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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-07-30 · Heft 26 (30.7.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 26 (30.7.1883)
Date
1883-07-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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welcher schalkhaften Anmuth erzählt er dagegen vom .schönen Henny', vom ,Väschen im Sträschen", und wie rübrend vom ״treuen Zohnie" in den .,schottischen Liedern" von Beethoven! Leise läßt er ״die Veilchen kichern und kosen" und den ״Nußbäum rauschen vor den Fenstern des träumenden Mägdleins", um daun wieder unsere ganze Seele anfzuwühlen mir der leidenschastlichen Klage: ״Wo bist Du — wo bist Du — mein geliebtes Land!" Derselbe Sänger, der als ״Orestes" in der Tanris-Zphigenia Gluck's mit seinem: ״Die -Ruhe kehrt zurück!" bis zu Thränen zu ergreifen versteht, nimmt alle Sorgen vom Herzen mit seinem ״Sandmännchen" in den ״Kinderliederu" von 2. Brabms, mit dem Liede vom ״Haidenröslcin". oder mit Schumaun's ״Sonnenschein". Stockhausen ftebt in allen seinen Leistungen über seiner Aufgabe, und so beherrscht in deren Lösung der Künstler in ihm den Menschen, den er als solcher beständig überwacht. Bei der unvergeßlichen Schröder dagegen war cs umgekehrt. Sie erkannte keinerlei Zwang an, welchen Namen er auch führen mochte. Ihre gewaltige und ungebändigte Natur schob in den meisten Fällen alle sogenannte künstlerische Mäßigung bei Seite. Deshalb wirkten freilich auch im Allgemeinen diese unmittelbar hervvrbrechenden Flammen ihrer glühenden Empfindung in vielen Liedern mächtiger, als sie bei irgend einem andern Sänger gewirkt. — Der Art Stockhausens näher verwandt möchte ich den raschpulsirenden und geistvollen Liedergesang der Garcia bezeichnen; diese beiden großen Künstlernaturen haben einen verwandten Zug; dieselbe Energie des Wesens und Strebens und die gleiche Kunst- Vollendung. Die Welt hat auch diesen vielgefeierten Beiden den Zoll unbegrenzter Bewunderung in verschiedenster Weise bereits dargebracht meine Hand möchte hier nur einige frische Dankes- Blumen auf ihren Sängerweg streuen. Zur Lage der Cultusbeamten. Wir leben eben in den schwülen, und daber manchmal auch trüben Tagen בין המצרים und könnten wir Gemcinde-Functionäre wahrlich von großem Glücke singen, sagen und schreiben, wenn die ימים אשר אין בהם חפץ sich bloß auf die .drei Wochen' der obligaten nationalen Trauerzeit beschränken würden. Leider ist dem bekanntlich nicht so Und gibt es durch's ganze Jahr hindurch genug Stoff zum Klagen; es gilt daher für uns im Großen und Ganzen, unser Päckchen Mühe und Plagen zu erdulden und zu ertragen, da ja die Benediction שלא עשני עבד nicht auf uns bezogen werden kann. Man bedauert und betrauert neben dem Verluste der nationalen Selbstständigkeit das Aufbören des Opferen ll us — ob mit Recht, oder nicht, bleibe dahingestellt, bezüglich des letzteren, aber daß Cultusopfer, respective Märtyrer der cultnsgemeindlichen Herrlichkeit und Hierarchie noch heutzutage vorkommen, ersieht man ans dem fach- und zeitgemäßen Aufsatze des Herrn Schwarz in Nummer 25 Ihres werthgeschätzten Blattes und ist auch allenthalben gang und gäbe. Gesetzt nun, es wäre dies wirklich der Fall — posito, sed non concesso — daß in religiös gesinnten, nicht apathischen Gemeinden der Cultusbeamte einer schärfereir und strengeren Kritik und Control? ausgesetzt ist, da wir Juden, abgesehen von manch' räudiger Rotte der בני קרח als בני מלכים ans lauter geborenen Aristokraten, und daher auch מבינים bestehen; sei's darum, ich ziehe diesen Umstand, daß der Angestellte, wie ein שיעיר המשתלה, auf dessen ohnehin schwerbelastete Schultern marr so bequem alle Sünden und jede Schuld hinwälzen darf, von Zeit zu Zeit die Gefahr נע 1נד vor Augen habe, in der Sorge um seine und seiner Angehörigen Existenz einen Sporn und Antrieb zu genauer, gewissenhafter und pünktlicher Pflichterfüllung, einen festen Anker finde und so das fortwährende Herumwaudern, bei dem ja doch schließlich äußerst selten wahr׳ hafte Besserung des Fortkommens resnltirt, zu vermeiden, das ״ewige Provisorium" erträglich zu machen. — dem weitaus größeren Uebelftande für die Allgemeinheit vor, wenn durch den allerorts grassircnden crasscn Materialismus und Marasmus, die Versumpfung und Versunkenheit im Jndenthume überhand nimmt, die Indolenz und der Indifferentismns und Hypnotiömns unausrottbar und unansjälbar in's Fleisch und Mark unseres Volkes sich einfressen und einnisten. Was übrigens Herr Canror S. über das Vcrhältniß des Rabbiners zum הין als dem dem Oberpriester subordinirten לוי, analog der Einiheilung im Tempel zu Jerusalem stüchtig bcrührte, ist mit Verlaub eine Fiction und totale Verkennung der wirklichen Thatsachen — denn mit der Zerstörung des staatlichen Lebens unserer Nation har auch gleichzeitig das abronidische Priesterthum — gleichsam der Geist für den nationalen Staatskörper — seinen Glanz und Nimbus fast gänzlich verloren und bildet, unser Gcmeindewesen und der- Gottesdienst im מקרש מעם nur einen matten und schwachen Abglanz unserer einstigen Größe und glorreichen Vergangenheit. Rabbiner sowohl, als auch Cantoren repräsentier:! demnach durchaus nicht die Nachfolger der כהנים, sie sind eben in den meisten Fällen nur Vertreter und Figuranten, Lohnsklaven und Frohndiener der Gemeinde, wo letztere nicht das Vertragenerhältniß des Definitivums acceplirte und dadurch gewissermaßen dem confessionell׳religiösen Standpunkte strenger und stricter dauernde Rechnung trug. Es bleibt also nur übrig, das eonfessionell e Moment in Haus und Familie zu wahren und zu würdigen und wie es hiemit in modernen, sogenannten Fortschrittsgemeinden besteht und bestellt ist. bedarf nicht vieler Worte, da bezüglich der Pflege von jüd. Sitte und nationalem Herkommen nicht viel Tröstliches sich sagen läßt. In solchen Gemeinwesen reducirr sich das ganze Indenihum — abgesehen von der durch Gesetz und Gepflogenheit U0I6Q8 V016Q8 vollzogenen Markirung nach der Geburt von Knaben, bei Trauung und Todesfall — auf den Neligions- Unterricht, welcher der Jugend obligatorisch ertheilt wird, denn sonst würden sich auch da manche Eltern dagegen sträuben, wie ja Einzelne den Cultusbcitrag nur gezwungen leisten, um durch Confessionslosigkeits-Erkläruug kein Odium auf sich zu laden und mit den Ihren oder gar selbst mit der andersgläubigen Umgebung nicht zu zerfallen, weil ein im Verdachte des Unglaubens Stehender noch immerhin mit scheelen und schiefen Augen angesehen wird. Daß Milah, jüd. Eheschließung — bei Mischehe, im Falle der Noth-Civilche und confessioncller Beerdigung schon umgangen und zuweilen perhorrescirt worden, ist nicht mehr neu — wir haben somit größkenthcils nur ein nominelles Iudenthum, forterhalten durch Herkunft und Abstammung und die junge, heranwachsende, nach quasi freisinnigen Principien erzogene Generation des Judeuthums, namentlich in großen Städten, unterscheidet sich bezüglich keines anderen wesentlichen und wichtigen Punktes von den übrigen Confcssionen, als höchstens durch den Monotheismus, der aber nur von sehr problematischem Werthe und zumeist fragwürdiger Natur ist, da er mehr Deismus, als die Folge des Bekenntnisses und auf Grund der Offenbarungslehre sich basirt. Die früher so hervorragenden und entscheidenden Merkmale der

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