Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 26 (30.7.1883)
- Date
- 1883-07-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Zn Anbetracht der Wichtigkeit dieser Angelegenheit haben 1 auch wir die Qrgelfrage zum Gegenstände unserer Besprechung! gemacht; wir wollen auch hiebei unsere Kundgebungen nicht als apodiktische Thatsachen hinstellen, vielmehr würde es uns sehr freuen und in hohem Maße interessiren, durch die Eröffnung unserer Anschauungen auf die Gedanken unserer intelligenten Fach? genossen anregend zu wirken, um dem entsprechend vielleicht eine einheitliche Gedanken! ichtung zu vermirreln, eventuell zu erzielen. Wenn wir bei der Kundgebung unserer gewonnenen Anschauungen*) den bereits bekannten geschichtlichen Daten auch die von uns aufgefuudeneu hinzufügen, so leitet uns hiebei keineswegs die Sucht, mit gelehrt klingenden Tiraden glänzen zu wollen,-sondern vielmehr die Absicht, einen Zwiespalt bezüglich der christlichen und jüdischen Quellen anfzndecken, womöglich richtig zu stellen. Die jüdlschen wie die christlichen Geschichtsschreibe:- erblicken den. Ursprung der Orgel in der Verbindung der Panspfeife mit der Sackpfeife (Dudelsack). Die Panspfeife bestand aus mehreren (7) an einander gereihten, ungleich großen Pfeifen, die mit dem Munde angeblasen wurden, die Sackpfeife hingegen aus einem mit Tonlöchcrn versehenen Nobre, deffen Töne durch den Wind zweier Blassäcke hervorgebracht wurden. — Die Verbindung dieser beiden Systeme ist eine solch' naheliegende, aus der Nothwendigkeit resultirende, daß dieselbe mit vollem Rechte als Anfaugsstadium der Orgel angesehen werden kann. Zm Principe wären nun die beiden christlichen und jüdischen Ansichten so ziemlich dieselben, nur in der hebräischen Benennung der Abstammungs-Instrumente obwaltet ein beklagenswerther Unterschied, dessen Vorführung die allerbeste Aufklärungfür oder gegen die Annahme, daß der Ausgangspunkt der Orgel in jüdischer Tradition wurzle, biciet. Der Ausdruck Panspfeife Lemet auf, eine andere als jüdische Heimat hin, wenngleich die jüdischen Quellen sich sebr eingehend mit der Beschreibung derselben beschäftigen: ״שהוא הכלי המחובר מקנים רבים ההולכים :ומקצרים. עצמם למטה בהדרגה וכשמע בידים אותו.התוקעים בו על שפת פיהם התחתונה ונופחים בקנים הם משמיעים קולות שונות לפי אורך הקנים וקצרותן או לפי חוזק הנפוח בהן וחלשתה" sag! die hebräische Inschrift auf das bezeichnele Instrument; das Äneinanderreihen mehrerer abstufend langer und kurzer Pfeifen deutet lediglich auf die Panspfeife hin, welche bekanntlich Heidnischen Ursprunges ist und nur von den Juden angenommen wurde; diesen geschichtlichen Anhaltspunkt müßten wir demnach entschieden aufgebeu. — Die jüdischen und christlichen Geschichtsquclleu sind auch mit der hebräischen Benennung der Panspfeife nicht im Klaren, während der eine das ענב mit der Panspfeife identisch hält, wie oben angeführt, deutet eine andere Stelle des ענב als ein Instrument, welches mit Saiten bespannt und mit einem Bogen gestrichen wurde: שיש להבלי הזה ששה מתרים של מעי בהמה ומקישים בו המתרים במין קשת שיש דר מיחד של שערות מזנב הסום demnach den Urahn unserer heutigen Violine errathcu lassen. Eigenthütttlich ist hiebei, daß das in Jerusalem gebräuchliche Instrument ענב an einer Stelle für ein Streichinstrrnment, an.anderer Stelle für ein Blasinstrnment gehalten wurde. Auch das zweite Abstammungs-Object, die Sackpfeife, erweist sich nach eingehender Prüfung als nicht jüdischen Ursprungs. Die Sackpseife (Dudelsack) wird in der jüdischen Geschichte nur einmal, und zwar Daniel Cap. III, Vers V erwähnt mit der Benennung סומפוניה. Man sieht es dem durch hebräische Buchstaben gewaltsam hebraisirten Worte an, daß seine Heimat *) Bezüglich der Abstammung der Orgel. in Griechenländ zu suchen sei. Zudem kömmt der Ausdruck nur einmal in der jüdischen Geschichte vor, und zwar gelegentlich des Ukases Nebukadnezars, der den Juden gebieten läßt, in dem Augenblicke, da der Schall der dort bezeichneten Mnsikinstrümente, worunter auch die Sumphoneiä (nach Anderen Samponia), erklingen wird, vor einem aufgerichteten Götzen hinznknieen, Ein Heidnischer König gebietet/seinen Untergebenen, Musik zu machen; es ist nun nicht auzunehmen, daß die heidnischen Musiker auf anderen als ihnen geläufigen Instrumenten spielten, namentlich in einem Momente, der die Bekehrung eines Volkes, demnach einen religiösen Act involvirt, wir folgern nun, daß die Heid׳ nischen Kammermusiker nur auf ihren und keineswegs auf jüdischen Instrumenten spielten und gelangen zu der gewiß einem Jeden cinleuchtenden Schlußfolgerung, daß auch die םומפניה kein jüdisches Instrument war. Noch zwei andere Benennungen wurden in der Geschichte gebraucht, welche auf eine jüdische Abstammung der Orgel hinweisen sollen, משרוקיתא-und מנרפא — nun auch diesen Worten hört Man es wahrlich an, daß ihre Wiege keineswegs an den Ufern des Jordans stand und, was der Talmud von Orgelarten erwähnt, ist wohl nichts anderes, als der Hinweis auf die Panspfeife, die vielleicht in den ersten Jahrhunderten nach Christi im Tempel zu Jerusalem gestanden sein mag. Der heilige Augustin erwähnt in seinen Ueberliescrungeu, daß im Tempel zu Jerusalem zwei. Orgeln aufgerichtet waren, von denen die größere Magrepha und die kleinere Maschrokita geheißen, welche Annahme jedoch von Autoritäten der Musikgeschichte stark bezwAfelr wird. Allein, selbst zugegeben, daß dem wirklich so war, ist die Lhatsache nicht abzuweisen, daß das heidnische Instrument, die Panspfeife, den allerersten Impuls zur Erfindung der Orgel gab, und daß diese demnach keineswegs in, jüdischer Tradition zu suchen sei. (Fortsetzung folgt). . Bedenken gegen die Errichtung einer Canlorenschule und über die Fructisicirung des Vereins- Vermögens. . .Dem׳ freien Worte die freie Statt", das war bisher die stolze Losung unseres Organes und so hoffe ich denn auch, daß eine löbliche Nedactiou meinem Bedenken gegen ihre Favoritidee, die Errichtung einer Cantorenschule, Raum in den Spalten unferes, die. Interessen des Cantorenstandes wahrenden Blattes geben wird Dem geehrten Herrn Verfasser des Artikels ,Was uns fehlt" in der Nummer vom 22. Juli u. 6. ist es ,geradezu zu verwundern", daß viele ältere College!! sich ,gegen die Er« richtung einer Cantorenschule' erheben. Wenn es nun noch Niemand dieser meiner älteren Herren College!! unternommen hat, seine Bedenken frei und offen gegen die Errichtung eines solchen Cantorenseminares in unserem Blatte zu veröffentlichen, will ich mit meiner schwachen Feder diese Gegenmeinung vertreten und dem Herrn Verfasser .Was uns fehlt" ׳,das Näthsel lösen", wie man sich gegen die Errichtung eines solchen Jnftilutes erheben kann. ,Die Cantorenschule soll alles das was der Cantor als solcher, wie als gebildeter Mensch braucht, in leicht faßlicher Weise veranschaulichen". Schöne Worte und doch so nichtssagend, wenn man nüchtern, keineswegs aber in der Stimmung eines künftigen Cantorenakademie-Professors sie betrachtet. ״Nichtssagend" dürfte wohl Vielen als etwas zu scharf erscheinen, ich muß aber dennoch bei diesem Ausdrucke bleiben und