Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 23 (6.7.1883)
- Date
- 1883-07-06
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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2 falschen Ansichten über seine Entstehung her, zu denen gerade auch Johannes Müller, der Begründer der Experimental- Physiologie, dadurch gelangte, daß er nur an tobten Kehlköpfen experimentirte. Seine Anschauung, daß bei Kopftönen nur die Stimmbandränder Schwingungen geben, wurde gleich von verschiedenen Gesangslehrern aufgegrifsen und daraus die Theorie des )Stimmbandrandtons construirt, welche entschieden falsch ist. Mejch in ihren Anfängen hat die Laryngoskopie nachgewiesen, Haß der Falsetton dadurch erzeugt wird, daß der Nahmen, Ln dem die Stimmbänder gespannt sind, der Länge nach gedebnt wird, mithin das Stimmbaud vorerst von außen eine passive Spannung erleidet; erst dann tritt der eigentliche Stimmbandmuskel in Wirksamkeit in Folge dessen nur eine ganz dünne Lamelle des Stimmbandes in Schwingung geräth. In jüngster Zeit hat O ertel in München das schwingende Stimmband im Lntermittirenden Lichte untersucht (er wendete nämlich eine rotirende Scheibe - an, in der sich in gleichen Abständen von einander Oeffnungen befanden) und da stellte sich heraus, was man schon früher mit dem Kehlkopfspiegel allein gesehen hatte, daß beim Falsette dns Stimmband sich der ganzen Breite nach schwingt, nur entdeckte er. hiebei.gleichzeitig die interessante Thatsache, daß bei diesen Schwingungen sagittale Knotenlinien entstehen. Stim mb a n d stel l u n g e n. . Die Action der wahren Stimmbänder bei den Brusttönen unterscheidet sich wesentlich von der bei dem Fallet; da erscheint das Stimmband schmäler, länger, beim Brustton erscheinen sie nicht so lang, dafür aber breiter. Während beim Falsettone der Rahmen, in dem die Stimmbänder aufzehängt sind, zum Ovaloide wurde, wird er bei der Bruststimme zum Kreise. Beim Falset , werden mit den wahren Stimmbändern die falschen mechanisch j mitgespannt; beim Brusttöne nehmen die falschen Stimmbänder ] activcn Antheil; sie contrahiren sich, verengern, stützen, befestigen > gleichsam das Ansatzrohr ober den wahren Stimmbändern, legen ' ״Führe uns nicht pir Probe!" Ist der Stoßseufzer eines Gebetes am Eingänge der Morgenandacht: אל תביאינו לא. לידי נסיוץ• Ohne Sang und Klang, fast andachtslos wird es verrichtet, kein Cantor hat es noch versucht, demselben musikalischen Ausdruck zu geben. Und doch ließe sich ein echter und rechter Seufzer, wie dieser, recht wohl in's Musikalische übertragen; —ach, führe uns nicht zur Probe — damit wir nicht um die N eisespesen geprellt werden! Wie peinlich ist nicht die Situation des Probevortragenden! Er, der bewährte Meister, muß sich wie ein Schüler einer Prüfung unterziehen, und für ein Zeugniß, auf ,nicht genügend' lautend, in Form der Neisespesen bedeutende Prnfungstaxen zahlen; er, der in seiner Gemeinde so gerne gehört, muß bei der Probe seinem Auditorium in den Neiseauslagen eine förmliche Entschädigung für das Anhören bieten! Za! wenn der betreffende Cantor noch in der Lage ist, die Neiseauslagen leicht verschmerzen zu können, da ist es zwar kein Malheur, aber doch — fatal. Wenn dies aber nicht der Fall ist, wenn er die betreffenden Auslagen erst ,pumpen" mußte, dann ist es ein Unglück, dann ist es eine — Katastrophe! Denn der Uebel größtes ist nicht nur die Schuld, sondern auch — d ie Schulden. Und woher zahlen, wenn das Einkommen kaum zur Bestreitung der nöthigsten Bedürfnisse ausreicht? In der Mitte des 16. Jahrhunderts, so erzählt Börne, Hai die französische Geistlichkeit, um eine durch Mißernte entstandene Hungersnoth zu lindern, ein zweimaliges Fasten in der Woche angeordnet. uch der Arme wird gezwungen sein, um größeren Entbehrungen sich aber nicht auf die Stimmbänder im Gegensatz zu den Verhältnissen beim Falset, wo es wieder häufig vorkommt, daß die mechanisch mitgespannten Stimmbänder bei stark andrängendem Luftstrom sich auf die wahren Stimmbänder legen. Mit dem Atom eilte der Auflagerung Hort der Ventriculus Morgagni auf zu exiftiren. ׳ •, Alle Phasen zu beschreiben, die die wahren und falschen Stimmbänder mitmachen, kann nicht Aufgabe dieser kurzen Schrift sein; daher wir nur noch die Anschauungen über den V6ntrioüln8 Morgagni erwähnen wollen. Der Vontrivulns Morgagni wurde vielfach falsch gedeutet; bisher hatte man immer gemeint, er sei zur Verdichtung der Schallwellen nothwendig Wir baben aus der vergleichenden Anatomie entnommen, daß der V6ntr'16uln8 Morgagni bei manchen Thieren, z. B. beim Schafe, gar nicht existirt. Das Schaf hat also nur ein Stimmbandpaar, daher ist dasselbe als das einzig tönende einer Modulation unfähig. Damit ein Srimmband modulationsfähig sei, muß es aus der den Kehlkopf überkleidenden Schleimhäutwand, aus der es resultirt, leicht heraushebbar sein. ... Dies kann nur dann der Fall sein, lv en uhichd ie s e Sch lei mhaut in zwei Falten legt. Der Raum zwischen der einen und der anderen Falte ist der V6ntriou1u8 Morgagni; dieser Raum . verschwindet aber bei -gewissen Stellungen des Kehlkopfes voll'- ständig, und zwar gerade bei stark anlautenden Tönen, beim Falset, wo das falsche Stimmband sich auf das wahre niederdrückt, mithin ein Eingang in den Ventriculus Morgagni nicht existirt. Dieser eine Beweis würde schon genügen zu zeigen, daß , von einer Verdichtung der Schallwellen im Ventriculus nicht die j Rede sein kann. Einen weiteren Beweis haben wir durch das | Experiment geliefert, indem wir durch Rauch sichtbar gemachte > Luft aus der Luftröhre zwischen den Stimmbändern zum Tönen ' brachreu, und da zeigte sich, daß die zitternden Tonwellen durchauszuweicheu, wenigstens M o n t a g und Donnerstag fasten zu müssen. Aber fo traurig die Gegenwart, in so herrlich rosigem Lichte erscheint die Zukunft des Probevortragenden. In mühe- und spesenloser Weise wird jeder Cantor Probesingen und Beten können; denn nicht.der C a n t o r, sondern nur seine Stimme wird auf Reisen gehen, und zwar — per Telephon! Denn ebenso, wie in Wien vom Opernhause in die Rotunde ein Tele- Phon geleitet wird, ist mit Bestimmtheit auzunehmen, daß dieses auch anderweitige Anwendung sinden wird, so daß sich der Modus des Candidirens, respective Probesingens, sich meinem ahuungsvollen Geiste in solcher Weise darstellt: Der Cantor schickt sein wohlbelegtes Gesuch an den Vorstand, damit dieser ersehe, daß die schöne Stimme auch in einem schönen Körper wohne, wird der Caudidat seine Photographie Nachfolgen lassen. Nun folgen die eigentlichen Verhandlungen. Der Cantor erhält die Einladung, zu einer bestimmten Stunde in der nächsten Telephoustatiou einzutreffen. Dort augelangt, wird er telephoniren: »Darf ich schon singen, recitiren?' Und es erwidert der Vorstehcr - Chor: .Nur recitiren und singen, wir sind ganz Ohr!" Und nachdem gesungen und recitirt, wird noch ein wenig debattirt, der Cantor wird dann acceptirt, per Telephon davon avisiri und — gratulirt; die entstandenen Spesen werden vom Vorstand saldirt, oder sie werden halbirt, und, wird, der Cantor nicht acceptirt, so hat niemand viel riskirt. Allein, höre ich sagen, dem Unglücklichen bietet das Kommen de wenig Trost, die Zeit hat für ihn bleierne Schwingen und . eine Zukunft, noch so nahe, däucht ihm eine Ewigkeit ent-