Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 23 (6.7.1883)
- Date
- 1883-07-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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aus nickt in den Ventriculus Morgagni ekugebogen haben. J sondern direct von den Stimmbändern nach außen und oben in j gerader Nichtuug aufstiegen. Ebenso zeigte es sick bei krankbaften Zuständen, wo die falschen Stimmbänder mit den wahren am äußersten Rande verwachsen waren, daß die Stimme keine Einbüße dadurch erlitten, insolange die wahren Stimmbänder zur normalen Schwingung zu bringen waren. Drr Geist des Iudrnthums. Die ״Woche" bringt einen höchst interessanten Bericht über einen Vortrag, welchen jüngst der französische Gelehrte und Akademiker Ernst Renan in der ,Pariser Gesellschaft für hebräische Studien" .über den Geist und die Moral des Judenthums hielt. Renan wurde vom Baron Alphous Rothschild in folgender Weise eingesühit: ,,Meine Damen und Herren! Die Sitzung, zu welcher Sie cingeladen wurden, ist keine gewöhnliche, es ist eine wahrhafte Feier, welche in den Annalen unserer Gesellschaft ihre besondere Stelle haben wird. Herr Renan, dessen Name eine europäische Berühmtheit hat, war so freundlich, uns eine jener Confereuzen zu bewilligen, welche immer ein literarisches Ereigniß sind. Wir danken ihm aufrichtig für die Ehre, welche er uns erweist. Wir sind dafür doppelt erkenntlich, zunächst, weil seine Reunion einen wahren Glanz verleiht, und dann, weil das ein eclanter Beweis ist, daß die Wissenschaft und das Talent sich für unsere Studien interessiren. Ich reiche ihm daher mit tiefer Erkenntlichkeit die Hand und danke ihm.' (Lebhafte Zustimmung und langer Applaus.) Das Wort wurde hierauf Herrn Renan erlheilt, der die folgende Rede hielt: ,Die Worte. Herr Baron! mit welchen Sie mich einführten, haben mich angenehm berührt. Ich war in der That unter Jenen, welche sich gleich anfangs beifällig über die fernt. Und mit der Gegenwart sieht es leider noch trauriger aus. Denn nur vereinzelt sind Ausnahmen und zahllos jene Gemeinden, die den fatalen Passus in ihre Coneurse aufnehmen: ,Neisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet.' Und doch find die letzterwähnten Gemeinden nicht alle in eine Reihe zu stellen. Man kann vielmehr drei Categorien unterscheiden. Es gibt viele kleine Gemeinden, die für Gotteshaus und Schule die größten Opfer bringen, die ihre Beamten achten, ehren und anständig nähren. Aber in diesen Gemeinden ist es oft der Fall — und viele College» werden es ans Erfahrung wissen — daß oft kleine, unvorhergesehene Auslagen große Schwierigkeiten bereiten, da die Bedeckung des normalen Gemeindehaushaltes schon mit schweren Mühen verbunden ist. Wie sollen nun solche Gemeinden bei einem Concurse anläßlich eimr Vacanz des Cantorposteus verfahren? Sollen sie etwa Jedem zur Probe ankommenden die Spesen vergüten? Das können sie beim besten Willen nicht! Andererseits können sie sich aber aus Interesse für die Würde des Gottesdienstes nicht dazu entschließen, mit Umgehung des Concurses gleich den nächstbesten probesingenden Candidaten anzustellen! Sie müssen sich daher, für ihre eigene Cassa besorgt, dazu entschließen, nur dem Acceptirten die Reisekosten zu vergüten. Die Herren Cantoren, so sagen die Vorsteher dieser Gemeinden, müssen, wenn sie etwas gewinnen wollen, auch etwas riskir en. Wie wäre es aber, wenn man den Mittelweg wählen, wenn man jedem zur Probe gelangenden Cantor, der nicht acceptirt wurde, aus einer früher hiefür bestimmten Summe, einen kleinen Ersatz für die Reisekosten geben würde? Der aceeptirte Cantor könnte Bildung dieser Gesellschaft der hebräischen Studien aussprachen Besonderen Beifall aber spende ich jenem Paragraphe der Statuten, welcher auch den Beitritt von Nichtjuden als zulässig, erklärt. Sie hatten vollkommen Neckt, diese Bestimmung aufzunehmen. Ohne Zweifel gehören diese Studien von Rechtswegen Ihnen; es sei aber zu Ihrem Ruhme gesagt, sie gehören auch der Menschheit. Die Untersuchungen über die Vergangenheit der Israeliten interessiren die ganze Welt. Alle Religionsbekenntnisse finden in ihren Büchern das Geheimniß ihrer I Bildung. Wer in den Ursprung seiner Religion tief eindringen will, der muß zum Hebräischen kommen. Ihre Studien, wenn sie auch Ihr eigcntbümliches Gut bilden, sind also die gemeinsame Besitzung aller Jener geworden, die glauben und untersuchen. (Beifall.) Welch wunderbares Schicksal Hai doch ihr heiliges Buch, die Bibel! Sie ist die geistige und moralische Nahrung der civilisirten Menschheit geworden. Wenn es einen Theil der Welt gibt, der wenig an Juden erinnert, so find es sicher unsere verlorenen Inseln des Oeeans und des Nordens. Wohlan, womit beschäftigt man sich in diesen fernen und von dem Orient so verschiedenen Ländern? Womit man sich dort beschäfligt? Mit der Bibel, vor Allem mit der Bibel. Im Norden Schottlands, ungefähr 30 Meilen von der Küste, inmitten eines wilden Meeres existirt ein isolirter Felsen, welcher fast die Hälfte des Jahres hindurch in Finsterniß getaucht ist. Diese kleine Insel heißt St. Kilda. Ich las neulich sehr merkwürdige Daten über dieses Jnselchen, welches uns interessante Nachweisungen über die celtische Race in ihrem reinen Bestände geben könnte. Ganze Monate hindurch ist man dort ohne alle Beziehungen mit der übrigen Welt. Man must sich sehr langweilen auf St. Kilda, und die Gesellschaft must dort wenig Abwechslung bieten. (Man lacht.) Und was macht man auf dies m kleinen, vergessenen Erdfleck? Man liest die Bibel vom Morgen bis zum Abend und man versucht, sie zu noch am leichtesten die ihm erwachsenen Auslagen verschmerzen, denn er hat ja mittelst derselben sehr viel erlangt — eine A n ft e l l u n g. So wäre also den Gemeinden, die gerne ihre Pflichten׳ gegenüber den Candidaten erfüllen wollen, aber nicht k önnen, einigermaßen geholfen. Diejenigen Gemeindevorstände aber, deren Wahlspruch da lautet: ,Wir könnten wohl, wollen aber nicht' (ich zähle sie in die zweite Categorie), find beinahe unheilbar. Sie gönnen uns nicht einmal das kleine Epitheton ,Herr', auf das doch jeder anständige Mensch Anspruch hat, wenn sie ihre ,Cantoren-Concurse' ausschreiben. O, wie engherzig! Da lobe ich mir doch die Wiener, die sind in Bezug auf Titel sehr muuificent! Hier wird ein Jeder, ob schlecht, ob recht, ob Herr oder Knecht, in den Adelstand erhoben. Bei der Anspräche wird er ,gevont', denn es wird Jeder mit .Herr von" augeredet und erhält er ein Schreiben, so hat er es schwarz auf weiß, daß er ein ,Wohlgeboren' ist. Ausgenommen natürlich nur das Telegramm; auf diesem fehlt selbst der Zusatz ,Herr", und hier ist dies auch zu entschuldigen, weil dieser kleine Titel auch kleine Mittel in Anspruch nimmt. Nachdem man aber in der Regel spricht und schreibt und nur in seltenen Fällen telegraphirt, so sind wir selbstverständlich in der Regel Adelige und nur ausnahmsweise — bürgerlich. Aber für uns Cantoren, wage ich zu behaupten, ist das adelnde ,von' keineswegs zu hoch gegriffen. Wir sind sogar sammt und sonders — Excellenzen! Denn, wenn man erwägt, daß der kleinste Gesandte am kleinsten Hofe eine Excellenz ist, was sind dann erst wir, die wir als שלוחי צמד b ei dem Könige aller Könige