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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-07-30 · Heft 26 (30.7.1883) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 26 (30.7.1883)
Date
1883-07-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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israel. Religion בישני/ רחמני' לנו׳ח haben nahezu aufgebört. integrirende Momente und unerläßliche Bestandtheile unseres Volkes zu sein, indem das moralische Familienleben nicht mehr so ivtact und exact sich darstellt, wie in alten Zeiten, ebensowenig als die Humanität sich in solch' edler Weise und großem Maße manifcstirt, wo nicht starker r u ß i scher Thee servirt wird oder die große Glocke der Oeffentlichkcit ein hohes Leitmotiv abgibt, wo also nur Roth und Nothwendigkeit das/ Gebot der Nächstenliebe kennt und beten lehrt. (Schluß folgt.) Kleine Chronik. Wien. In Abwesenheit der beiden, zu gleicher Zeit beurlaubten Cautoren am Leopoldstädter Tempel, der Herren Collegen Z. Goldstein und M. Blatt, hat College Herr Cantor I. Schiller durch zwei Monate hindurch die Functionen Beider versehen. Wenn man bedenkt, wie schwer die Ausübung nur einer Function einem jeden Amtirenden fällt, da die Akustik dieses großen Tempels sehr viel zu wünschen übrig läßt, so ist die Aufgabe, die Herr Cantor I. Schiller hiemit erfüllt hat, keine unbedeutende zu nennen. — Am 1. August geht unser Vereinscassier, Herr Cantor A. Fischer nach Vöslau, um dort seinen sechswöchentlichen Urlaub zuzubringen. Auch diesen wird, da mittlerweile Cantor Blatt am Leopoldstädter Tempel von Gleichenberg zurückgekehrt ist, Cantor I. Schiller im Stadttempel vertreten. Wien, 30. Zuli. Unter starker Betheiligung der Finanzkreise Wiens hat gestern Vormittags um 10 Uhr das Leichenbegängniß des verstorbenen Chef des Bankhauses M. Thorsch's Söhne, Eduard Thorfch, stattgefunden. Im Trauerhause, Hietzing, Hetzendorferstraße Nr. 20, hatten sich die zahlreichen Trauergäste, die Familieu-Angehörigen, die Freunde und Bekannten des Verblichenen, die Functionäre, Prediger Dr. Güdemann nnd Obercantor I. Singer, sowie die Beamten des Bankhauses, besten Chef Herr Eduard Thorfch war, eingesunden. Nach Absiugung der Trauerchöre wurde der Sarg auf vierspännigcm Leichenwagen nach der israelitischen Abtheilung des Centralfriedhofes überführt. Ein ostener, zweifpänniger Blumenwagen fuhr dem Trauerwagen voraus. Nachdem Obercantor unter Assistenz der übrigen Cautoren und der Tempelguartette in der Halle des Fried- Hofes die Lerchengesänge in höchst ergreifender und würdevoller Weise vorgetragen hatte, hielt Prediger Dr. Güdemann die Trauerrede, in welcher er die letzten Worte des^Verblichenen citirtc. Diese Worte, an die trauernde Witwe gerichtet, lauteten: ,Meine letzte Bitte ist, daß du den Kindern eine Erziehung, wie sie einfachen Bürgerskindern geziemt, zukommen lassen mögest." Unter Trauergesängen errolgte bann die Beisetzung der Leiche im eigenen Grabe. Wie wir erfahren, hat Herr Eduard Thorsch außer den bereits gestern erwähnten 15.000 fl. für die Armen, noch weitere 25.000 fl. zu wohlthätigen Zwecken vermacht. Werv-Aork, Ende Juni 1883. Am 21 Juni fand im Tempel Ahaveth Chesed der Schluß-Actus der Neligionsschule statt und gestaltete sich zu einer allen Betheiligten besonders denkwürdigen Feier durch die Anwesenheit des Herrn Dr. Eduard Lasker, welcher in Begleitung seines Bruders erschienen war, von Nev. Dr. Adolvh Hübsch auf's Wärmste bewilckommt, von ihm den Anwesenden vorgestellt wurde, welche den berühmten europäischen Staatsmann mir frenetischem Jubel und Hurrahrufen bewillkominten. Der verehrte Gast folgte den Gedächtnißübungeu der Kinder, deren hübschen passenden Vorträgen in englischer und deutscher Sprache mit scheinbar größtem Interesse; nach dem Schlüsse des reichhaltigen Programms sprach Herr Dr. Lasker, der ANstorderung des Herrn Dr. Hübsch nachkommend, den Kindern und außerordentlich zahlreich erschieneneu Zuhörern, unter denen sich die Herren Dr. Gottheit und Köhler, Uriah Herman, Julius Katzenberger, der Schulvorstand und viele andere prominente Glaubensgenossen befanden, seine Freude für das ihm hier Gebotene und den ihm zu Theil gewordenen herzlichen Empfang aus; er ermahnte die Kinder, die Segnungen dieses freien Landes nicht zu unterschätzen, sich derselben würdig zu machen; Amerika sei ein Hort der Freiheit für die unterdrückten Völker Europa's das amerikanische Jndenthum, die jüdischen Amerikaner,-wie sich der Redner ausdrückte, haben eine große Zukunft; und wie schon unsere Urväter die Träger der Cultnr, der Aufklärung der reinen Gottesverehrung waren, so wird das Jubenthum auch in Zukunft, besonders in Amerika, seine Mission in diesem Sinne erfüllen. Den Worten des geistvollen Redners folgte ein nicht endendwollender Beifall. Von Herrn Dr. Hübsch aufgefordert, beantwortete Dr. Gottheit die Worte des berühmten Vorredners in englischer Sprache, er erhob die Verdienste desselben, welche er sich um das Judenthum sowohl, als um die ganze Menschheit erworben, in gebührender Weise und eloquenten Worten hervor, wie er sich freue, daß Herr Dr. Lasker, obgleich nur zu seiner körperlichen Erholung hier anwesend, doch schon daS thäligfte Interesse an hiesigen Vorgängen nehme. Er selbst freue sich herzlich, hieher gekommen zu sein, so wandte ^er sich an die Kind er, auch er habe eine ebenso große Anzahl Kinder in der Neligionsschule des Tempels Emanuel; er gebe der Hostnung Ausdruck, daß' die Kinder aller jüdischen Neligionsschulen öfters zusammen kommen sollten, gemeinsam ihre Feste zu feiern, gemeinsam zu singen und zu beten. Diese Aeußerungeü fanden den lebhaftesten Beifall aller Anwesenden. Hierauf begrüßte Herr Dr. Köhler den gefeierten Galt in den gemüthvollen Lauten der deutschen Muttersprache, indem er sagte, daß auch die deutsche Sprache hier weiter gehegt und gepflegt wird,- wie aus den Vorträgen der Kinder ersichtlich, daß neben der Landesspräche dieselbe noch zur Geltung kommt, daß man im freien Lande Amerika dasalte Vaterland doch nicht vergißt. Auch er prophezeistdem amerikanischen Jndenthnme eine große Zukunft;■ denn hier unter den freien Institutionen dieses Landes sei Jeder, auch der jüdische Knabe, souverän, dem selbst der Präsidentenstuhl zu besteigen, nicht verwehrt ist. ״Ja," rief , der -Redner begeistert aus, »im Alterthum war das jüdische Volk ein Königthum von Priestern, in Zukunft wird dasselbe hier ein Priesterthum von Königen sein./ Er forderte die Heranwachsende Generation ans, ohne Furcht seine Gesinnungen zu ver sichren, so wie der Herr Dr. Lasker selbst gegenüber dem- Reichstage und dem gefürchteten Reichskanzler verfochten habe. Nachdem noch Herr Dr. Lasker den ausgezeichnetsten Schülern, die ihnen von dem Vorstande bcstinunren Medaillen und Preise ansgehändigt hatte, entfernte sich derfelb-׳ unter allgemeinen enrhusiaftischen Hochrufen. Kurz darauf kain die so hochinteressante Feier zum allgemein befriedigenden Abschluß. . (Deborah.) Kleisch gebühr. Die Cultusgemeinde Brcesani bezog seit uralten Zeilen eine gewisse Gebühr vom Viehschlachlen,;bei־ lausig st. 4000 jährlich, .welche zur Deckung der Cultusgemeindeauslagcn verwendet, wurden. Es wurde endlich Klage geführt,- daß nicht nur die Israeliten, sondern auch die anderen Bewohner der Stadl hievon betroffen werden, worüber die Behörde die Untersuchung eingeleitet, die Klage für begründet erachtet, und daraufhin das Cultusministerium, im Einverständnisse mit dem Ministerium des Innern und des Finanz-Ministerium eine Verfügung getroffen hat, daß der Cultusgemeinde die Behebung dieser Gebühr strengstens verboten wurde. Die Cultusgemeinde überreichte dagegen eine Beschwerde an den Verwaltungsgerichts- Hof in Wien, und stützte sich auf das Patent des Kaisers Josef II. vom Jahre 1789, ferner auf Artikel 15 der Staatsgrnndgesetze, wonach die Selbstständigkeit der Religions-Genossenschaften ge-

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