Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 22 (28.6.1883)
- Date
- 1883-06-28
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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- S — suche ab, welche innerhalb einer Stunde von den genannten Herren erwidert wurden. Um 3 Uhr fand zu Ehren des hier so willkommenen Gastes ein Dinerbei Herrn Goldhammer statt, zu welchem zahlreiche Gäste geladen wurden. Nachmittags besichtigte der Rabbiner das bekannte Etablissement der Herren Gartenberg, Goldhammer & Comp. Am folgenden Tage fand zu Ehren des Herrn Dr. Bloch ein Diner bei Herrn Lindenbäum statt. Äm 6. um 5 Uhr Nachmittags hielt der Rabbiner im großen städtischen Saale einen Vortrag vor einem dicht gedrängten Publikum, den ich nachstehend kurz wiedergebe: Nach einigen einleitenden Worten, in welchen Redner den Zweck seines Besuches in Drohobycz klar legte, um nämlich der hiesigen Bevölkerung seinen Dank für ihre thätige Unterstützung bei seiner Wahl zum Neichsrathsabgeordncten für Kolomca persönlich abzustatten, überging derselbe zum eigentlichen Vorwürfe seines Vortrages, welcher die Erklärung der Figur des Job zum Gegenstände hatte. Nach Beendigung des Vortrages brach das Publikum in stürmischen jubelnden Beifall aus, Redner wurde dicht umringt und mau wollte schier een Saum seines Gewandes küssen, die Begeisterung und der Jubel wollten kein Ende nehmen. Abends fand zu Ehren des Rabbiners ein Bankett statt, welches in animirtefter Stimmung verlies. Bei Tische war es wieder der Rabbiner, der durch seine liebenswürdigen Reden glänzte, welche bald ernst, bald scheizhast dis Gesellschaft, die aus mehr als 50 Personen bestand, bis spät nach Mitternacht in munterster Laune erhielt. Der geistvolle Gast hat auch in diesen Reden sein tiefes Wissen und seine große Gelehrsamkeit bekundet. Sein Witz spielte wie ein buntes Feuerwerk auf dem schönen Boden der heiligen Schrift in den brillantesten und entzückendsten Farben. Am 7. verließ Herr Dr. Bloch unsere Stadt. — Zum Abschiede fanden sich wieder zahlreiche Deputationen im Bahn- Hose ein, die dem Rabbiner in den wärmsten Worten für den Besuch dankten. Der Rabbiner verabschiedete sich in herzlichster Weise mit der Versicherung, daß er seinem Verweilen in der Stadt Drohobycz ein angenehmes Andenken bewahren werde; was doch in unserer Gemeinde gewiß der Fall sein wird. Ein Schauchet einer mittleren Gemeinde, streng religiös, stets gehorsam, ergeben und pflichttreu, geht, um seines Amtes zu warten, zum Fleischer, stellt den Chalif und besorgt die übrigen Vorbereitungen zum Schlachten eines Nindes. In der Stube sind mehrere Bekannte anwesend; man unterhält sich über interessante Tagesneuigkeiten. Seiner Gewohnheit getreu, nimmt der Schauchet seinen Hut vom Kops, muthmaßlich sein sonst stets darunter befindliches Käppchen, mit welchem er stets zu schlachten gewohnt ist, aus dem Kopse lassend und geht, noch in der Unterhaltung begriffen, nach dem Hof, um au die Arbeit zu gehen. Er verrichtet die Broche, schtachtet das Vieh und kehrt zurück in die Stube. Die Unterhaltung wird fortgesetzt, er geht zur Bedike und kommt wieder, um nach Hause zu wandern. Er greift nach dem Kopse, um sein Käppchen wieder in den Hut zu stecken — aber, o Schrecken, das Käppchen äst nicht da. Das erschreckte Muster von Pflichttreue sucht und sucht, aber findet das verhängnisvolle Käppchen nicht; er fragt seine Umgebunz: ,Wie habe ich geschlachtet?" ,Ohne Kopfbedeckung' wird ihm erwidert. Der Schrecken war um so größer; er sucht wieder und wieder, aber das Käppchen lag friedlich zu Hause. — Wie ein Fegefeuer eilt die Nachricht durch die Gemeinde, ,der Schauchet hat heute das Rind ohne Kopfbedeckung geschlachtet und auch die Broche mir bloßem Kopse über das Rind gemacht.' Der Rabbiner erfährt die schreckliche Mähr' und der arme Schauchet, unschuldig, wie er sich snhlre, lebt in tausend Aengsten über den Ausgang. Die Ge« meinde kennt die ängstliche Pünktlichkeit, Pflichttreue und Penibilität: des Schauchet; der verständige Rabbiner, den Werth seines Beamtem kennend, denkt nach und grübelt, schlägt mehrere S'forim nach, findet׳ aber nichts, denn dieser Fall ist nicht vorgesehen und er muß ent-- scheiden; endlich findet er einen Ausweg. Er ruft den Chasan, fragtihn, ob er nur versehentlich das Käppchen nicht aufgesetzt. ,Ja,. Rabbi," sagt dieser; ..gut, so bist du unschuldig!" Es wird bekannt' gemacht, daß das Fleisch dieses Rindes, da es der Schauchet soeben, ohne Kopfbedeckung geschlachtet hat, mit Kopfbedeckung gegessen werden muß! Dies muß der Schameß bekannt machen. Die Gemeinde war zufrieden, und allgemein hieß es: ״Unser Row - ist doch ein großer׳ Chochom!" I. K. Wien. Der Herausgeber unseres Blattes, Obercantor I. Bauer hat dieser Tage durch den Tod seiner Großmutter, Frau Josefine Beck' geb. Mann, einen herben Verlust erlitten. Dieselbe hat ihn bis zw seinem 13. Lebensjahre erzogen, und deshalb hieng er an ihr mitr doppelter Liebe. Das Begräbniß fand Freitag den 22. d. M. unter׳ zahlreicher Betheiligung statt. Obercantor Bauer verrichtete unter Assistenz des vom Obmanne der Cchewra Kadischa Herrn Pollak Ritter v. Borkenau ihm sreundtichst zur Verfügung gestellten Ouartettes des^ Leopoldstädter Tempels die Leichenfunction. Der Bischof und die Matzekugel. Die Berliner jüdische Presse bringt folgende interessante Notiz: Der jetzige Leitmeritzer Bischof war früher katholischer Retigionslehrer an der Prager׳ Handelsakademie. Au dieser Handelsakademie lehrt auch ein jüdischer׳ Professor, Namens Fischel. Professor Fische! war mit dem katholischen- Religionslehrer sehr befreundet, und jener pflegte diesem jeden Peßach- Matzes und Matzegebäck (Matzekugel) zu verehren. Der Religionslehrer ließ sich dies jeden Peßach gut schmecken, dankte dem Professor׳ Fischel und ersuchte ihn immer, ihm diese Ehrengabe alljährlich zw bieten. Inzwischen ist jener katholische Religionslehrer, Namens Schobel, Bischof zu Leitmeritz geworden; der Peßach kam heran und׳ Professor Fischel wagte es, dem Bischof Matzes und Matzesgebäck per׳ Post zu schicken. Professor Fischel fürchtete noch immer, daß dev Bischof seine Sendung unschicklich finden werde. Und siehe! dieser Tage bekam Professor Fischel voin Bischof ein sehr herzliches Dankschreiben, in welchem es unter Anderen heißt: ,,Die Matzes haben mir sehr gut geschmeckt; ich dachte an den Auszug der Juden aus- Egypten, an Ihre fortdauernde Freundschaft, dachte aber dabei auchan die niederträchtigen Lügen der Antisemiten, welche noch immer behaupten, daß die Matzes mit Christenblut gebacken werden. Indem ich mir die Matzes, die Sie mir zu schicken so freundlich waren״ schmecken ließ, so habe ich dadurch den Beweis geliefert, daß ich jene׳ antisemiteische Behauptung als freche Verlogenheit betrachte." — Dem Schreiben ist nocb die Bitte beigesngt: Der alte Freund Fischelmöge, wenn ihn sein Weg nach Leitmeritz führt, die bischöfliche Residenz mit seinem Besuche beehren. Dieses Schreiben macht nun. in den jüdischen Kreisen Prags freudiges Aufsehen. Allerdings hat Böhmen zwei judensreundliche Bischöfe: den Bischof von Königgrätz- und den Bischof von Leitmeritz. Hovic, den 21. Juni 1883. Gestern Vormittags 10 Uhr, hat hier die Beerdigung der am 19. d. M. nach längeren Leiden verschiedenen edlen Gattin: unseres ehrwürdigen Rabbiners, Dr. Adolf Ehrentheil, Fraw Cäcilie Ehrentheil unter der lebhaftester Betheiligung der gesammten Bevölkerung stattgefunden. Im Trauerhause hatte sich nicht nur die ganze Cultusgemeinde, sondern auch die hervorragendsten Vertreter der hiesigen-- christlichen Stadtgemeinde versammelt. Nachdem der Cantor mit einem gemischten Chore den Trauerchoral ״Adonay mo odomu abgesungen, bewegte sich der düster imposante Zug, von einer,, nach Hunderten zählenden Menschenmenge begleitet, nach dem.