Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-28 · Heft 22 (28.6.1883) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 22 (28.6.1883)
Date
1883-06-28
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3452915-3452937--0635-3454692
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

׳einigen von Vorstandsmitgliedern und dem Collegen I.S t ran sky, der .hiebei ein warmes Interesse für den Verein bekundete, beanlragten Amendments angenommen. Zugleich wnrde beschlossen, dasselbe der hohen k. k. Regierung zur Genehmigung zu überreichen. Sodann richtete College Straus ky an das Präsidium eine Interpellation in Angel genheit der Ernennung eines Prolectors. Der.Vorsitzende erwiederte, die Frage sei bereits vor einiger Zeit in einer Ausschnßsitzung in Anregung gebracht worden. Es sei auch eine geeignete Persönlichkeit angegangen worden, welche die Annahme eines Protectorates in Aussicht ׳stellte/ -Zur׳ Verwahrung des-Vereinsvermögens sei - bis dabin der Vereinscassicr College A. Fischer da, der das unbedingte 'Vertrauen des Plenums und des Ausschusses in hohem Grade genießt- ' - Der Präses!heilt mit, daß er von der Nedaction der Cantoreu-Zeituug die Nachricht über das Hinscheiden des Collegen DiFreifinger in Wottitz erhalten bade. Derselbe sei nicht Mitglich des Vereines gewesen, es entfalle somit die Pr lickt, ein e st atu ra r i s ch v o r g e s ch r i e b c n e Co l L c er c et uz u [ e 11 c n. Da jedoch der Verstorbene'- eine Witwe und fünf ur!mündige .Kinder in großer Notb binterlasseu. das Wenige, was er befeffeu während seiner langwierigen Krankheit anfgebrancht, so beantrage er, daß ausnahmsweise die Collegen in einem Ausrufe zu freiwillige!׳. Spenden aufgefordert werden. (Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Nach Erledigung einiger Einlänie richtet College S t r a nsk u warme Worte der Anerkennung an die Vereinsleitung und den Vorstand, dankt für das Entgegenkommen in Angelegenheit der Zweigniederlassung und spricht zugleich die Hoffnung ans, dieselbe werde zum Wohle des Vereines, zu seiner Blüthe und zu seinem Wachsthume beitragen. Hieraus wird die Sitzung um halb 12 Uhr Nachts vom 'Vorsitzenden für geschlossen erklärt/ Z)er Hlorstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. I David Frei sing er. I College David Freist n ger in Wottitz ist am 16. d. M. im 45. Jahre seines Lebens gestorben. So einfach diese Worte auch lauten, so ist der Jammer, der iu denselben enthalten, ein unendlicher.! . Wenn ein Mann, der noch vor Kurzem einer Eiche glick, der von Gesundheit strotzte .und nicht im entferntesten an den Tod dachte, im besten Alfir den Seinigen entrissen wird, wenn eine arme, aller Mittel entblößte Witwe mit 5 unversorgten Kindern zurückbleibt, so muß dieser Gedanke jedes gefühlvolle Herz mit Schauder ergreifen. David Freisinger, ein edler, biederer Charakter, ein Mensch, der nur für das. Wohl sein er Familie gewirkt und gelebt, war durch nahezu 10 Jahre in Komorn als Obercantor angsstellt und sungirte in derselben Eigenschaft seit Jänner 1882 in Wottitz,!woselbst er sich in der kurzen Zeit seines Dortseins die Liebe und Achtung Aller, die ihn kannten, erwarb. Vor einigen Monaten ergriff "ihrt ein hartnäckiges Leiden, das den letzten Rest seiner -Habe aufzehrte, denn seine Angehörigen und namentlich auch seine beiden Brüder, von denen der eins in Stnhlweißenburg,!der andere in Pilsen als Obercantoren angeftellt sind, ließen kein Mittel ungescheut, um ihn am Leben zu erhalten. Leider war diese Aufopferung von keinem Erfolge gekrönt. Beweint von seinen Angehörigen und betrauert von allen Bewohnern der Stadt, in der er zuletzt lebte, wurde er am verslossenen Soitntage — begleitet von einer großen Menschenmenge beider Confessionen angehörend, zur ewigeu Ruhe bestattet. 11 ב i j ת» j Mit großem Bedauern erfahre icu soeben, daß Freisinger TI״]! nickt dem .Oesterr.-ungar. Cantoren-Vet eine' aitgehörte. Geehrte Freunde und Collegen! Sind wir doch Alle ohne Ausnahme den! tückischen Schicksale preisgegebert! Wie ost tritt nicht plötzlich der Tod vor uns bin und entreißt uns unserer Familie, der daun ein trauriges, schreckliches Los bevorsteht! Betrachtet Euck das eben geschilderte Bild des Jammers und Ihr werdet wahrlich keine Minute Euch bedenken, einem Vereine auzugehöreu, von dem Ihr das Bewußtsein habet, die Enrigeu stehen nicht ganz vertassen da. denn nickt allein die Unterstützungen, die den Witwett und Waisen von demselben zu Theil werden, sondern schon der Gedanke, daß sich der Verein ihrer in Noch und Elend annimmt und ihnen nickt der letzte Hoffnungsfunke geraubt tvird, genügt, daß wir uns Alle. Alls ohne Ausnahme um das Banner deS ,Oesterr.-ungar. Cantoren-Vereines" schaareu mögen! Lasset nun Alle die kleinlichen Bedenken! Ick doch der Verein nunmehr allen Anforderungen gemäß eonckitnirt — davon zeugen ja deutlich dis Statuten desselben. Das Opfer, das man durch den Jahresbeitrag von fl. 4 dem Vereine bringt, ick doch kaum uenuenswerrh. Einen Kreuzer täglich wird wohl ein Jeder von uns ohne, sich die geringste Entbehrung auferlegen zu müssen, beitragen können, wenn es sich um das Wohl seiner Familie, um das Wohl eines ganzen Standes handelt. Ich gebe mich der angenehmen Hoffnung hin, daß diese wenigen Worte genügen, um alle Solle g e n zu bestimmen, in kürzester Zeit dem Vereirte anzugehören, da wir nur mit vereinreu Kräften Großes zu leisten im Stande fein werden und dazu wird uns Gott seine Hilfe geben! Adolf B r o d, Obercantor der Reu-Synagoge. Prag, den 19. Juni 1883. Kleine Chronik. Drohobycz (Ortg.-Correch.) Am 5. d. M. beherbergte unsere Stadt Sc. Ehrw. den Rabbiner Herrn Dr. I. S. Bloch. Am Bahnhöfe fanden sich um 6 Uhr Früh znm Empfange eint Der Cultusratb mit seinem Präses Herrn H. Goldhammer an der Spitze, eine Deputation des Lese- und Geselligkeits-Vereines, gsfükrt von dessen Obmanne, Deputationen anderer jüdischen Vereine und die Creme der beengen jüdischen Bürgerschaft. Nach der Begrüßung des Gastes und Vorstellung der Deputationen durch Herrn Goldhammer stieg der Rabbiner in den bereitstehenden Wagen, und begab sich in leine Wohnung im Palais des Herrn Moritz Lindenbanm, der. ihm einen Theil 'einer Gemächer zur Verfügung stellte. Sämmilicke Deputationen gaben ihm das Geleite bis zu feiner Wohnung. Um bald 1ä Uhr empfing der Rabbiner zahlreiche Besuche. Um halb 1 Uhr stattete derselbe dem k. k. Bezirkshauptmanne, Herrn Kolarzowski, und dem Bezirksrichter, k. k. Landes-Gsrichtsrathe Herrn Dr. Bauch Be- *\ Die Redaction der Oesterr.-ungar. Cantorei,-Zeitung drückt ihr Herz-- lichstes Beileid über den herben Verlust des im kräftigsten ManiieSalter von einem tückischen Geschicke dahingerafften Collegen aus. '«nede seiner Asche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.