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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-08-07 · Heft 27 (7.8.1883) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 27 (7.8.1883)
Date
1883-08-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 Einzelnen unserer Vereinsmitglieder in vollstem Maße Nechnrmg getragen. Allerdings darf cs nicht unerwähnt bleiben, daß diese zweite Art der Hilfeleistung, für welche wir Propaganda zu machen versuchen, hinsichtlich der Coutrole, die ja unumgänglich uöthig ist, mitunter auf tvcsentliche Schwierigkeiten stoßen dürfte; allein ein müheloses Streben hat noch niemals etwas Großes geschaffen, und . übrigens ist ja durch die Einrichtung der Zweigniederlassungeu und durch die Fragebögen in dieser Hinsicht, bemüht oder unbewußt, thatkräftig vorgearbektet worden. Und nun noch eine Schlußbcmerkung: Ein in der Cantoren-Zeilung vom 30. Juli stehender Aufsatz citirt. als.Haupt« factor in der hier behandelten Angelegenheit Montecucnlis berühmles dreimalige ,Geld!' Wenn wir nun dieser überaus praktischen Anschauung unbedenklich zustunmen, .so drängt sich unssofort die Frage auf, woher dieses viele Geld zu nehmen sei. Die löbliche Nedaction dieses Blattes empsiehlt a ls n a t ü rlichstes Mittel die Er h ö h u n gder M i t g l i e dsbeitrüge um 1. oder 2 fl. Allein dieselbe Nedaction kann sich glücklich schätzen, daß sie in Wien ihren Sitz bat, während ihre Zahlreichen Abonnenten in aller Herren Länder wohnen; denn sonst vermöchte sie sich nur mit großer Mühe vor dem Sturme zu schützen, der gegen diese doch so naheliegende Zu-' muthung sich an vielen Orten erhebt. Und doch stellt sich die Sache verwittelst eines einfachen Nechenexempels ebenso harmlos wie leicht dar. Es bedeutet gewiß für keinen unserer Herren College!! eine allzugroße Belastung, alltäglich durch ein ganzes Jahr zwei oder drei Kreuzer bei Seite zu .^egen, wenn man »1m nach Jahr und Tag diese einzelnen Kreuzer zusammenzählt, so wird sich die Summe von 365 X 2 — 7 R. 30 kr. oder 305 X 3 — 10 fl. 95 kr. ö>. W. ergeben, die man somit als Beitragsleistnng für den Cantorenverein in sehr bequemer Weise sich parat gelegt hat. Das Mittel ist ebenso einfach, wie probat; und wer es einmal versucht hat, der wird gewiß in unserer nächsten General- Versammlung einem Anträge, ans Erhöhung der Mitgliedsbeiträge nicht entgcgentreten. P rer au, am 3. August 1883. M o r i z G r ü n b e r g e r, Ober-Cantor. Der erste Gesangs-Unterricht. Wie wir die Blumen draußen in der Natur mit ihrem Farbenschmelz und Duft als ein Geschenk, als eine Lebensfreude und einen Lebensschmnck entgegcnnchmen, so auch jene leuchtenden Blütben im großen Garten der Kunst: Poesie, Malerei, Plastik, Architektur und Musik. Innig verwandt erscheinen sie nur als Rosen eines Stammes, wie einst jene Schwesterrosen auf dem Throne, die Jean Paul gepriesen. Als die jüngste und zarteste, nm meisten der Pflege und Liebe bedürftig, stellt sich uns die Musik dar. Schon Thorwaldsen in seinem bekannten Relief zeigt sie uns so; er bildete die fast zaghaft erscheinende Musik, mit der Lyra in der Hand, wie sie von der kraftvollen Schwester Poesie umschlungen und emporgehoben wird zum gemeinsamen Fluge der Sonne entgegen. Polyhymnia erscheint in der antiken Plastik in den mannigfaltigsten und edelsten Gestalten — die alten Griechen sahen in der Musik eines der wichtigsten Bildungsmittel für das Volk — sie bildete die unerläßliche Begleitung zu allen Spielen und Festen, zu allen Zeiten und überall liebte und verehrte man sie, und selbst in der Architektur, dieser strengsten der sogenannten ,schönen Künste*, gedenkt man ihrer, denn das geflügelte Wort ward erfunden: ,versteinerte Musik'. — Auf den Bildern der alten Niederländer, Italiener, Spattier und Deutschen begegnen wir jenen Darstellungen der Musik, die Mieregeliebte' Kunst als Schoßkind! vornehmer Fan!ilien zeigen. Wir sehet! und Horen sie in der Thal musiciren und singen, alle diese schönen Frauen in schimmerndem Atlas, all - diese. Cavaliere 'in Sammet, cs ist ein endloses Summen. und 'Schwirren' von Viandolinen- und Lantenklängen, von Flöten- und Geigentönen; auch Menschenstimmen׳ ans halbgeöffneten Rosenlippen schweben über zierliche ^Notenblätter. Für die alten Maler ist die Musik theils ein kostbarer Hausrath, b^r. in aristokratischen Räumen nie fehlen darf, .theils'!ein hoher Ga!E dem m!an bereitwillig überall Len besten Platz einräumt. Galt es, irgend ein verlockendes Daheim darzustellen, so tauchten Laute und Nvtenbuch auf;-bei allen Festen . der Liebe flattern zur höchsten Weihe singende und musicirende Genien herbei; malte doch Meister Tizianeinen Sänger mit der Mandoline zu den Füßen seiner berühmtesten Venus. Jeden Ansdruck übermüthiger Lebenslust und glühender Lieb.essehnsucht meinten die alten Maler zu verstärken durch.irgend welche .Hindeutung auf Musik und. Gesang; -selbst den heiligen- Friedens^ boten im golddurchströmmten blauen Aethcr gibt man eine Dingstimme. Wir können. uns den Himmel!licht ohne . Sang., und Klang denken, die Engel des frommen Fiesole halten sogar alle nur erdenklichen Instrumente in ihren wunderschönen-Händen. Bei der heiligen Andacht hören wir das Hallelujah der singenden Engel, und in der Freude wie n! dem Leide,, in guten wie' in bösen Stunden unseres Erdenwallens versuchen wir,, uns das Herz leicht zu singen, öder lassen es uns von Andern leicht singen; zuerst vom Wiegenliede der Mutter, das uns in den süßesten Schlaf trägt. Die Sänger und Sängerinnen waren als Freuden- und Trostspender bei allen gebildeten Völkern hochwillkommene Erscheinungen und' in gewissem Sinne geweiht,, und wenn auch die Triumphe der Troubadours und Menestrels zur grauen Sage geworden sind, so ist doch für die Vertreter des Gesanges noch genug der Verehrung übrig geblieben,' um den unwiderleglichen Beweis zu liefern, daß die menschliche Stimme noch heute alle Instrumente der Welt besiegt.' Ueberall bringt man ihr den höchsten Dankeszoll entgegen, auf der Bühne, wie im Concertsaal, wie endlich im beschränkten Raume des Hauses, als Vertreterin der edelsten Vocal-Musik, des deutschen Liedes. — Alle Musik der Welt geht vom Gesang aus; der Gesang ist ihr Uranfang, das Vogelgezwitscher in Wald und Feld belebte den letzten Schöpfungstag. — Gegen die verlockenden Gesänge der Sirenen vermochte der starke Odyssens sich nur durch feste Bande zu stählen, Orpheus besiegte durch seine rührende Stimme die furchtbaren Mächte der Unterwelt. Terpauder aus Lesbos stillte mit seinen süßen Weisen eine Empörung. Chlodwig, der Frankenkönig, bat den Kaiser Theodorich um einen italienischen Sänger zu seiner und seiner Umgebung Freude-und׳ Belehrung. Nnma, der weise Gesetzgeber Noms, befahl seinen Priestern zu singen, wenn sie in feierlicher Procession die heiligen Wehrschilde der ewigen Stadt dem Volke zeigten. Die Nixen verführen ihre Opfer durch berückenden Gesang, die Stimme der Lorelei treibt in den Tod, mit Musik und wilden Gesängen ziehen die Krieger in den Kampf, und singend kehren die frommen Pilger aus dem heiligett Lande. Eine Singstimme ist und bleibt eine der kostbarsten Gaben des Himmels, ein Gottesgeschenk, für welches man nicht dankbar genug sein kann, heiße diese Stimme basso, baritone, contra alto, mezzo soprano oder soprano acuto. Die Stimme ist zu« gleich das wohlfeilste aller Instrumente, aber sie hat das mit

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