie dargestellt und glorisicirt werden. Nun zur Sache! Ich mochte kaum 9 Jahre gezählt haben, als unser K'bita- Chase!! in Szobotisch (jetzt genannt O b er c a n t or), Wolf Szobotisch (in Ehren ergraut, derzeit in Flridsdorf lebend) zu meinem sel. Vater kam und ihn mit der heute zwar ungewohnten, zu jener Zeit hiügegen üblichen Frage: »Was soll Ihr Sohn werden', anredete. Auf die so einfache Fragen dieses braven Mannes, war die Antwort zwar sehr schwer, namentlich wenn ein Söhnchen kaum 9 Jahre alt ist, mein Vater zögerte aber nicht lange und stellte folgende Gegenfrage: .Was würden Sie mir wohl rathen, ihn werden zu lassen?' Der ganze Dialog wurde in meiner Gegenwart geführt und blieben mir deßhalb all' die Ein- und Ausdrücke sehr lebhaft im Gedächtnis;. Unser Chase!!, Neb Wolf Szobotisch, ein geborener Pole, war bevor er den ersten Posten, das erste ״Chasoneß' in Szobotisch angetreten. viele Jahre bei Dovidl Brod in Pest als »Singer' angestellt. Er entwickelte bei einem derartigen Gespräch ein ausgesprochenes Talent für Annexionsgelüste und vermochte wunderbar nur die Vortheile eines Meschorer in's Treffen zu bringen, und wahrlich seine Bemühungen einen »Kohlsinger' zu aquiriren, wurden bald vom Erfolg gekrönt. Es mochte kaum ein Viertelstündchen verstrichen sein, das Geschäft war abgeschlossen, mein Schicksal war entschieden, die Würfel sind gefallen! *) Diese Erinnerungen sind ans dem Leben eines alten Meschorers, derzeit ein' angesehenes Gemeindemitglied in einer Gemeinde Schlesiens, welcher in alter Liebe zum Cantorenstande unsere Bestrebungen mit großem Interesse verfolgt.