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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-08-07 · Heft 27 (7.8.1883) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 27 (7.8.1883)
Date
1883-08-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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allen musikalischen Instrumenten gemein, daß man lernen must sie zu behandeln. Cicero und Plato, der große Redner und Staatsmann, wie der berübmte Philosoph, bekennen beide, dast nichts die Seelen der Menschen so zu bewegen vermöge, wie die Töne eines edlen Gesanges. — Ja, eines edlen Gesanges, also einer ansgcbildeten Stimme. Professor Nehrlich sagt in seiner geistvollen Gesangschule io treffend: ,Die Natur legt auch in den Stimmen idre unendliche Mannigfaltigkeit an den Tag, es gibt ebenso wenig zwei gleiche Stimmen wie zwei gleiche Gesichter, also darf auch der Lehrer sich nicht starr an ein einziges Verfahren halten, sondern must nach Mastgabe des Bedürfnisses bald diese, bald jene Mittel anwenden.״ — Welch' ein beherzigenswcrthes Wort! (Schluß folgt.) Zur Luge der Cultuslieamteu. (Schluß.) -Wo separate consessionclle Schulen in Cnltusgemeinden existiren und der Cantor oder Lehrer zugleich ausgiebigen Neligiousnttterricht crtheilt, da dies in Folge der freistehenden Eintheilung eher möglich ist, als bei der spärlichen Instruction in Simultanschulcn, wo ein ganz anderer und fremder Geist die Gesammt-Erziehuug durchweht, sieht es noch besser und ertraglicher aus — jedoch haben unsere Gemeindeschulen keine rechte und sichere Basis, denn mit dem Nicderreisten der Ghettomauern und trennenden Scheidewände durch die Emancipation würde der jüd. Schule theoretisch das Territorium entzogen und wäre ohne ,deutschen Schulverein" schon längst auf den Aussterbe-Etat gesetzt. Es bleibt somit nur noch die Ne l i g i o ns s ch u l e, der aber einerseits zu wenig Zeit zu Gebote steht, andererseits kann sie durch Reducirung der Zahl der Lehrkräfte — eine Maßregel des Sparsystems auf Seite der Gemeinden — nicht viel Gedeihliches und Nennenswerthes zu Tage fördern; überdies fehlt hiebei die moralische und materielle Unterstützlkng seitens des Elternhauses. Die Herren Cantoren dürften mir entgegnen, dast sie dies wenig angeht und interessirt, indest verhält sich die Sache derart, daß mit Abnahme des religiösen Sinnes unser Aller Position und Situation tagtäglich thatsächlich schwerer und precärer wird, da das Bednrfnist nach gottesdienstlicher Befriedigung zusehends sich vermindert, überdies sind ja auch in vielen Fällen die Cantoren zugleich Lehrer, also sit venia verbo! אדברה וירוה לי» Herr Schwarz, der in dieser Richtung anderer Meinung ist, wird' wohl erwidern, daß ich ein zu rigoroser Schwarzseher sei, die Farben grau in grau auftrage — trotzdem must mir jeder unparteiisch Urtheilende zuftimmen, dast ich nur getreu nach der Wirklichkeit schreibe und schildere, denn sporadische Ausnahmen in altjndischen Gemeinden entscheiden hierin durchaus nicht und bestätigen nur die traurige Regel. Auch hierin gibt sich Herr S. einer offenkundigen ״optimistischen Täuschung" hin, wenn er der Erwartung Raum gibt, dast sich die ungarischen Collegen den Cantoren Cisleithaniens mit der Zeit anschliestcn würden; ich sehe - auch gar nicht ein, warum dies so absolut nothwendig sein sollte, sind doch die Verhältnisse in Ungarn ganz eigeuthümlich und anders geartet, als hierzulande*), die dortigen Functionäre mögen also für sich consolodirt sein, für das große Ganze einstehen und indirect die Wohlfahrt und Autorität des Gesammtftandes fördern, aber jede Rivalität und Naucure, jede Reibung und Reizung bleibe am besten ferne von uns, הרן ארץ בכל הוא, wenn nur das Juden¬ *) 1111” sind diese bedeutenden Unterschiede nicht bekannt, ^nnr daß in vielen Fällen unsere Collegen daselbst noch viel schlechter situirt sind. thum durch die weltbewegenden Principien der Association und Theilung der Arbeit gewinnt. 8unt äenique certi fines. Hingegen verharre ich consequent bei der schon einmal in diesem Blatte von redactioneller Seite bekämpften Anschauung, daß überhaupt Alle Cultusbeamten der diesseitigen Neichshälfte zu einem großen imponirenden und imposanten Verbände sich vereinen und zusammenfngen mögen, und wenn dadurch momentan scheinbar der Cantoren-Verein materiell benachtheiligt zu werden scheint, so ist der moralische Gewinn hiebei ausschlaggebend und dieser ist gegenwärtig gar nicht zu berechnen — איזהו הכם הרואה zumal ja die Negierung denn doch einmal dazu gelangen dürfte, die Cultus-Angelegenheiten zu regeln und in das chaotische Labyrinth des Gemeindewesens Ordnung zu bringen, wobei die beiderseitigen Functionäre in gegenseitiger Anlehnung und Harmonie den besten und sichersten Rückhalt ftiibeu würden — .ת" ח עדיף מנביא Pauschaliter und nummerisch gestatte ich mir, an dieser Stelle zugleich auf die schätzbare Auseinandersetzung des Herrn Gerowicz aus Nikolajeff (von Nummer 23) zurückzukommen, der ans hinsichtlich der von ihm statuirteu, wohl geistreichen Hypothese zu irren scheint, dast die Coordinirnng des Rabbiners neben dem Cantor erst seit der Zeit Napoleons I. abrogirt wurde, was man wohl für eine interessante Conjeclur gelten lassen, aber nicht für baare und wabre Münze hinuehmen kann. Dast der מורה הוראה zuweilen gleichzeitiz als 2על הכילה fungirte, ist wohl richtig und geschichtlich sichergestellt, da ja auch ר׳ אביגדור קרא׳ אבודרהם, מהרי״ל u. v. A., ebenso am lithurgischem, als halachischem Gebiete sich hervorthaten. die Trennung beider Functionen datirt aber sicherlich aus viel älterer Zeit, wo die Rabbiner gar oft auch als Aerzte thätig waren — erinnernd an die Vereinigung des priesterlichen Berufes als Seelsorger und Heilküustler im Alterthume — durch welche Ausübung des weltlichen Amtes sie einen sicheren, ehrenden Erwerb hatten und in ihrer Stellung und Eigenschaft als religiöses Oberhaupt der Gemeinde mehr Unabhängigkeit, größere persönliche Geltung und gewichtigen Einfluß erreichten, eine ersprießliche und umfassende Thäligkeit für ihre Nation entwickeln konnten. Nesumiren wir also nochmals das schon so oft von mir an gleicher Stelle Behauptete und Verfochtene: Der Wirkungskreis des Cultusvorstehers als Vertreter des national etwa entsprechend dem מלך, des Rabbiners und Cantors als Repräsentauten des streng - confessionellen Standpunktes, analog dem כ״ג־סגן כהן ולוי und endlich des Lehrers oder Predigers, erinnernd an נביא oderת״ה als Interpret und Herold des allgemein moralischen profan-weltlichen Momentes, welches von internationaler, interconfessioneller, universeller oder kosmopolitischer Bedeutung ist für Gottesglaube, Moral und Humanität — ist für den einzelnen Functionär eng und streng begrenzt עליו אץ להוסיף וממנו אין לגרע und umschrieben, jede Usberhebung und Uebertreibung bleibe ausgeschlossen, wie jede Einmengung und Ein- Mischung in fremdes Gebiet ne sutor ultra crepidem. Hauptfache ist und bleibt, dast jeder innerhalb seiner ihm gesteckten und gestellten Grenzen sich hält und auf befriedigende und entsprechende Leistung das Hauptgewicht legt, im Uebrigen must einheitliches Wirken und Walten durch materielles, moralisches und cultureües Gleichgewicht dieser drei Religious-Factoreu und Volksvertreter auf Grundlage des Gesetzes, Glaubens und uralten Gebrauches ermöglicht und hergestellt werden, um den שלום מביה ומחוץ zu förden und zu festigen — auch hier gilt der Spruch unserer Alten: לעולם ההא שמאל דוהה. רמץ מקרבה und der Rest ist — סיג להכמה. Neligionslehrer G.

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