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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-07-14 · Heft 24 (14.7.1883) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 24 (14.7.1883)
Date
1883-07-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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der Sequestration und der Verfolgung. Es ist aber ein histo- I risches Gesetz, daß eine Gesellschaft, welche einen Theil ihrer selbst! zwingt ein Dasein für sich zu führen, durch diese ungeschickten Maßregeln zu leiden hat, denn es ist eine Folge der Aechtung, daß für den Geächteten eine Art Privilegium ersteht. Man entzieht ihm gewisse Lasten, man verurtheilt ihn zu gewinnbringenden Beschäftigungen. Zn dieser Gesellschaft des Mittelalters hat der Jude nur ein Gewerbe frei, dasjenige sich zu bereichern, so daß cs. einen sonderbaren chculus vitiosus gibt. Man wirft ihm die Beschäftigung vor, zu welcher man ihn doch verurtheilt hat. Man hat ihm den Ackerbau entzogen, man untersagt ihm die Aus- Übung drückender Arbeiten, und man sindet cs schlecht, daß der Zude aus dem Nutzen zieht, was eine solche Situation Gewinnbringendes hat. Das ist eine der beklagenswerthesteu Sophismen. Die Thatsache der Uebertragung der Geld- und Finanzgeschäfte nn die Juden war übrigens die Folge ihrer Ausschließung ans dem cauonischen Recht. Die Kirche hatte damals, namentlich in Frankreich, die überspanntesten und falschesten Ideen über den Wucher. Die Lehren des cauonischen Rechtes über die Gcldzinsen machten fast alle Geschäfte für . die christliche Gesellschaft 1111׳ möglich. Um die mindeste Geldoperation zu machen, mußte man Leute verwenden, welche dem cauonischen Rechte nicht unterworfen waren. Der Wucher — und Man war Wucherer, wenn man aus einer Geldanlage den mindesten Nutzen zog — war ein kirchliches Verbrechen; der Wucherer durfte kein Testament macken, wurde nicht in geweihter Erde begraben, seine Familie wurde. als infam angesehen, so daß alle Christen thatsächlich von den Operationen einer Bank und selbst von denen der Versicherung und des Handels ausgeschlossen waren. Das Mittelalter ist also selbst besten schuldig, was man den Israeliten vorgeworfen hat. Verweilen wir nicht zu lange bei diesem traurigen Schauspiele. Berühren wir lieber eine tröstlichere Epoche, jene des achtzehnten Jahrhunderts, welche endlich die Rechte der Vernunft, hie Menschenrechte, die wahre Theorie der humanen Gesellschaft, proclamirte und damit den Staat ohne osticielles Dogma schuf. Der Staat war nun neutral mitten unter den metaphysischen und theologischen Streitigkeiten, von diesem Tage ׳begann die Gleichheit für die Juden. Die Revolution war es, welche diese Gleichheit und die der anderen Bürger im Staate aussprach. Sie fand die wahre Lösung mit einem Gefühle absoluter Nichtigkeit, und die übrige Welt wird dies früher oder später eiusehen. (Allgemeine Zustimmung.) Und wer konnte eine solche Lösung lieber nnnehmen als das jüdische Volk? Es hatte diese selbst vorbereitet' durch seine Vergangenheit, seine Propheten, welche die künftige -Einheit des Menschengeschlechtes im Glauben und im Recht vorhersagten. Die Gründer einer solchen Bewegung waren zunächst der alte und authentische Jsaias, dann seine Fortsetzer zur Zeit her babylonischen Gefangenickaft, dann die Estenier, diese poetischen Asceien, welche, ein Ideal von Frieden. Recht und Brüder׳ lichkeit verkündigten. Das Christenthum hat ebenfalls zum Fortschritte der Civilisatiou mächtig beigetrazen, dieses aber so bewundernswerth in seinem Ringen gegen die Barbaren, wenn cs einige Spuren von Vernunft und Neckt mitten in der überwältigenden Brutalität zu erhalten suchte, dieses Chriftenthum, sage ich, war nur die Fortsetzung der Propheten. Die Gloire dieses Christentsums ist auch der Ruhm des Judenthums. Die Welt hatte sich demselben zugewendet, als sie sich zu den Lehren der Sanftmuth und Menschlichkeit bekehrte, welche die Schüler von Jesus predigten. (Applaus.) Und jetzt, wo diese großen Dinge vollzogen sind, sagen wir: Das Judenthum, welches so viele Dienste in ״-der Vergangenheit geleistet hat, wird deren, auch in der Zukunft erweisen׳ Es wird der wahren Sache dienen, dem Liberalismus, dem modernen Geiste. Jeder Jude ist ein Liberaler. (Allgemeine Zustimmung und Applaus.) Er ist es im Wesen. Die Feinde des Judenthums dagegen, wenn man sie genauer betrachtet, sind auch die Feinde des modernen Geistes. Die Schöpfer des liberalen Dogmas in der Religion sind, ich wiederhole es, die Propheten. Jsaias, die Sibyllinen, die jüdische Schule zu Alexandrien, die ersten Christen, welche als die Fortsetzer der Propheten erscheinen. Das sind die wahren Gründer des Geistes der-Gerechtigkeit der Welt. Indem er dem modernen Geiste dient, thut der Jude nichts als dem Werke dienen, zu welchem er in der Vergangenheit am meisten beigetragen, und für welches er so viel gelitten hat. (Bewegung.) Die reine Religion mit einem Worte, die wir im Geiste vorhersehen, und welche die ganze Menschheit untereinander verbinden können wird, könnte nur die Verwirklichung der Religion von Jsaias, die ideale, jüdische Religion sein, geläutert von allen Schlacken, die' mit derselben vermischt worden sind. . Das Spendenbuch des österr -ungar ßantoren-Dereines. Es dürfte gewiß für unsere geehrten Herren College!! und Vereinsmitglieder von großem Interesse sein, einen Einblick in das Spendenbuch des CantoremVereines zu erhalten,- daher wollen wir in den nachfolgenden Zeilen eine Beschreibung desselben geben: Seite I. Gredenk’biicli Der edlen und hochherzigen Gönner und Förderer des österr.-ungar. Cantoren-Yereines zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Cantoren, beziehungsweise deren Witwen und Waisen, und zur allgemeinen Hebung der amtlichen Stellung israelitischer Cantoren. Wien, im März 1883. Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines. Josef Singer, Präses. A. Fischer, Jacob Dauer, Cassier. Präses-Stellvertreter. Seite II. ספר הזכדונות באצילי בני ישראל האנשים הנכבדים אשר נתנו מלבם־ומהונם לידי הברת החזנים - בשם עסטד־אונג. קאנטארען־פעראיין . בעיר מלוכה וויען. - הער פארעזטאנד: הק׳ יוסף זינגער. _ הק׳ יהיאל בויער. הק׳ אברהם פישער. Seite HI. ,Von der Wichtigkeit und Bedeutung eines Vereines ,für Cantoren, eventuell bereu Witwen und Waisen, durch- ,druugen und von dem Wunsche beseelt, dem Menschen-

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